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Text des Beitrags | Hass im Netz Wie AfD und rechte Gruppen Corona zur Hetze gegen Flüchtlinge nutzen

Moderation Fritz Frey:

Man muss die Politik der Bundesregierung nicht mögen. Wir von REPORT MAINZ nehmen sie regelmäßig kritisch unter die Lupe. Aber sich darüber zu freuen, dass die Kanzlerin in Quarantäne muss, weil ihr Arzt positiv getestet wurde, das ist schlicht stillos.

Kai Laufen, Anton Maegerle, Ulrich Neumann und Enno Osburg haben sich im Netz umgesehen. Etliche Rechtsextremisten ereifern sich, geradezu verseucht kommt einem das vor, was da abgesondert wird.

Bericht:

Die Bundeskanzlerin - vor kurzem in Quarantäne. Reaktion eines bayerischen Landtagsabgeordneten der AfD:


Zitat:
"Gut, hinter Gitter wäre besser, aber is ja schon mal ein Anfang."


Durch Corona glüht der Hass im Netz, nicht nur gegen die Kanzlerin - ein anderes Beispiel:


Zitat:
"Mit Corona haben sich die Juden einen genial-teuflischen Plan ersponnen."


schreibt dieser Mann, hier auf dem Foto vor den Toren von Auschwitz stehend, aktuell im Internet, bekannt als militanter Holocaust-Leugner und Hitler-Anhänger, und fabuliert weiter:


Zitat:
"Corona ist die Waffe des Juden!"


Wir recherchieren mehr als zwei Wochen über Hass, Hetze, Häme und Gewalt im Netz und in unserem Land - in Zeiten von Corona. Beispiele:


Auf Facebook lesen wir über den erkrankten Cem Özdemir:


Zitat:
"Die beste Nachricht des Tages. Ich bin so glücklich, dass es endlich den richtigen erwischt hat. Hoffentlich stirbt er."


Und über die Bundeskanzlerin heißt es dort:


Zitat:
"Die Merkel endlich Aufhängen !!! Bevor Sie noch mehr Anrichtet !!!.."


Das sind Kommentare aus einer geschlossenen Gruppe mit fast 20.000 Mitgliedern.


Matthias Quent

Matthias Quent

O-Ton, Matthias Quent, Direktor, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft:
"Wir haben nicht nur eine Corona-Pandemie, wir haben auch eine Hass- oder Rassismus-Pandemie in Deutschland. Das drückt sich in den sozialen Netzwerken aus."




"DieInsider" - eine kleine Gruppe von Menschen, die um unsere Demokratie höchst besorgt ist. In ihrer Freizeit dokumentieren die Aktivisten die Hass-Kriminalität auf Facebook. In rund 200 Gruppen sind sie unterwegs, darunter viele geschlossene. Über die Bundeskanzlerin haben sie aktuell zum Beispiel folgende Kommentare entdeckt:


Zitat:
"Todesstrafe."


Zitat:
"Hinrichten."


Zitat:
"Also mein Wort ist das Bild…"
(Darunter ist ein Maschinengewehr abgebildet)


Zitat:
"Ich hoffe, sie verreckt gaaaanz langsam."

"Aber wirklich langsam."


Als gestern bekannt wird, Merkel ist nicht infiziert, wird das so kommentiert:


Zitat:
"Sehr schade, dachte sie verreckt endlich."


Prof. Hans-gerd Jaschke

Prof. Hans-gerd Jaschke

O-Ton, Prof. Hans-Gerd Jaschke, Extremismus-Forscher:
"Es gibt Beleidigungen, Drohungen, massivste Drohungen gegen die Kanzlerin. Das hat mit politischer Auseinandersetzung überhaupt nichts mehr zu tun. Das ist strafbar und müsste natürlich von den Strafverfolgungsbehörden aufgegriffen werden."


1943: Deutschland steht schon vor dem Untergang, als Hitlers Propagandaminister seine berüchtigte Rede hält:


O-Ton:
"Wollt Ihr den totalen Krieg?"


Die Folge: Millionen Tote. Deutschland in Schutt und Asche. Und der sogenannte "totale Krieg" begegnet uns heute auf Facebook wieder:


Zitat:
"Vor Merkels ‚Wir schaffen das!‘ muss man sich inzwischen mehr fürchten, als vor Goebbels Frage nach dem ‚totalen Krieg‘!"


O-Ton, Matthias Quent, Direktor, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft:
"Es wird gesagt, die Situation heute ist schlimmer, damals im Nationalsozialismus sei es doch besser gewesen. Es geht um die Verherrlichung des Nationalsozialismus."


Doch der Hass in Corona-Zeiten ist nicht auf das Netz beschränkt. Jetzt gibt es laut Polizei die ersten Vorfälle:
In München wird eine asiatisch aussehende Frau von ihrem Wohnungsnachbarn mit dem Ruf "Corona" bedroht und mit Desinfektionsspray angegriffen.
In einem kleinen Dorf im Landkreis Rosenheim wird das dortige italienische Restaurant mit der Parole "Corona" beschmiert.
In Bielefeld finden die Bewohner einer Straße, in der viele Migranten leben, rechtsradikale Flugblätter in ihren Briefkästen. Darauf steht: "Asylanten und Flüchtlinge und Migranten und Muslime und Nigger - in den Ofen!"


Die rechtsextreme Zeitschrift Compact, seit kurzem offiziell im Visier des Verfassungsschutzes. Und trotzdem wird in dieser neuesten Ausgabe massiv gegen Flüchtlinge und Migranten mobil gemacht.


O-Ton, Prof. Hans-Gerd Jaschke, Extremismus-Forscher:
"Wir haben eine tatsächliche Diskriminierung und Verfolgung von Minderheiten, von ethnischen Minderheiten in Deutschland, die im Umfeld der Corona-Krise sich abzeichnen, die man thematisieren muss. Wir alle sind gefordert, uns für ethnische Minderheiten einzusetzen, sie zu schützen, im Alltag, ihnen Hilfe anzubieten."


Fazit:

Eine beispiellose Hass- und Hetzkampagne ist jetzt im Netz im Gange – gegen Flüchtlinge, Migranten und die Repräsentanten unseres Staates. Federführend mit dabei - die geschlossene Gruppe Freunde und Verbündete der AfD. Stolze 20.000 Mitglieder. Über den erkrankten Friedrich Merz ist da zum Beispiel zu lesen:


Zitat:
"Hoffentlich rafft es ihn dahin."


Zitat:
"Ab in die Urne."


O-Ton, Matthias Quent, Direktor, Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft:
"Wir erleben einen neuen Höhepunkt, und ich befürchte, dass diese Hasskampagnen, diese rassistischen Kampagnen, diese demokratiefeindlichen Postings im Internet in den nächsten Wochen noch mehr zunehmen werden, weil mehr Menschen mehr Zeit haben, sich damit zu beschäftigen."


O-Ton, Prof. Hans-Gerd Jaschke, Extremismus-Forscher:
"Ich denke, dass es deswegen auch eine echte Gefahr, weil dieser Mobilisierungsversuch und Agitation auch dazu führen können, dass die gewaltbereite Szene jetzt aktiv wird und sagt: Ihr redet immer nur, wir handeln, und von daher ist die Gefahr, dass es zu militanten Anschlägen kommen wird, meines Erachtens relativ groß."

Abmoderation Fritz Frey:

Anschläge, das würde jetzt noch fehlen. Hoffen wir, dass die Sicherheitsbehörden auch diese Umtriebe auf dem Schirm haben.