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Text des Beitrags Lasche Düngeverordnung

Warum Bauern trotz Subventionen das Grundwasser verschmutzen dürfen

Was hat dieses Leitungswasser mit unserer Landwirtschaftsministerin zu tun? Eine ganze Menge. Vereinfacht gesagt, geht es um Stoffe, die für Pflanzen toll, für den Menschen aber gefährlich sein können.

Nitrat Grenzwert

Nitrat-Grenzwert

Es geht um Nitrate. Weil die von Pflanzen als Nährstoffe genutzt werden, setzt die Landwirtschaft sie gerne als Düngemittel ein. So gelangen sie ins Grundwasser und dann ins Trinkwasser.

Bei Menschen können Nitrate bei entsprechend hoher Dosierung im Körper umgewandelt werden und Krebs auslösen. Und deshalb gibt es einen Grenzwert für Nitrate im Trinkwasser. Doch den können Wasserwerke immer schwerer einhalten, weil die Landwirte immer mehr düngen.

Und wenn es um Landwirte geht, ist die Landwirtschaftsministerin gefragt. Und von der wollten Monika Anthes und Claus Elßmann wissen, wie sie das Wasser sauber halten will.

Bericht

Der Geologe Alfons Baier an einer seiner Grundwassermessstellen.
Seit vielen Jahren erforscht der Wissenschaftler die Wasserqualität in Nordbayern. Immer öfter stößt er auf extrem hohe Nitratwerte:

Alfons Baier

Alfons Baier, Geologe Universität Erlangen

O-Ton, Alfons Baier, Geologe Universität Erlangen:

»Je mehr Nitrat hier drin gelöst ist, umso stärker steigt hier auch dieser Meßwert in diesem Gebiet hier an. Also dieses Wasser hier würde ich für die Trinkwasserversorgung nicht nehmen.«

Das Nitrat im Wasser kommt von den Feldern. Gülle aus der Massentierhaltung und Gärreste aus Biogasanlagen treiben die Werte nach oben. Für den Wissenschaftler steht fest: Unser Grundwasser ist ernsthaft in Gefahr.

O-Ton, Alfons Baier, Geologe Universität Erlangen:

»Wir haben einige Regionen hier in Nordbayern, wo man das Grundwasser direkt zum Düngen für die Felder verwenden kann. So viel an Düngemitteln, an Gülleinhaltsstoffen ist da drin. Rauspumpen und gleich verspritzen auf das Feld.«

Hohe Nitratwerte im Grundwasser – das gefährdet auch die Qualität unseres Trinkwassers. Für Nitrat im Trinkwasser gilt ein strenger Grenzwert von maximal 50 mg pro Liter. Denn hohe Nitratdosen können Krebs auslösen.

Doch immer mehr Wasserversorger von Bayern bis Ostfriesland schlagen jetzt Alarm. Sie befürchten, die Nitrat-Grenzwerte bald nicht mehr einhalten zu können.

Manfred Kraheberger

Manfred Kraheberger, Wasserzweckverband Rottenburger Gruppe

O-Ton, Manfred Kraheberger, Wasserzweckverband Rottenburger Gruppe:

»Das ist aus meiner Sicht eine sehr alarmierende Situation. Man kann das ja wunderbar ablesen, es steigt von Jahr zu Jahr um ein Milligramm. Wir sind knapp vor dem Grenzwert. Es ist auch damit zu rechnen, dass der Nitratgrenzwert irgendwann nicht eingehalten werden kann.«

O-Ton, Bernhard Röhrle, Landeswasserversorgung Baden-Württemberg:

»Wir müssen dringend und kurzfristig reagieren, so dass es zu keinen Grenzwertüberschreitungen kommt.«

Egon Harms

Egon Harms, Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband

O-Ton, Egon Harms, Oldenburgisch-Ostfriesischer Wasserverband:

»Aber die Situation ist für uns hier mittlerweile hoch dramatisch, weil eben die Nitratwerte wieder steigen.«

Ein Beispiel: Die Landeswasserverorgung in Baden-Württemberg. Über 250 Städte und Gemeinden bekommen von hier ihr Trinkwasser. Bernhard Röhrle kämpft hier seit vielen Jahren für niedrigere Nitratwerte, bisher vergebens.

O-Ton, Bernhard Röhrle, Landeswasserversorgung Baden-Württemberg:

»Das ist für eine Trinkwasserversorgung in der Größenordnung der Landeswasserversorgung für immerhin drei Millionen Menschen absolut unbefriedigend.«

Diese absolut unbefriedigende Situation ist kein Einzelfall, erfahren wir im Umweltbundesamt.

Jochen Flasbarth

Jochen Flasbarth, Präsident Umweltbundesamt

O-Ton, Jochen Flasbarth, Präsident Umweltbundesamt:

»Ein Viertel des Grundwassers in Deutschland hat zu hohe Nitratwerte. Und dort wo wir hohe Viehdichten haben, ist das Problem besonders gravierend. Und in den letzten Jahren kommt zusätzlich die Belastung aus Biogasanlagen bzw. dem damit verbundenen Maisanbau.«

Hauptproblem: Immer mehr Maisanbau, für die schnell wachsende Anzahl an Biogasanlagen. Selbst in Wasserschutzgebieten. Wir sind unterwegs mit Berhard Röhrle von der Landeswasserversorgung.

Berhard Röhrle

Bernhard Röhrle, Landeswasserversorgung Baden-Württemberg

O-Ton, Bernhard Röhrle, Landeswasserversorgung Baden-Württemberg:

»Sie sehen hier eine der Biogasanlagen, die mit zu den Nitratproblemen im Grundwasser beitragen. Und genau das ist das Problem. Wir haben hier, entlang unserer Wasserschutzzone, rund 25 Biogasanlagen, die sich wie eine Perlenschnur aneinander aufreihen.«

Der Mais wird stark gedüngt, die Reste aus den Anlagen landen ebenfalls auf den Feldern. Die Folge: noch mehr Nitrat im Wasser.

Jochen Flasbarth Präsident des Umweltbundesamtes fordert jetzt schärfere Regeln, auch für Biogasanlagen.

O-Ton, Jochen Flasbarth, Präsident Umweltbundesamt:

»Das Umweltbundesamt empfiehlt dringend, dass die Dünge-Verordnung präzisiert und verschärft wird. Das ist wirklich sehr dringend, dass wir die Gärreste auch mit in die Düngebilanz mit einbeziehen, das ist im Augenblick nicht der Fall. Insofern gibt es hier einen wirklich dringenden Handlungsbedarf.«

Schnell schärfere Gesetze für einen besseren Grundwasserschutz. Dafür ist sie zuständig – Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner.

Doch statt konsequent zu handeln, hat ihr Ministerium das Thema abgeblockt und erst mal auf die Zeit nach dem Wahlkampf vertagt, wettert die Opposition.

Wolfgang Reimer

Wolfgang Reimer, B‘90/Grüne, Ministerialdirektor Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg

O-Ton, Wolfgang Reimer, B‘90/Grüne, Ministerialdirektor Landwirtschaftsministerium Baden-Württemberg:

»Die Bundesregierung will dieses unbeliebte Thema, weil sie natürlich auch die Auseinandersetzung mit der Landwirtschaft scheut, nicht vor der Bundestagswahl aufgreifen.«

Dabei macht auch die EU-Kommission in Brüssel massiv Druck. REPORT MAINZ liegt exklusiv ein internes Schreiben der Umweltkommission vor.

Darin heißt es, man sei "weiterhin über die Entwicklung der Wasserqualität in Deutschland besorgt". Die Kommission fordert: Die Nitratwerte müssen möglichst schnell gesenkt werden.

Eine deutliche Forderung an die Landwirtschaftsministerin. Was sagt Ilse Aigner dazu? Nachfrage am Rande einer Wahlkampfveranstaltung.

Frage: Frau Aigner, warum haben Sie eine Verschärfung der Düngeverordnung verhindert?

Ilse Aigner

Ilse Aigner, CSU, Bundeslandwirtschaftsministerin

O-Ton, Ilse Aigner, CSU, Bundeslandwirtschaftsministerin:

»Wir arbeiten ja im Moment gerade an der ganzen Düngeverordnung, letztendlich auch mit der Kommission. Das ist ein normaler Prozess, der dauert mehrere Jahre in der Regel und da sind wir gerade dabei.«

Die Ministerin hat es mit dem Grundwasserschutz also nicht so eilig. Ganz im Sinne der Bauern, doch mit gravierenden Folgen für unser Wasser.

O-Ton, Alfons Baier, Geologe Universität Erlangen:

»Wir verpesten uns unser Grundwasser. Wenn wir das aus Unvernunft kontaminieren, verschmutzen, ist das wirklich das alte Beispiel von jemandem, der sich selbst den Ast absägt.«

Abmoderation Fritz Frey

Könnte die fehlende Eile der Bundeslandwirtschaftsministerin auch etwas damit zu tun haben, dass es bald Landtagswahlen in Bayern und Bundestagswahlen in Deutschland gibt, und Landwirte eben auch Wähler sind?