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"Märkische Allgemeine" zu Beitrag über Erbschleicher REPORT MAINZ nimmt Stellung

Die "Märkische Allgemeine" hat sich in einem Zeitungsartikel kritisch mit einem REPORT MAINZ-Beitrag über Erbschleicher auseinandergesetzt. Die Redaktion nimmt dazu Stellung.

Zu unserer Recherche zum Fall von des verstorbenen Günther Krause ist eine Berichterstattung in der Märkischen Allgemeinen erschienen. Darin geht ein Ehepaar offensiv an die Presse, das gegenüber Report Mainz ausdrücklich auf sein Persönlichkeitsrecht bestanden hat und verlangt hat, dass alle Informationen vertraulich behandelt werden müssten. Daher haben wir über das Ehepaar vollständig anonymisiert berichtet.

Der Zeitungsartikel in der Märkischen Allgemeinen Zeitung liest sich wie ein Verteidigungsschreiben für das Ehepaar Haller.

Unsere Redaktion hat in den vergangenen Jahren mehrfach darüber berichtet, dass Menschen am Ende ihres Lebens häufig einsam und verletzlich sind und in dieser Situation leicht zu Opfern finanzieller Ausbeutung werden. Kern unserer Recherchen war, dass in Deutschland die rechtliche Grundlage dafür fehlt, alte Menschen vor solchem finanziellen Missbrauch zu schützen.

Diesen berechtigten Verdacht kann man nach unseren Recherchen auch bei Günther Krause haben: Er war sehr krank, physisch und psychisch, das belegen Arztbriefe, die der Redaktion vorliegen. Und er war emotional in einer Ausnahmesituation, da seine Frau gestorben war, die sein Leben für ihn immer organisiert habe, sagen mehrere Gesprächspartner gegenüber Report Mainz. Somit war davon auszugehen, dass er sehr leicht beeinflussbar war.

Aber war Günther Krause damals 2015 noch geschäftsfähig? Diesen Punkt behandelt ein Verfahren des Amtsgerichtes, das Bodo Krause im selben Jahr beantragt hatte: Nach Aussagen von seinem Bruder, mehreren Mietern und Bekannten hatte Günther Krause, innerhalb von wenigen Monaten den Kontakt zu nahezu allen Menschen abgebrochen. Zudem hatte er eine Generalvollmacht sowie Testament zugunsten von Frau Haller errichtet. Nach diesen Ereignissen habe Bodo Krause als einzige Möglichkeit, seinem Bruder zu helfen, eine Kontrollbetreuung gesehen. Tatsächlich wurde diese Kontrollbetreuung vom Amtsgericht Brandenburg 2015 abgelehnt. Basis dafür war ein neurologisches Gutachten, das zu dem Ergebnis kam, dass Günther Krause im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war. 

Erst nach dem Tod von Günther Krause bekam sein Bruder Bodo dieses Gutachten zu lesen und stellte fest, dass sein Bruder dem Gutachter seine Lebensgeschichte in wesentlichen Teilen falsch geschildert hatte: So hatte er zum Beispiel angegeben, 30 Jahre in Westdeutschland gelebt zu haben. Tatsächlich habe sein Bruder aber nachweislich sein gesamtes Leben lang in Brandenburg gelebt, als Geschäftsführer der elterlichen Bäckerei. Nach Aussagen von Bodo Krause sind in dem Gutachten noch viele weitere Falschangaben seines Bruders, die dem Gutachter nicht aufgefallen seien und die ihn an der Einschätzung des Gutachters zweifeln lassen. Das Amtsgericht Brandenburg hat offenbar ebenfalls Zweifel an dem Gutachten, denn es hat inzwischen ein forensisches Gutachten bei einem neuen Sachverständigen in Auftrag gegeben, das noch aussteht.

Ob also Günther Krause damals geschäftsunfähig war oder nicht, ist nicht abschließend geklärt. Unabhängig davon haben wir in unserer Berichterstattung nie behauptet, Günther Krause sei nicht geschäftsfähig gewesen. Dass er extrem beeinflussbar war, legen viele Indizien, Zeugenaussagen und Dokumente nahe.  Zentrales Vorgehen vermeintlich gutmeinender Menschen ist dabei in der Regel, dass sie sich einerseits das Vertrauen eines alten Menschen erwerben und gleichzeitig Misstrauen gegen das Umfeld streuen. Mehrere Zeugenaussagen bestätigen, dass Günther Krause plötzlich große Sorge davor hatte, in ein Altersheim abgeschoben zu werden, ohne dass davon überhaupt gesprochen worden sei.  Günther Krause sei bis zum Erscheinen von Frau Haller in der Mietergemeinschaft gut aufgehoben gewesen. Eine Mieterin habe gegen Entgelt Herrn Krause und seinen Haushalt versorgt, sei jederzeit ansprechbar gewesen. Es habe für die Ängste seines Bruders keinerlei realen Grund gegeben, sagt sein Bruder.

Die Kriminalkommissarin Annett Mau vom Landeskriminalamt Berlin ist Spezialistin für Fälle von Vollmachtsmissbrauch und Untreue an alten Menschen. Sie hat im Interview gegenüber REPORT MAINZ bestätigt, dass ihr Dezernat hunderte solcher Fälle untersucht hat und noch nie ein Betrüger abschließend strafrechtlich belangt wurde. Sie geht davon aus, dass alte Menschen in Deutschland durch das Gesetz nicht ausreichend vor finanzieller Ausbeutung geschützt werden.

Die Tatsache, dass Erbschleicherei kein Straftatbestand ist, ist genau Gegenstand und Ursache für unsere Berichterstattung. Zu dieser stehen wir trotz des Berichts in der Märkischen Allgemeinen Zeitung uneingeschränkt weiter.