Bitte warten...

Text des Beitrags | AfD im Rassenkrieg? Der Abgeordnete Petr Bystron und seine südafrikanischen Freunde

Petr Bystron

Petr Bystron

Moderation Fritz Frey:

Man tue ihr Unrecht, der AfD. Sie sei keine Ein-Themen-Partei, die nur die Flüchtlingspolitik ins Visier nehme.

So oder so ähnlich erreicht uns immer wieder der Vorwurf einseitiger Berichterstattung. Okay, schauen wir also mal, was Politiker der AfD zum Thema Außenpolitik beitragen.

Und so sind wir auf das ehemalige FDP-Mitglied Petr Bystron gestoßen. Der sitzt jetzt für die AfD im Bundestag und ist unter anderem im Auswärtigen Ausschuss.

Dieser begleitet die auswärtige Regierungspolitik und berät hochsensible Themen. Und seine Mitglieder gehen auch auf Auslandsreisen. Petr Bystron, zum Beispiel, nach Südafrika.

Wen er da getroffen hat? Heiner Hoffmann und Ulrich Neumann haben es recherchiert.

Bericht

Ein martialisches Video, gepostet vor zwei Monaten. Hier trainiert nicht die südafrikanische Armee, sondern Mitglieder einer rechten paramilitärischen Organisation: Die Suidlanders.

Am Wochenende können wir ein Treffen der Gruppe drehen - Grillen am Fluss Oranje, Bilderbuch-Afrika. Schwarze haben hier keinen Zutritt, erklärt uns ein Mitglied. Die Schwarzen wollen alle Weißen im Land ausrotten, propagieren die Suidlanders.

Simon Roche

Simon Roche

O-Ton, Simon Roche, Sprecher Suidlanders:

"Wir glauben, es wird einen Rassenkrieg geben. Das ist nicht zu vermeiden."

Ein friedliches Zusammenleben zwischen Schwarzen und Weißen könne es niemals geben.

O-Ton, Simon Roche, Sprecher Suidlanders:

"Man kann Öl und Wasser nicht mischen. Unter den jetzigen Umständen kann man in Südafrika keine Zivilisation erbauen."

Er spricht wohlgemerkt über die schwarze Regierung des Landes.

Wir sind nicht die ersten Deutschen, die von den Suidlanders am Lagerfeuer empfangen werden. Einige Wochen vor uns saß er hier: Petr Bystron, der ranghöchste Außenpolitiker der AfD, zusammen mit seinem Mitarbeiter.

Wir treffen ihn im Deutschen Bundestag. Auf seiner Südafrika-Reise habe er auch Regierungsvertreter und andere Organisationen getroffen, sagt er. Berührungsängste mit den Suidlanders habe er keine.

O-Ton, Petr Bystron, AfD, Obmann Auswärtiger Ausschuss:

"Ich verstehe Ihre Frage nicht. Ich als Abgeordneter, der für Außenpolitik zuständig ist, wenn ich mir ein umfassendes Bild über ein Land machen will, dann muss ich mich mit jedem treffen. Das ist für mich eine Organisation der Zivilgesellschaft in Südafrika."

Frage: Was ist denn Suidlanders für Sie für eine Organisation?

O-Ton, Petr Bystron, AfD, Obmann Auswärtiger Ausschuss:

"Das ist für mich eine Organisation der Zivilgesellschaft in Südafrika."

Nur eine Organisation der Zivilgesellschaft? Wir treffen Gareth Newham, einer der führenden Sicherheitsexperten Südafrikas. Er beschäftigt sich schon länger mit den Suidlanders.

Gareth Newham

Gareth Newham

O-Ton, Gareth Newham, Institute for Security Studies:

"Die sind wirklich extrem. Ihre Ideologie ist die Überlegenheit der weißen Rasse. Sie sind nur weißen Mitgliedern offen und ihr einziger Existenzgrund ist die angebliche Verteidigung gegen die Schwarzen. Man kann sie eindeutig als rechtsradikale völkische Organisation beschreiben."

Die Suidlanders stehen unter Beobachtung der südafrikanischen Sicherheitsbehörden. Im vergangenen Jahr hat Simon Roche an den gewaltsamen Neonazi-Demonstrationen in Charlottesville, USA, teilgenommen - angeblich als "Beobachter".

Und die Suidlanders trafen sich mit einem der bekanntesten Neonazis der Welt, dem ehemaligen Ku-Klux-Klan-Chef David Duke.

Wir konfrontieren Simon Roche mit diesem und weiteren Treffen mit amerikanischen Neonazis. Er hat eine erstaunliche Erklärung parat: Er habe gar nicht gewusst, um wen es sich handelt.

O-Ton, Simon Roche, Sprecher Suidlanders:

"Einige der Leute, die wir getroffen haben… Als wir herausgefunden haben, wer die sind, wollten wir nichts mehr mit denen zu tun haben. Das haben wir deutlich gemacht."

Dabei haben die Suidlanders das Treffen mit dem Ex-Klux-Klan-Chef selbst gepostet - aus Versehen, wie sie heute sagen.

Der AfD-Mann Petr Bystron hat einen Artikel über seine Reise nach Südafrika verfasst, veröffentlicht in einem neurechten Magazin. Er schwärmt von den Suidlanders, die milizartig organisiert seien, knorrige Typen mit breiten Händen und geradem Blick.

Simon Roche zeigt uns stolz, was diese Miliz ausmacht - im Waffenladen führender Mitglieder der Organisation.

O-Ton, Simon Roche, Sprecher Suidlanders:

"Hier haben wir ein Sturmgewehr, hier haben wir eine spezielle Shotgun mit extra großem Magazin. Hier haben wir noch eine Shotgun und hier ist ein Gewehr der südafrikanischen Armee. Wir ermutigen unsere Mitglieder mit diesem Laden, sich - auf legale Weise - auf eine Krise in Südafrika vorzubereiten."

Man wolle sich nur wehren, niemals angreifen, sagen sie. Dafür trainieren sie regelmäßig im paramilitärischen Stil. Auch als die AfD zu Besuch war, gab es ein Schießtraining.

O-Ton, Simon Roche, Sprecher Suidlanders:

"Viele, mit denen wir schießen gehen, sind schlechte Schützen. Aber euer deutscher Typ, wow! Ein Schuss, ein Treffer."

Frage: Suidlanders veranstalten schon martialische Schießübungen?

O-Ton, Petr Bystron, AfD, Obmann Auswärtiger Ausschuss:

"Womöglich sogar mit deutschen Waffen. Ist doch schön, dann sind das Kunden unserer Produkte. Genauso wie BMW-Motorräder, die sie fahren."

Frage: Waren Sie bei dem Schießtraining dabei?

O-Ton, Petr Bystron, AfD, Obmann Auswärtiger Ausschuss:

"Ja."

Frage: Haben Sie auch geschossen?

O-Ton, Petr Bystron, AfD, Obmann Auswärtiger Ausschuss:

"Ja, natürlich. Ich bin Jäger."

Frage: Also ich höre raus, mit Suidlanders haben Sie null Berührungsängste?

O-Ton, Petr Bystron, AfD, Obmann Auswärtiger Ausschuss:

"Nein."

Wir stellen unsere Recherchen dem innenpolitischen Sprecher der SPD, Burkhard Lischka, vor. Er fordert eine Überwachung des rechten Flügels der AfD durch den Verfassungsschutz.

Burkhard Lischka

Burkhard Lischka

O-Ton, Burkhard Lischka, SPD, innenpolitischer Sprecher Bundestags-Fraktion:

"Da bleibt mir, ehrlich gesagt, die Spucke weg. Das sind paramilitärische Apartheidskrieger. Und das zeigt wieder das doppelte Spiel der AfD. Man trifft auf der einen Seite Unvereinbarkeitsbeschlüsse mit extremistischen Organisationen und auf der anderen Seite hofiert man die offensichtlich inzwischen weltweit."

Eine Gruppe militanter Rassisten, die sich mit Waffen auf einen angeblichen Rassenkrieg vorbereitet. Ein hochrangiger AfD-Politiker, der die Gruppe besucht und mit ihnen schießen geht. Und der Bundestag bestätigt uns: Das ganze wurde abgerechnet als offizielle Parlamentsreise - bezahlt also mit Steuergeldern.

Abmoderation Fritz Frey:

Tja, die AfD sieht wohl schwarz, allüberall und nicht nur für Deutschland.