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18.06.2019: Renate Künast kritisiert DB wegen Glyphosat-Einsatz und fordert generelle Informationspflicht: "Menschen müssen die Möglichkeit haben, sich zu schützen"

Die ehemalige Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast fordert eine Informationspflicht bei Einsätzen von hochumstrittenen Pflanzengiften wie Glyphosat. Dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ sagte sie, wo Glyphosat eingesetzt werde, müsse informiert werden. "Der Mensch muss die Möglichkeit haben, sich zu schützen. Eltern müssen die Möglichkeit haben, ihre Kinder zu schützen", so die Grünen-Politikerin.

Glyphosat-Spritzzug

Glyphosat-Spritzzug

Künast sieht sowohl die Landwirtschaft als auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn in der Pflicht. Denn einmal im Jahr fahren Spritzzüge durchs Land, die tonnenweise Glyphosat und andere Pestizide versprühen, um Pflanzen auf den Gleisen abzutöten. Das sei nötig, um einen sicheren Zugverkehr zu ermöglichen. Nach eigenen Angaben spritzte die Deutsche Bahn 2017 knapp 70 Tonnen Pflanzengift.

Nach Recherchen von REPORT MAINZ liegen entlang der Bahnlinien zehntausende Kleingärten. Viele von ihnen gehören der Deutschen Bahn. Nach Informationen des ARD-Politikmagazins werden Pächter nicht informiert, wann das Unternehmen Glyphosat und andere Pestizide auf die Gleise spritzt. Renate Künast fordert die Deutsche Bahn auf, Anlieger zu informieren und eine Alternative zu dem umstrittenen Glyphosat zu finden.

Auf REPORT-Mainz Anfrage teilte die Deutsche Bahn mit: "Wir würden lieber heute als morgen auf Glyphosat verzichten." Der Einsatz des Pestizids sei aber nicht vermeidbar, da es noch immer keine wirksame Alternative gebe. Die Frage, warum die Bahn Anlieger nicht über den Einsatz von Glyphosat informiert, beantwortete das Unternehmen nicht.

Auch in der Landwirtschaft werden Anlieger nicht informiert, wenn Pflanzengifte eingesetzt werden. Das zeigt eine Umfrage von REPORT MAINZ bei allen 16 Landwirtschaftsministerien der Länder. Eine gesetzliche Informationspflicht gebe es nicht, teilten sie übereinstimmend mit. Und auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) erklärte auf REPORT MAINZ-Anfrage, für eine generelle Mitteilungspflicht an Anlieger oder Nachbarn bestehe derzeit keine rechtliche Handhabe.