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Text des Beitrags Hooligans gegen Salafisten

Wer sind die Drahtzieher hinter den Demos?

Moderation Fritz Frey:

Die Sorgen vor einer starken Ausbreitung des Islams in unserer Gesellschaft, sie nehmen zu.

"Hart aber fair" ließ fragen, ob man sich große Sorgen mache, dass sich der Islam bei uns zu stark ausbreite. Das Ergebnis der repräsentativen Umfrage: 42 Prozent sagen: Ja. Vor fünf Jahren waren es noch 36 Prozent.

Diese wachsenden Sorgen gilt es ernst zu nehmen – auch deshalb, weil sonst rechtsradikale Kräfte diese mehr und mehr instrumentalisieren.

Wie das geht? Das zeigt der Bericht von Swantje Hirsch und Edgar Verheyen.

Polizei im Einsatz bei einer Demonstration

Polizei im Einsatz bei einer Demonstration

Bericht:

O-Ton, Demonstranten:

"Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!"

Dresden, gestern Abend. 5.500 Menschen demonstrieren.
Aufgerufen hat die PEGIDA – "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes."

Angeblich geht es vor allem um Salafisten. Ihr Thema: "Gegen Glaubenskriege auf deutschem Boden." Aber darüber reden will mit uns so gut wie niemand.

Frage: Entschuldigung, darf ich Sie mal fragen, warum Sie mitlaufen?

Frage: Darf ich bei Ihnen mal fragen, warum Sie mitlaufen?

O-Ton, Demonstrant:

"Wegen Heimatschutz."

Frage: Wegen Heimatschutz?

O-Ton, Demonstrant:

"Genau ."

Frage: Das heißt, gegen die Salafisten oder was ist genau der Grund?

O-Ton, Demonstrant:

"Unter anderem ."

Frage: Was heißt unter anderem?

O-Ton, Demonstrant:

"Keine weiteren Angaben."

O-Ton, Demonstrant:

"Keine Interviews, Lügenpresse."

Frage: Warum?

O-Ton, Demonstrant:

"Weil Sie alles verdrehen, weil wir angeblich Rechte sind. Tschüss ."

Frage: Sie müssen mir doch mal was ins Mikro…

Frage: Darf ich Sie mal ansprechen, warum Sie bei der Demo sind, ich bin von der ARD?

O-Ton, Demonstrant:

"Es ist gut für Deutschland."

Frage: Gegen was demonstrieren Sie denn eigentlich?

O-Ton, Demonstrant:

"Ja..."

Im Internet wurde die Parole ausgegeben, nicht mit der Presse zu reden.

Frage: Kann ich ihm keine Frage stellen? Gut, aber er war gerade beim Antworten gewesen. Wollen Sie jetzt nichts mehr sagen?

Von Woche zu Woche werden es mehr Menschen, darunter viele Wutbürger. Aber auch etliche Rechtspopulisten, NPD-Funktionäre, etwa Arne Schimmer, Ex-Landtagsabgeordneter, und Jens Bauer, Stadtrat in Dresden.

Zwei Tage zuvor: Chemnitz. Eine Bürgerdemo war angemeldet unter dem Titel: "Asylwahnsinn, Überfremdung, Islamisierung."

Vor Ort entdecken wir Anhänger des Rings nationaler Frauen, einer NPD-Unterorganisation. Unter den Zuhörern finden wir auch führende NPD-Mitglieder wie Stephan Hartung aus dem Kreisverband Erzgebirge. Die Rednerin hat klare Botschaften.

O-Ton:

"Warum berichtet man kaum über Straftaten von kriminellen Asylanten? Warum wird dies alles tot geschwiegen? Obwohl es absolut keine bedauerlichen Einzelfälle mehr sind? Wir sind das Volk! Wir sind das Volk! Wir sind das Volk!"

Wir finden in den sozialen Netzwerken bei den Unterstützern der Veranstaltung deutliche Kommentare:

"Hey Asylschmarotzer, wenn euch unsere Meinungsfreiheit nicht gefällt, dann nutzt doch die Reisefreiheit!"

"Grenzen dicht machen, es reicht."

"Raus aus Deutschland mit straffälligen Asylanten sofort!"

"Deutscher Boden für deutsches Volk."

Was geht hier vor? Wir bitten den Politikwissenschaftler Hajo Funke und die niedersächsische Verfassungsschutzpräsidentin Maren Brandenburger um eine Einordnung.

O-Ton, Hajo Funke, Politikwissenschaftler:

Hajo Funke

Hajo Funke

"Es geht natürlich nicht um den Islam als Islam, auch wenn das dann so benannt wird. Das Entscheidende ist die Wutentfesselung, und die ist ungerichtet und wird dann genutzt, um zu sagen, dies ist der Feind."




O-Ton, Maren Brandenburger, Verfassungsschutzpräsidentin Niedersachsen:

"Es geht eigentlich nicht nur um den Salafismus. Man protestiert nicht vordergründig nur gegen den Salafismus, sondern es ist in erster Linie eine tief sitzende Islamfeindlichkeit, die hier zum Ausdruck kommt."

Es beginnt im Februar in Mönchengladbach. Bei einer Kundgebung des Salafisten Pierre Vogel stören 150 Hooligans die Veranstaltung. Die Polizei kann Übergriffe gerade noch verhindern.

23. März im Mannheim. Unter den Salafismus-Gegnern treten erstmals viele Rechtsextremisten in Erscheinung. Versuchen das Ganze für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen.

26. Oktober in Köln: Die Lage gerät außer Kontrolle. 5.000 Hooligans und Rechtsradikale greifen gemeinsam die Sicherheitskräfte an.

Hooligans gegen Salafisten. Damit fing alles an.

Maren Brandenburger

Maren Brandenburger

O-Ton, Maren Brandenburger, Verfassungsschutzpräsidentin Niedersachsen:

"Unsere Sorge ist auch, dass aus dieser Hogesa-Bewegung, die ja auch viele Facetten hat, es gibt ja auch schon die Pegida, die Sagesa und die Lagesa, dass aus diesem Bewegungscharakter etwas wird, was übergeht in einen Kampagnenteil gegen Asyl, gegen Zuwanderung, gegen Einwanderung, und das haben wir bei diesen Veranstaltungen der Hogesa ja auch schon gehört, dass gesagt wird die Massenzuwanderung als solche sei vermeintlich das Problem."

Und tatsächlich häufen sich Demonstrationen bundesweit. Immer unter der Fahne "Anti-Salafismus".

Seit Februar haben in elf Städten solche Demos stattgefunden. Acht weitere sind angekündigt.

Die NPD sieht diese Entwicklung als Chance und organisiert inzwischen selbst ähnliche Veranstaltungen.

"Saarländer gegen Salafisten" – wie in Völklingen an der Saar am vergangenen Samstag. Veranstalter ist Sascha Wagner. Der Organisationsleiter der saarländischen NPD.

Hauptredner der Landesvorsitzende Peter Marx. Auch seine Botschaft hat mit einem Protest gegen den Salafismus nichts zu tun:

O-Ton, Peter Marx, NPD, Landesvorsitzender Saarland:

Peter Marx, NPD

Peter Marx, NPD

"Wir sorgen dafür, dass die deutsche Jugend auf der Straße nicht kuschen muss, sondern, dass die deutsche Jugend, dass ihr bewusst wird: Nein, ihr seid nicht Angehörige eines Verbrechervolkes! Ihr könnt stolz sein, Deutsche zu sein!"

O-Ton, Demonstrant:

"Wir wollen keine Salafisten-Schweine!"

O-Ton, Hajo Funke, Politikwissenschaftler:

"Wenn das konsensfähig würde und man unter diesen unterschiedlichen Gruppen sich zusammenschließt in einer großen Wut gegen das Fremde, dann spielt das den Rechtsextremen in die Hände. Dann spielt das der NPD, einer neonazistischen, rassistischen Partei in die Hände."

In Dresden demonstrierten gestern über 5.000 Menschen. Die Kombination von Feindlichkeit gegen Islamismus, Flüchtlinge und Ausländer mobilisiert. Die Themen der Rechtsradikalen werden massentauglich.