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Ausgebeutet für den Klassenfeind Wie geht die Deutsche Bahn mit dem Erbe der DDR-Zwangsarbeit um?

Bericht:

Dass Michael Proksch überhaupt noch Klavier spielen kann, grenzt an ein Wunder. Dass er alle seine Finger noch hat, ist großes Glück. Als politischer Häftling musste er Zwangsarbeit leisten, in der DDR. Eine harte, gefährliche Arbeit. 

O-Ton, Michael Proksch: 

Michael Proksch

Michael Proksch

"Diese Zwangsarbeit war menschenverachtend. Es sind sehr viele Unfälle passiert. Ich hatte ständig Angst, dass mit meinen Fingern was passiert und ich meinen Beruf nie wieder ausüben kann."

Er musste alte Bahnwaggons zerlegen. Ein Knochenjob, der seine Hände ruinierte. Den Traum, Pianist zu werden, musste er aufgeben. Bis heute leidet er unter den Folgen der Zwangsarbeit. Wie er mussten Tausende für die DDR-Reichsbahn schuften. Das hatte REPORT MAINZ vor zwei Jahren exklusiv aufgedeckt. Die Tagesthemen berichteten. Die Recherche machte Schlagzeilen. Doch die Bahn wollte nichts davon wissen. Ihr lägen keine Informationen vor, hieß es damals. Die Konzernzentrale in Berlin, vor wenigen Tagen. Bahnchef Grube hat das dunkle Kapitel der Unternehmensgeschichte jetzt aufarbeiten lassen. Sein Fazit: 

O-Ton, Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn:

"Hier wurden Menschen unter haaresträubenden Haftbedingungen ausgebeutet. Das ist ein Unrecht, das von uns, der heutigen Deutschen Bahn AG, benannt und auch nicht vergessen wird."

Die Studie bestätigt also die REPORT-MAINZ-Recherchen. Bahnchef Grube sagt, der Bericht sei sogar Auslöser gewesen für die Aufarbeitung der Zwangsarbeit. 

O-Ton, Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn:

Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn

Rüdiger Grube, Vorstandsvorsitzender Deutsche Bahn

"Diese Frage ist mir eigentlich durch Ihren Bericht erst richtig bewusst geworden und ich bin durch Ihre Berichterstattung auch persönlich sensibilisiert worden. Dafür sind wir Ihnen dankbar."

Aufarbeitung ja – doch zur Frage der Entschädigung nichts Konkretes. Bahnchef Grube fordert eine Lösung der Politik. Das kann dauern. Bitter für die Opfer. 

O-Ton, Michael Proksch: 

"Ich fand es wohltuend, dass Herr Dr. Grube das Leid anerkannt hat, und ich war aber auch enttäuscht, dass keine konkreten Zusagen gemacht wurden. Einfach, weil viele Opfer der Zwangsarbeit noch heute unter den Folgen leiden und am Existenzminimum leben."