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SENDETERMIN Di, 27.2.2018 | 22:00 Uhr | Das Erste

Handwerker-Notstand Die Schattenseiten des Baubooms für Häuslebauer und Kommunen

"Es muss jetzt langsam mal fertig werden", fasst Hannah Cölln die Hängepartie auf ihrer Baustelle zusammen. Eigentlich hätten sie und ihr Partner schon das vergangene Weihnachtsfest in ihrem neuen Haus feiern sollen. Stattdessen wohnen die beiden drei Monate später noch immer beengt bei seinem Vater.

Grund: Die Handwerker haben die beiden immer wieder sitzen lassen, haben lieber zuerst auf anderen Baustellen gearbeitet.

Wie dem jungen Pärchen geht es zurzeit vielen Häuslebauern. Der Bauboom führt zu vollen Auftragsbüchern bei Handwerkern im Bau- und Ausbaugewerbe. Wartezeiten von rund drei Monaten sind schon bundesdeutscher Durchschnitt. In Ballungsräumen müssen Kunden sogar noch länger auf Handwerksfirmen warten. Zugleich sind die Preise für Bau- und Ausbaumaßnahmen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen, und ein Ende der Preissteigerung ist nicht in Sicht.

Nach Recherchen von REPORT MAINZ trifft der Handwerker-Mangel auch viele Städte und Gemeinden. Auf öffentliche Ausschreibungen bewerben sich in vielen Fällen keine oder nur wenige Unternehmen. Insbesondere die komplizierten Vergabeverfahren schrecken gerade kleinere und mittlere Handwerksunternehmen ab. In der aktuellen Boomphase können sich die Handwerksfirmen ihre Kunden aussuchen. Viele übernehmen lieber Aufträge aus der Privatwirtschaft, die unbürokratischer abgewickelt werden können. Die Folge: Baumaßnahmen oder Sanierungen in Städten und Gemeinden verzögern sich und werden deutlich teurer.

3:32 min | Di, 27.2.2018 | 22:00 Uhr | Das Erste

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Autorengespräch

Wie kann es so schwierig sein, einen Handwerker zu finden?

REPORT MAINZ Moderator Fritz Frey im Gespräch mit Autor Achim Reinhardt über seinen Beitrag "Handwerker-Notstand".

Der Städte- und Gemeindebund schlägt angesichts des immensen Investitionsstaus in den Kommunen Alarm und fordert, das Vergaberecht in der aktuellen Boomphase zeitweise zu vereinfachen. Auch namhafte Vergaberechtsexperten sprechen sich im Interview mit REPORT MAINZ dafür aus. Doch die zuständigen Ministerien aus Bund und Ländern erklären auf Anfrage, sie hielten das nicht für nötig. So verzögern und verteuern sich wichtige kommunale Bauprojekte wie die Renovierung oder der Neubau von Schulen. Leidtragende sind am Ende die Bürger.

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