Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 6.10.2015 | 21:45 Uhr | Das Erste

Ausgebeutet für Westfirmen DDR-Zwangsarbeiter in der Chemieindustrie

Sie wateten durch Quecksilberpfützen, atmeten giftige Chlorgase ein, und ätzende Natronlauge fraß sich in Hände und Gesichter: Politische Häftlinge mussten in der DDR auch in der Chemiebranche Zwangsarbeit leisten.

Nirgendwo waren die Arbeitsbedingungen so katastrophal wie in den Chemiekombinaten Bitterfeld und Buna. Besonders in den Chlorwerken kam es wegen mangelhaften Arbeitsschutzes zu zahlreichen Unfällen, mehrere Häftlinge starben sogar an Quecksilbervergiftungen. Normale Arbeiter wollten diese gesundheitsgefährlichen Arbeiten nicht mehr verrichten, deswegen setzte die DDR-Diktatur Häftlinge als billige Arbeitskräfte ein, die sich nicht dagegen wehren konnten.

Die REPORT-MAINZ-Redakteure Achim Reinhardt und Claudia Butter haben wochenlang in Archiven recherchiert. Dabei stießen sie auf umfangreiche Geschäfte von BRD-Chemieriesen wie Hoechst, BASF und Bayer - die Konzerne ließen in der Diktatur produzieren und bezogen Erzeugnisse aus DDR-Chemiebetrieben, die auch Häftlinge zur Zwangsarbeit einsetzten.

Der ehemalige Generaldirektor des Chemiekombinats Bitterfeld, Heinz Schwarz, bestätigte im Interview mit REPORT MAINZ, dass Hoechst, BASF und Bayer die Hauptabnehmer in der BRD gewesen seien. In Bitterfeld mussten rund 500 Gefangene Zwangsarbeit leisten.

Nach Einschätzung des Geschichtswissenschaftlers Justus Vesting, der sich seit Jahren intensiv mit der DDR-Chemiebranche beschäftigt, belegen die REPORT-MAINZ-Recherchen erstmals, dass auch große westdeutsche Chemiekonzerne von der Zwangsarbeit politischer Häftlinge profitiert haben.

Konfrontiert mit den Vorwürfen, erklären die Nachfolgeunternehmen von Hoechst, Celanese sowie die zu Sanofi-Aventis gehörende Hoechst GmbH, man wolle den Vorwürfen nachgehen. Bayer und BASF geben Handel mit der DDR zu, erklären aber, man habe von Häftlingsarbeit nichts gewusst.

5:07 min | Di, 6.10.2015 | 21:45 Uhr | Das Erste

Mehr Info

DDR-Zwangsarbeiter in der Chemieindustrie

REPORT MAINZ fragt Birgit Neumann-Becker

Die Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen in Sachsen-Anhalt fordert die Aufarbeitung von Zwangsarbeit in der DDR-Chemiebranche.

 

8:24 min | Di, 6.10.2015 | 21:45 Uhr | Das Erste

Mehr Info

DDR-Zwangsarbeiter in der Chemieindustrie

REPORT MAINZ fragt Justus Vesting

Der Geschichtswissenschaftler forscht seit Jahren intensiv über Zwangsarbeit in der DDR-Chemieindustrie.