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Nachgefragt am 07.04.2011 Rückkehr nach Deutschland

Vater und Sohn

Avdil Tahiri und sein Vater

Report Mainz berichtete am 24.1.2011

Avdil Tahiri kann es immer noch nicht fassen. Noch im Dezember ging er in Deutschland zur Schule. Jetzt steht er in Serbien in einem ärmlichen Roma-Lager vor dem Nichts. Er spricht die Sprache nicht, kann nicht mehr zur Schule. Schlimmer noch. Wenige Wochen nach der Abschiebung stirbt die Mutter. Der Anwalt erhebt schwere Vorwürfe. Die Frau hätte niemals abgeschoben werden dürfen. Denn ein ärztliches Attest bescheinigte ihr, dass sie nicht reisefähig war. Doch die Abschiebebehörden haben das Attest offenbar ignoriert. Erst als die Mutter stirbt und REORT MAINZ nachfragt, reagiert die Bürokratie.

Nachgefragt am 07.4.2011

Avdil Tahiri und sein Vater sind zurück aus Serbien. Vor zwei Monaten hatte REPORT MAINZ über die Abschiebung der Familie Tahiri aus Mayen in den Kosovo berichtet. Der rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch hatte damals auf Nachfrage von REPORT MAINZ erklärt, dass die Familie aus humanitären Gründen zurückkommen dürfe. Avdil Tahiris Mutter war wenige Wochen nach der Abschiebung an den Folgen einer Hirnblutung gestorben.

Doch nach der Ankündigung vergingen noch zwei Monate bis Avdil und sein Vater tatsächlich zurückkehren konnten. Schwierigkeiten bereitet vor allem, dass Avdil keine gültigen Papiere mehr für eine Einreise nach Deutschland besaß. Vor einer Rückkehr nach Deutschland musste zunächst die Staatsangehörigkeit des im Gebiet des heutigen Kosovo geborenen Sohnes geklärt werden. Die Familie war direkt nach ihrer Abschiebung in den Kosovo nach Serbien weitergereist. Dort leben die Familienangehörigen der Roma seit ihrer Flucht im Kosovokrieg, weil sie weiterhin Verfolgung fürchten. Zudem war unklar, wer die Kosten der der Rückholung tragen sollte. Schließlich hat PRO ASYL die Kosten für die Rückkehr der Familie übernommen.

Die Umstände der Abschiebung Ende vergangen Jahres waren umstritten. Der Anwalt der Familie hatte gegenüber REPORT MAINZ den Behörden vorgeworfen, sie hätten ihn und die Familie im falschen Glauben gelassen, eine Abschiebung stehe vorerst nicht bevor. Zudem hätte die psychisch kranke Mutter von Avdil gar nicht abgeschoben werden dürfen. Ein Attest ihres Arztes hatte vor den Folgen einer Abschiebung gewarnt.

Der Anwalt der Familie, Jens Diekmann, fordert jetzt nach der Rückkehr gegenüber REPORT MAINZ, dass die Umstände der Abschiebung vollständig aufgeklärt werden müssten. Das Innenministerium Rheinland Pfalz hatte nach dem Tod von Borka Tahiri eine Untersuchung angekündigt. Bis heute liegt dem Anwalt der Familie nach seinen Angaben kein Ergebnis dieser Untersuchung vor.

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Nach der Berichterstattung von REPORT MAINZ durfte eine in den Kosovo abgeschobene Romafamilie jetzt aus humanitären Gründen doch wieder zurückkehren. Die Umstände der Abschiebung Ende 2010 waren umstritten. Der Rechtsanwalt der Familie fordert vom rheinland-pfälzischen Innenministerium nun eine vollständige Aufklärung.

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