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Nachgefragt am 31.03.2014 Atommüll auf dem Meeresboden – Bundesregierung fordert Monitoring

Montage: verrostete Tonne und Warnschild Radioaktivität

Bundesregierung ändert ihre Position zu Atom-Altlasten im Meer. (Symbolfoto)

REPORT MAINZ berichtete am 01.11.2011

Im Nordostatlantik entweicht seit Jahren Radioaktivität aus versenkten Atommüllfässern. Das berichtete REPORT MAINZ am 01.11.2011 und berief sich dabei auf die Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks (OSPAR), der 15 Regierungen - darunter auch Deutschland - und die EU angehören. Die OSPAR stellte im April 2010 fest:  "Die Analyse ergab erhöhte Konzentrationen von Plutonium 238 in Wasserproben aus den Versenkungsgebieten. Das deutet auf das Auslaufen der Fässer hin. An einigen Stellen waren auch die Konzentrationen von Plutonium 293, Plutonium 240, Americium 241 und Kohlenstoff 14 im Wasser erhöht." Für Menschen ist die Strahlung von einigen Millionstel Gramm Plutonium im Körper tödlich.

Unmittelbar vor der Sendung hatte das Bundesumweltministerium REPORT MAINZ auf Anfrage noch mitgeteilt: "Aufgrund der Bundesregierung vorliegenden Erkenntnisse, die insbesondere auf Messungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrografie und des Johann-Heinrich-von-Thünen-Instituts beruhen, gibt es keinen Anlass zu regelmäßigen Überwachungen des Versenkungsgebietes."

Nachgefragt am 31.03.2014

Die Bundesregierung fordert erstmals ein Monitoring in den Versenkungsgebieten. Dies geht aus einem Positionspapier hervor, das REPORT MAINZ exklusiv vorliegt. Die Bundesregierung präsentiert der OSPAR darin drei mögliche Optionen für ein Monitoring der Atommüllfässer. 1.) ein Forschungsschiff sammelt Wasser-, Boden- und Biotaproben im Hauptversenkungsgebiet. 2.) mehrere Forschungsreisen in alle Versenkungsgebiete und in Kontrollgebiete. 3.) Untersuchungen direkt in der Umgebung der Fässer mit ferngesteuerten Roboter-U-Booten.

Sylvia Kotting-Uhl, die Atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Bundestag , hatte bei der Erstausstrahlung gegenüber REPORT MAINZ erklärt:  "Es ist inakzeptabel, dass das Bundesumweltministerium die Hinweise auf das Auslaufen der Fässer mit Verweis auf Verdünnungseffekte verharmlost. Jetzt sind eine zügige und lückenlose Aufklärung gefragt und sachgerechte Vorsorgemaßnahmen wie beispielsweise ein Monitoring-System." 

Sylvia Kotting-Uhl, erklärte jetzt gegenüber REPORT MAINZ:  "Die Kosten sollten in erster Linie nach dem Verursacherprinzip getragen werden. Sollte dafür nicht genug Bereitschaft vorhanden sein, sollten alle OSPAR-Staaten sich beteiligen. Letztlich sind alle vom Problem des versenkten Atommülls betroffen."

Endlager Meeresboden - Bis 1982 versenkten neun Staaten schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Nordostatlantik, darunter auch Deutschland. Insgesamt wurden offiziellen Statistiken zufolge an 15 Stellen 114.726 Tonnen Atommüll in 222.732 Fässern verklappt und zwar Alpha-, Beta- und Gammastrahler. Die verantwortlichen Regierungen gingen davon aus, dass der radioaktive Abfall in 4.700 Metern Tiefe "beseitigt" sei. Man nahm an, dass eventuell ausdringende radioaktive Stoffe im Ozean "verdünnt" würden. Heute ist die "Verdünnung" von radioaktiven Abfällen verboten, weil die Radioaktivität dabei nicht verringert sondern unkontrolliert verteilt wird.

Wenige Jahre nach den letzten Versenkungen haben Meeresbiologen herausgefunden, dass freigesetzte Isotope über die Nahrungskette auch aus einer Tiefe von mehr als 5.000 Metern hinauf in Fischfangzonen gelangen können. Seit 1995 ist das Versenken von Atommüll weltweit verboten. Inzwischen wurde in den Versenkungsgebieten u.a. Plutonium 238 in Wasserproben, im Sediment und in Fischen nachgewiesen. Die Halbwertzeit von Plutonium 238 liegt bei 87,7 Jahren. Wenige Millionstel Gramm Plutonium im Körper sind für den Menschen tödlich.

2:36 min | Di, 1.11.2011 | 21:45 Uhr | Das Erste

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Interview mit REPORT MAINZ-Redakteur Thomas Reutter

Thomas Reutter zu seinen Recherchen zu Atommüll im Meer.

Atommüllfund des Forschungsschiffes "Walther Herwig" im Nordost-Atlantik

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Bilder vom Atommüllfund des Forschungsschiffes "Walther Herwig" im Nordost-Atlantik 1984

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Forscher des Schiffes "Walther Herwig" bergen 1984 drei Fässer mit Atommüll aus dem Nordost-Atlantik.

Forscher des Schiffes "Walther Herwig" bergen 1984 drei Fässer mit Atommüll aus dem Nordost-Atlantik.

Die Fässer mit Atommüll wurden, laut ihrer Aufschrift, im Jahr 1980 versenkt…

… 700 Seemeilen nordwestlich von Spanien und 700 Seemeilen südwestlich von Irland.

Die drei von den Forschern geborgenen Fässer mit Atommüll sind sichtlich angegriffen vom Meerwasser.

Die Fässer mit Atommüll sind stark verbeult.

Ein Fass ist sogar extrem eingedellt.

Vier Jahre Salzwasser hat dem Fass mit Atommüll schwer zugesetzt.

Die Forscher des Schiffes "Walther Herwig" untersuchen die geborgenen Fässer mit Atommüll.

Nach der kurzen Untersuchung werfen die Forscher die Fässer mit Atommüll einfach wieder zurück in den Nordost-Atlantik.

9:33 min | Di, 1.11.2011 | 21:45 Uhr | Das Erste

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Strahlende Altlast (XL-Version)

Bis 1982 versenkten neun Staaten schwach- und mittelradioaktive Abfälle im Nordostatlantik, darunter auch Deutschland. Inzwischen wurde in den Versenkungsgebieten u.a. Plutonium 238 in Wasserproben, im Sediment und in Fischen nachgewiesen. Mit welchen Folgen?