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Der Kita-Ausbau droht zu scheitern Personalmangel, Unterfinanzierung und klagewütige Anwohner


Kindergarten in Frankenthal

Erzieherin mit Kindern

Es ist eines der ehrgeizigsten Ziele der Politik: Der flächendeckende Kita-Ausbau. Ab 2013 hat jedes Kind ab einem Jahr ein Anrecht auf einen Betreuungsplatz in einer Tagesstätte. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen Städte und Kommunen noch viele tausend Betreuungsplätze schaffen. Doch dabei treffen sie auf den erbitterten Widerstand vieler Anwohner, die sich um ihre Mittagsruhe fürchten und sich mit juristischen Mitteln zur Wehr setzen. Außerdem droht der Kita-Ausbau am Personalmangel zu scheitern. Es fehlen Erzieherinnen und Erzieher für die Kleinsten.

Der geplante Kita-Ausbau hat mit vielen Problemen zu kämpfen. So klagen viele Anwohner gegen den Kinderlärm von Einrichtungen und versuchen, den Bau neuer Kindertagesstätten juristisch zu verhindern. Lange berief man sich dabei auf das Bundesimmissionsschutzgesetz. 2011 wurde daher im Bundestag eine Reform beschlossen, Kinderlärm darf nicht länger als "schädliche Umwelteinwirkung" behandelt werden und ist somit kein Klagegrund mehr.

11:32 min | Di, 17.4.2012 | 21:45 Uhr | Das Erste

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Wie Anwohner gegen Kitas kämpfen (XL-Version)

Wenn eine Kita in der Nachbarschaft gebaut werden soll, setzen sich Anwohner allerorten massiv zur Wehr. Gegen den juristischen Erfindungsreichtum von Anwohnern scheint die Politik machtlos. Das Nachsehen haben Eltern und ihre Kinder, die dringend auf Kita-Plätze angewiesen sind.

Deswegen versuchen Anwohner zunehmend mit Hilfe des Baurechts, Kitas in ihrer Nachbarschaft zu verhindern. Auch darauf hat die Politik reagiert: Eine Novellierung der Baunutzungsverordnung soll Kitas künftig auch in reinen Wohngebieten erlauben. Doch die Anwohner finden immer neue Wege, um rechtlich gegen Kindertagesstätten vorzugehen: Man klagt gegen Hol- und Bringverkehr. Brandschutz, Denkmalschutz, Schallschutz. So verzögert sich der Kitausbau vor allem im Westen bis aufs weitere.

Auch der Personalmangel behindert den Kita-Ausbau. Erzieherinnen und Erzieher werden dringend gesucht und dennoch schlecht bezahlt. Nur rund 1.500 Euro netto verdient eine Erzieherin in Vollzeit. Nicht viel – Und dazu kommt noch: Die meisten Stellen sind befristet und in Teilzeit. Davon kann keiner leben. Deswegen geben viele Erzieherinnen und Erzieher den Beruf schon nach wenigen Jahren auf.

6:07 min | Di, 6.3.2012 | 21:45 Uhr | Das Erste

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Mainz

Kindergärten ohne Kindergärtner

Erzieherinnen und Erzieher werden händeringend gesucht und von der Politik mit teuren Werbekampagnen umworben. Doch die Kitas bieten den gut ausgebildeten Fachkräften oft nur befristete Verträge, Teilzeitstellen und schlechte Bezahlung.

Weil die Kinderbetreuung unterfinanziert ist, haben Firmen Kindertagesstätten als Ziele für ihre Werbung entdeckt. Sie stellen Spielzeug und Materialien, in denen ungeniert geworben wird. Bildungssponsoring heißt seit einigen Jahren das Zauberwort. Unternehmen und Verbände sollen die leeren Kassen wieder füllen. Die nutzen Bildungssponsoring gezielt, um in Kitas und Schulen Markenwerbung zu betreiben. Das ist in 13 Bundesländern eigentlich verboten.

REPORT MAINZ beschäftigte sich auch mit der Frage nach der Förderung der Kindergärten. Immer wieder wurden Kürzungen vorgenommen, die nicht zuletzt in einem Personalmangel resultieren. Das Berufsfeld Kinderbetreuung scheint wenig attraktiv, bei enormer Belastung und großer Verantwortung erhalten Erzieher lediglich niedrige Gehälter.

Organisationen wie die Deutsche Kinderhilfe warnen allerdings auch davor, dass durch den starken Ausbau der Kita-Plätze die Qualität der Betreuung auf der Strecke bleiben könnte. Erzieherinnen und Erzieher seien häufig überfordert. Immer wieder gibt es Berichte über Kindesmisshandlungen. So ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die ehemalige Leiterin einer Kindertagesstätte in Trossingen in Baden-Württemberg. Sie soll Kinder zum Essen gezwungen haben. Auch sollen sie vor dem Mittagsschlaf in Tücher eingewickelt und ihre Augen verbunden worden sein. Die Deutsche Kinderhilfe befürchtet eine hohe Dunkelziffer.

Seit vielen Jahren macht REPORT MAINZ auf Probleme und Missstände bei der Kinderbetreuung aufmerksam. Wir haben die interessantesten Beiträge in diesem Dossier noch einmal für Sie zusammengetragen.

5:27 min | Di, 4.12.2012 | 21:45 Uhr | Das Erste

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Kindesmisshandlungen in Kitas

Gewalt in privaten Kindertagesstätten wird von den Trägern häufig vertuscht. Nachdem ein Übergriff in Altenburg zufällig publik wurde, tauchen jetzt bundesweit neue Verdachtsfälle auf.