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SENDETERMIN Di, 14.1.2014 | 21:45 Uhr | Das Erste

Blut gegen Devisen Westdeutsche Firmen profitierten von der Ausbeutung politischer Gefangener in der DDR

Mehr westdeutsche Firmen als bisher bekannt haben von der Zwangsarbeit politischer Häftlinge in der DDR profitiert. Das berichtet REPORT MAINZ und beruft sich dabei auf eine noch unveröffentlichte Studie der Behörde des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen.

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Westdeutsche Firmen profitierten von der Ausbeutung politischer Gefangener in der DDR

Mehr westdeutsche Firmen als bisher bekannt haben von der Zwangsarbeit politischer Gefangener in der DDR profitiert. Häftlingen wurde sogar Blut abgenommen, um es gegen Devisen in den Westen zu verkaufen.

Aus Stasi-Akten geht jetzt hervor, dass zahlreiche Warenhäuser Produkte von DDR-Betrieben bezogen, die Häftlinge für sich arbeiten ließen. Darunter ALDI, Kaufhof, Karstadt, Woolworth und Schlecker. Auch der Volkswagen-Konzern sei betroffen – so die Studie, die REPORT MAINZ vorliegt.

VW habe in den 1980er Jahren Scheinwerfer aus einem DDR-Werk erhalten, das auch Gefangene beschäftigte. Mehrere hundert Westfirmen kauften Produkte aus DDR-Betrieben. Dort seien oft auch politische Häftlinge zur Arbeit eingesetzt worden. Die Firmen erklärten, sie hätten damals nichts von der Häftlingsarbeit gewusst oder seien nicht Rechtsnachfolger der damaligen Unternehmen. Der Bundesbeauftragte für Stasi-Unterlagen, Roland Jahn, fordert die Unternehmen jetzt dazu auf, Verantwortung zu übernehmen und Wiedergutmachung zu leisten.

In ihrem verzweifelten Versuch, Devisen zu erwirtschaften, hat die marode DDR Mitte der 1980er Jahre sogar Häftlinge zu Blutspenden gezwungen, um das Blut gewinnbringend in den Westen zu verkaufen. Aus Stasi-Akten geht hervor, dass Gefangenen der Haftanstalt Waldheim Blutspenden abgenommen wurden.

Erstmals bestätigte im Interview mit REPORT MAINZ jetzt der damalige Vize-Chef des DDR-Bezirksinstituts für Blutspende- und Transfusionswesen Erfurt, Dr. Rudolf Uhlig, dass seine Mitarbeiter auch Gefangenen der Haftanstalt Gräfentonna Blutspenden abgenommen haben. Über einen Schweizer Zwischenhändler kaufte das Bayerische Rote Kreuz das Blut aus der DDR ein. Auf Nachfrage von REPORT MAINZ gab das Bayerische Rote Kreuz den Bluthandel mit der DDR zu. Ob man damals gewusst habe, dass das Blut von Häftlingen stamme, könne man heute nicht mehr nachvollziehen.

7:08 min | Di, 14.1.2014 | 21:45 Uhr | Das Erste

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REPORT MAINZ fragt Roland Jahn

Der Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen fordert im Interview mit REPORT MAINZ weitere Aufklärung darüber, was westliche Firmenzentralen über Häftlingsarbeit in der DDR wussten.