Bitte warten...

Text des Beitrags Unschuldig in der Psychiatrie?

Der Fall Mollath

Gustl Mollath, durchlebt einen Alptraum. Er hält sich für unschuldig und sitzt dennoch hinter Gittern. Genauer: Seit mehr als fünf Jahren ist er eingeschlossen in psychiatrischen Anstalten.

Gustl Mollath

Gustl Mollath

Wäre er unschuldig, wäre das ein Justizskandal ersten Ranges. Monika Anthes und Eric Beres mit dem Versuch, die Wahrheit hinter der Geschichte von Gustl Mollath herauszufinden.

Bericht:

Forensische Psychiatrie Bayreuth. Hier sitzen gefährliche Schwerverbrecher ein.

Auch er soll gemeingefährlich sein: Gustl Mollath aus Nürnberg. Seit fast sechs Jahren ist er hier. Er wirkt ruhig, gefasst. Aber auch gezeichnet vom Leben in der Anstalt. Er beschwört, dass er unschuldig ist.

O-Ton, Gustl Mollath:

»Ich hatte nicht einmal Punkte in Flensburg gehabt. Gar nichts. Plötzlich sind sie der schwer kriminelle Wahnsinnige. Von null auf hundert.«

Unschuldig in der Psychiatrie? Kann das sein? Wir gehen auf Spurensuche, treffen Edward Braun. Er ist seit mehr als 20 Jahren mit Gustl Mollath befreundet. Zusammen sind sie Autorennen gefahren. Mit dem Restaurieren von Ferraris hat Gustl Mollath sein Geld verdient.

Edward Braun

Edward Braun

O-Ton, Edward Braun:

»Also er war sehr begabter Ingenieur. Und seine Frau war motorsportbegeistert. Die war voll dabei.«

Er zeigt uns ein privates Video. Gustl Mollaths Frau, im grünen Anorak, arbeitet damals als Bankerin bei der Hypovereinsbank in Nürnberg.

Doch hier soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Der Verdacht: Sie soll für reiche Kunden über Jahre Schwarzgeld in die Schweiz geschafft haben.

So berichtet es Gustl Mollath. Er sei sogar dabei gewesen wie seine damalige Frau persönlich Bargeld in die Schweiz brachte.

O-Ton, Gustl Mollath:

»Sie hat das halt in ihrer Tasche gehabt. Und die Akten und Unterlagen. Und das war dann einige Male. Und im Laufe der Zeit habe ich ihr dann klar gemacht, dass das so nicht weitergehen kann.«

Über Jahre, berichtet Gustl Mollath, habe er seine Frau gedrängt, mit den Geschäften aufzuhören. Der Streit eskaliert, die Ehe zerbricht.

Die Frau soll ihrem Mann gedroht haben. Davon berichtet auch Edward Braun.

O-Ton, Edward Braun:

»Wenn Gustl meine Bank und mich anzeigen sollte, mache ich ihn fertig. Den lasse ich auf seinen Geisteszustand überprüfen. Ich weiß schon wie ich das mache.«

Trotzdem: Gustl Mollath erstattet Anzeige. Er beschreibt detailliert die mutmaßlichen Schwarzgeldverschiebungen. Er nennt Namen von Kunden und Kontaktpersonen in der Schweiz.

Eingang Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth

Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth

Doch die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth lehnt es ab, im Fall des Schwarzgeldes zu ermitteln. Ermittelt aber wird gegen Gustl Mollath. Seine Frau hat ihn inzwischen tatsächlich angezeigt – wegen angeblicher Körperverletzung. Sie fordert, dass sein Geisteszustand überprüft wird.

Es kommt zur Verhandlung am Landgericht Nürnberg. Jetzt soll Gustl Mollath auch noch an Autos Reifen zerstochen haben. Obwohl er alles abstreitet, fällt das Gericht im August 2006 sein Urteil: Gustl Mollath ist gemeingefährlich. Einweisung in die Psychiatrie.

Eine wesentliche Begründung im Urteil: Die Schwarzgeldverschiebung sei Teil eines paranoiden Gedankensystems.

Gustl Mollath also verrückt? Die Schwarzgeldverschiebungen nur Hirngespinste? Doch seine Angaben wurden vor Gericht gar nicht erst überprüft.

Das bestätigt uns Karl-Heinz Westenrieder. Der ehemalige Krankenhausmanager hat als Schöffe an dem Urteil mitgewirkt. Heute macht er sich große Vorwürfe.

Karl-Heinz Westenrieder

Karl-Heinz Westenrieder, ehem. Schöffe

O-Ton, Karl-Heinz Westenrieder, ehem. Schöffe:

»Ich bewerte das Urteil aus heutiger Sicht als Fehlurteil. Wesentliche Punkte, die in der Verhandlung, der Hauptverhandlung, nicht zur Sprache kamen, waren zum Beispiel die detaillierte Beschreibung von Gustl Mollath über Geldwäsche-Aktionen seiner Frau und anderen.«

Dabei gab es damals schon konkrete Indizien. Gustl Mollath hat zum Beispiel diese Dokumente vorgelegt. Damit sei der Kontaktmann in der Schweiz beauftragt worden, Gelder umzuschichten. Von Konten mit dubiosen Namen wie "DVD 6006"“ oder "Klavier".

Außerdem: Edward Braun erklärt an Eides Statt, auch ihm habe Gustl Mollaths Frau damals ein Schwarzgeldgeschäft vorgeschlagen.

O-Ton, Edward Braun:

»Sie hat angeboten, wenn ich Geld anlegen möge, dann würde sie ab 100.000 DM, das war damals noch im D-Mark-Bereich, Geld in die Schweiz verbringen.«

Über die Vorwürfe versuchen wir mehrfach mit der Ex-Frau zu sprechen. Ohne Erfolg.

Nachfrage bei ihrem damaligen Arbeitgeber. Hier, in der Zentrale der Hypo in München, bekommen wir eine erstaunliche Auskunft: Gustl Mollaths Hinweise hätten in der Bank damals zu Untersuchungen geführt. Diese hätten ergeben, dass sich seine Ex-Frau und Kollegen...

Zitat: »...im Zusammenhang mit Schweizer Bankgeschäften (...) weisungswidrig verhalten hatten.«

Die Ex-Frau und andere haben daraufhin ihre Jobs verloren.

Wilhelm Schlötterer ist Jurist und ehemaliger hochrangiger Beamter im Bayerischen Finanzministerium. Er hat sich durch alle Gerichtsakten gearbeitet, den Fall genau analysiert. Jetzt erhebt er schwere Vorwürfe.

Wilhelm Schlötterer

Wilhelm Schlötterer, Jurist

O-Ton, Wilhelm Schlötterer, Jurist:

»Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat sich in zweifacher Hinsicht schuldig gemacht. Einmal, indem sie seinen Strafanzeigen nicht nachgegangen ist, obwohl sie äußerst detailliert waren, zum anderen, weil sie in dem Prozess gegen ihn seine Angaben nicht überprüft hat.«

Wieso weigert sich die Staatsanwaltschaft zu überprüfen, ob es Schwarzgeldgeschäfte gab? Ein Interview lehnt sie ab. Schriftlich teilt sie mit, nach wie vor bestehe kein Anlass für ein Ermittlungsverfahren.

Fazit: Gustl Mollath sitzt weiter in der Psychiatrie, wartet bis heute auf ein faires Verfahren. Die Justiz muss diesen Fall endlich aufklären.

Der Fall Mollath, er beschäftigt in dieser Woche wohl auch den Bayerischen Landtag. Die Opposition fordert Aufklärung.