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Patientenverfügung

Sterbebegleitung Sterbehilfe für Todkranke soll leichter werden

Kein Tabu mehr: Wenn Ärzte beim Sterben helfen dürfen

Präsident der Bundesärztekammer (BÄK), Jörg-Dietrich Hoppe

Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundesärztekammer

Patienten mit dem Tod vor Augen wollen dem Leiden oft schneller ein Ende machen. Ärzte sind dann in einer Zwickmühle - laut den bisherigen Grundsätzen ihrer Kammer widerspricht die Mitwirkung bei der Selbsttötung ärztlichem Ethos. Diese Empfehlungen von höchster Stelle der Mediziner-Zunft lassen den Ärzten nach einer Änderung jetzt eine Hintertür für Hilfe beim Suizid. "Wenn Ärzte mit sich selbst im Reinen sind, brechen wir nicht den Stab über sie", sagt Kammerpräsident Jörg-Dietrich Hoppe. Doch selbst er räumt Widersprüche ein.

Patienten auf Verlangen zu töten, ist den Ärzten weiter verboten. Doch die Mitwirkung bei der Selbsttötung ist laut den Empfehlungen der Bundesärztekammer nur noch "keine ärztliche Aufgabe" - demnach wäre es etwa für einen Hausarzt kein absolutes Tabu mehr, etwa eine Überdosis Schlafmittel zu beschaffen. Außerdem können Ärzte mit dem Segen ihrer Standesvertreter die Therapie einstellen, wenn der Patient bald sterben wird.

Vor allem das seit 2009 gültige Gesetz für Patientenverfügungen ist für Hoppe ein Grund gewesen, die Ärzte-Grundsätze zu verändern. Seither kann jeder zu Lebzeiten per Brief zum Beispiel festlegen, dass er als Todkranker ohne Bewusstsein nicht mehr an intensivmedizinischen Geräten hängen will.

Doch wirkliche Klarheit ist mit den neuen Standesregeln nicht geschaffen worden. Noch gilt jenseits der jetzt lockerer gefassten Empfehlungen die Berufsordnung, die das heikle Thema zwar nicht ausführlich behandelt, aber doch strikt klarstellt: "Ärztinnen und Ärzte dürfen das Leben der oder des Sterbenden nicht aktiv verkürzen." Diese verbindliche Regel steht womöglich beim Ärztetag im Mai zur Disposition. Die Bundesländer müssten Änderungen dann noch genehmigen.

REPORT MAINZ hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die Angst berichtet, nicht in Würde sterben zu können, über den juristischen Graubereich zwischen Leben und Tod – und wie Ärzte sich bei Patientenverfügungen sogar über den Willen von Todkranken hinwegsetzen.