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SENDETERMIN Mo, 30.8.2010 | 21:45 Uhr | Das Erste

Leugnen, Tricksen, Täuschen Niedersachsens Landwirtschaftsministerin führt die Öffentlichkeit in der Putenmastaffäre hinters Licht

Die Aufnahmen aus zwei Betrieben in Mecklenburg Vorpommern zeigen kranke, verletzte und auch tote Puten. Es geht um die Frage, welche Verantwortung sie dafür trägt: Astrid Grotelüschen, niedersächsische Landwirtschaftsministerin.

Diese Tiere stammen alle aus der Mastputenbrüterei Ahlhorn. Die gehört Garlich Grotelüschen, dem Mann der Ministerin. Jahrelang hat auch Astrid Grotelüschen in dem Unternehmen gearbeitet. Erst im April schied sie aus.

Als wir sie mit den Recherchen konfrontieren, weist sie die Vorwürfe zurück und versucht REPORT MAINZ in Misskredit zu bringen.

Frage: Bezweifeln Sie die Echtheit dieser Aufnahmen?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsisches Landwirtschaftsministerium, 10. August 2010:

A. Grotelüschen

Astrid Grotelüschen, CDU, Landwirtschaftsministerin Niedersachsen

"Unter anderem das auch, weil uns Eidesstattliche Erklärungen der betroffenen Landwirte vorliegen, dass diese Aufnahmen, die dort gezeigt wurden in Teilen nicht aus ihren Ställen stammen."



Um diesen Vorwurf zu erhärten, versendet das Ministerbüro bereits am 09. August diese Email.

Im Anhang schickt uns der Pressesprecher "drei Eidesstattliche Erklärungen der beschuldigten Landwirte zu". Darin führen die Mäster wortgleich aus, dass die "Filmaufnahmen von toten Tieren nicht in dem Bestand gemacht worden (sein) können". Denn solche Zustände kämen in den Farmen nicht vor.

Doch was sind diese Erklärungen der Mäster wert?

REPORT MAINZ liegt das ungeschnittene Bildmaterial vor.

Zu sehen: verletzte Tiere, dann bewegt sich die Kamera aus der Halle, wird auf Infrarotmodus umgeschaltet.

Wir spulen vor.

Dann kommt dieses Schild ins Bild. Durch die Infrarotaufnahme wird zwar der rote Schriftzug nicht aufgezeichnet, dennoch kann das Schild eindeutig diesem Betrieb zugeordnet werden.

Bauliche Besonderheiten, wie diese Futtersilos lassen auch in der zweiten Mastanlage keinen Zweifel an der Echtheit der Aufnahmen aufkommen. Klar ist also, die Aufnahmen der gequälten Tiere wurden in den beiden betroffenen Betrieben gemacht. Die Behauptungen in den Eidesstattlichen Versicherungen der Mäster sind also falsch.

Wie konnte es zu solchen falschen Behauptungen kommen?

Das wollten wir auch von den Mästern wissen, doch die lehnen ein Interview ab.

Und Astrid Grotelüschen erklärt auf einer Pressekonferenz plötzlich, sie kenne die Eidestattlichen Versicherungen nicht, obwohl sie zwei Tage vorher mit ihnen argumentierte.

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin, 12. August 2010:

"Ich habe keine Kenntnis über diese eidesstattliche, also -. Die liegt mir nicht vor."

Merkwürdig: Denn ein Blick auf die Sendeerkennung zeigt:
Am 06. August wurde eine der Erklärungen vom Faxabsender "Grotelüschen Ahlhorn" an einen Mäster verschickt. Diese Nummer finden wir auf der Homepage der CDU Politikerin Astrid Grotelüschen. Im Impressum: Die identische Faxnummer.

Was hat die Ministerin mit den falschen Erklärungen zu tun?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin, 27. August 2010:

"Sie kamen aus dem Büro in Ahlhorn, weil sie von dort aus versendet worden sind."

Frage: Und haben Sie sich daran beteiligt?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin, 27. August 2010:

"Nein, weil das der Betrieb meines Mannes ist und ich keine Verbindung mehr zu diesem Betrieb habe."

Frage: Aber das ist doch die Faxnummer, die bei Ihnen auf der Internetseite war, wo man Sie in Ihrem Wahlkreisbüro erreichen kann?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin, 27. August 2010:

"Das ist nicht richtig, unter Kontakt sind die korrekten Daten, wo man mich erreichen kann drin. Es war eine fälschliche Nummer im Impressum und die ist korrigiert worden."

Fest steht: Das Faxgerät steht in ihrem CDU Büro. Und das befindet sich in diesem Verwaltungsgebäude der Mastputenbrüterei in Ahlhorn.

Mittlerweile behaupten die Grotelüschens: Der Mann der Ministerin habe die Eidesstattlichen Versicherungen geschrieben und verschickt. Davon habe die Ministerin nichts gewusst?

Kann das sein?

Am vergangenen Freitag in Hannover. Sitzung des Agrarausschusses. Die Opposition will Aufklärung. Missbraucht die Ministerin ihr Amt, um die Geschäftsinteressen ihrer Familie zu schützen?

Konfrontation: Astrid Grotelüschen, Niedersächsische Landwirtschaftsministerin, 27. August 2010

Frage: Warum haben Sie Ihr CDU Büro in den Räumen des Geschäfts Ihres Mannes?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin:

"Das sind Privaträume und das Büro ist dort angemietet, von meiner Person."

Frage: Das ist aber ein CDU Büro?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin:

"Das ist ein Büro der Kreistagsabgeordneten Astrid Grotelüschen, ja."

Frage: Vermischen Sie Amt und Geschäft?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin:

"Nein."

Frage: Das können Sie trennen?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin:

"Richtig."

Frage: Haben Sie Ihren Mann, informiert, vorab?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin:

"Nein, natürlich selbstverständlich nicht."

Frage: Woher wusste Ihr Mann die ganzen Informationen, die in den Eidesstattlichen Versicherungen stehen?

O-Ton, Astrid Grotelüschen, CDU, Niedersächsische Landeswirtschaftsministerin:

"Also, ich denke ich habe alle Sachverhalte im Ausschuss sehr deutlich klar gestellt. Es gibt keine Verantwortung."

Keine Verantwortung. Für die schwerwiegenden Missstände in zwei Mastbetrieben, die eng mit ihrem Familienbetrieb zusammenarbeiten. Niedersachsens oberste Tierschützerin, Astrid Grotelüschen vertuscht, trickst und lenkt ab. - Aufklärung sieht anders aus.