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"Infratest dimap"-Umfrage Mehrheit der AfD-Anhänger sieht sich als gesellschaftliche Gewinner

Immer weniger Deutsche sehen sich als Modernisierungsverlierer. Seit 2009 gibt es einen deutlichen Rückgang um 8 Prozentpunkte.

Obdachloser Mann

Obdachloser Mann (Sujetbild)

Die Mehrheit der AfD-Anhänger (56 Prozent) sieht sich als Gewinner der gesellschaftlichen Entwicklung. Als Modernisierungsverlierer fühlen sich nur 28 Prozent der AfD-Anhänger. Das ist das Ergebnis einer aktuellen repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts "infratest dimap" im Auftrag des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ. Insgesamt sieht sich die Mehrheit der Deutschen nicht als Modernisierungsverlierer. 61 Prozent der Befragten gaben an, sich als Gewinner der gesellschaftlichen Entwicklung zu fühlen. 21 Prozent der Befragten sehen sich als Verlierer. 16 Prozent der Befragten gaben an, sich weder als Gewinner noch als Verlierer zu fühlen. Der Anteil der gefühlten Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung ist damit seit 2009 um 8 Prozentpunkte zurückgegangen und ist derzeit so niedrig wie seit dem Jahr 2002 nicht mehr. Das Ergebnis ist laut "infratest dimap" vor allem auf das konjunkturell bessere Umfeld zurückzuführen. Die detaillierten Ergebnisse der Studie gibt es hier.

Bei der Aufschlüsselung nach Parteianhängern gibt es deutliche Unterschiede. So liegt der Anteil der AfD-Anhänger mit Verlierergefühl mit 28 Prozent über dem Bundesschnitt, aber deutlich unter dem der Linken-Anhänger: Denn 34 Prozent der Linken-Anhänger sagen von sich, sie seien Verlierer der gesellschaftlichen Entwicklung. Von den CDU-Anhängern bezeichnen sich die wenigsten Befragten als gesellschaftliche Verlierer (15 Prozent), gefolgt von den FDP- und SPD-Anhängern (jeweils 19 Prozent) sowie den Grünen-Anhängern (20 Prozent).

Roberto Heinrich, verantwortlicher Studienleiter bei "infratest dimap", erklärte dazu: "Unsere Studie zeigt, es gibt in Deutschland keinen Trend in Richtung eines zunehmenden Verlierergefühls. Entsprechende Wahrnehmungen sind immer von der konjunkturellen Situation geprägt. Verlierergefühle sind aktuell in der Bundesrepublik sichtbar insbesondere bei Arbeitern, Niedrigverdienern und einfach Gebildeten. Sie sind aber insgesamt weniger stark erkennbar als beispielsweise unmittelbar nach der Finanzkrise. Dies bedeutet zugleich, dass das Phänomen AfD in Deutschland nicht einfach nur mit wachsenden Benachteiligungsgefühlen erklärbar ist. Zwar mobilisiert die AfD momentan Verlierergefühle. Weitaus mehr ihrer Anhänger aber sehen sich als gesellschaftliche Gewinner."

Die Ergebnisse der aktuellen Umfrage decken sich mit den Forschungsergebnissen des Soziologen Prof. Holger Lengfeld von der Universität Leipzig. Im Interview mit dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ sagte Prof. Lengfeld: "Aus unseren Befunden können wir sagen, dass die Angst vor sozialem Abstieg derzeit so gering ausgeprägt ist wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Wir hatten eine wirtschaftliche Entwicklung, die war sehr positiv, es gab einen Rückgang der Arbeitslosigkeit. Deshalb ist es nicht plausibel, dass die Abstiegsangst nun zum Erstarken der AfD beigetragen hat.

Es ist viel naheliegender, und das zeigen auch unsere Befunde, dass es die Sorge vor Zuwanderung ist, vor Überfremdung möglicherweise, der Verlust nationaler Identität, aber auch fremdenfeindliche Motive, die dazu beitragen, dass die AfD größer geworden ist." Mit Blick auf die CDU, die in einem ersten Entwurf des Leitantrags für ihren Bundesparteitag angekündigt hatte, so genannte "Modernisierungsverlierer" stärker in den Blick zu nehmen, sagte Prof. Lengfeld: "Wenn man versucht, diejenigen, die die AfD aus wirtschaftlichen Gründen unterstützen und die sich als Modernisierungsverlierer sehen, wieder zurückzuholen zu den etablierten Parteien, dann glaube ich, dass das nur in geringem Maße geschehen wird und gelingen wird, weil die Unterstützung der AfD eben von anderen Dingen wie Fremdenfeindlichkeit oder die Ablehnung ungesteuerter Zuwanderung lebt als vor wirtschaftlichen Gründen."

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REPORT MAINZ fragt Prof. Holger Lengfeld

Prof. Holger Lengfeld forscht seit Jahren intensiv zu den sozialen Abstiegsängsten der Deutschen. Seine Studien zeigen: Es können nicht wirtschaftliche Sorgen sein, die die Wähler zu Rechtspopulisten wie der AfD treiben.

Das Meinungsforschungsinstitut "infratest dimap" befragte im Auftrag des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ für die repräsentative Erhebung im Zeitraum vom 23. bis 25. November 2016 telefonisch insgesamt 1.031 wahlberechtigte Bürgerinnen und Bürger ab 18 Jahren. Die Frage lautete: "Man spricht ja häufiger von Gewinnern und Verlierern der gesellschaftlichen Entwicklung. Was würden Sie von sich selbst sagen: Fühlen Sie sich eher auf der Gewinner- oder eher auf der Verliererseite?"