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SENDETERMIN Mo, 15.5.2006 | 21:44 Uhr | Das Erste

Bilder vom grausamen Robbenschlachten erschüttern das Land 40 Jahre REPORT - Die Achtziger

Guten Abend, meine Damen und Herren! Herzlich willkommen zur Jubiläumssendung von REPORT MAINZ. Vor vierzig Jahren da begrüßte Sie an dieser Stelle Günter Gaus. Dann folgte für 20 Jahre Franz Alt. Und heute stehe ich hier. Das zeigt, der kritische Journalismus in Deutschland ist auf einem guten Weg.

Sollten Sie Zweifel an meiner Kompetenz haben, dann kann ich Sie beruhigen. Ja, von der Politik verstehe ich noch mehr als vom Wintersport. Und damit sind wir relativ geschmeidig beim Thema Pelze angelangt, meine sehr verehrten, lieben Damen. So warm kann doch wirklich keine Stola sein, dass es einem nicht kalt ans Herz griffe, wenn wir die folgenden Bilder sehen.

Und wer weiß, wer weiß, vielleicht wäre alles noch viel schlimmer gekommen, hätte nicht REPORT MAINZ vor 20 Jahren das Robben-Schlachten aufgedeckt. Daniel Hechler über die Robbenjagd damals und heute.

Robbenjagd in Kanada im Jahr 2006. 320.000 Tiere müssen sterben, viele qualvoll. Die Bilder ähneln sich – seit mehr als 20 Jahren.

Rückblende:

O-Ton, REPORT BADEN-BADEN, 28.12.1982:

»Wir halten es für unsere journalistische Aufklärungspflicht, die Realität nach Möglichkeit so zu zeigen, wie sie ist.«

O-Ton:

»Über 300.000 Robben wurden allein in diesem Jahr im Nordatlantik zum Totschlagen freigegeben. Auf dem Eis kaum bewegungsfähig, sind sie für ihre Schlächter eine denkbar bequeme Beute. Seit Beginn dieses Jahrhunderts ist die Zahl der Sattelrobben um zwei Drittel zurückgegangen.«

Der Beitrag löst einen Sturm der Entrüstung aus.

O-Ton, nach der Sendung:

»Wir sind sehr beeindruckt, meine Frau und ich über das, was wir gesehen haben.«

Entsetzen und Trauer sprechen aus Hunderten Briefen. Die Presse steigt auf das Thema ein. Tenor: Jetzt muss der Kanzler ran. Der damals zuständige Bundesminister Friedrich Zimmermann erinnert sich.

O-Ton:

»Eine ungeheure Aufregung. Die Bilder haben einen fürchterlichen Eindruck hinterlassen.«

Das Thema wird zum Spielball der Politik im Bundestagswahlkampf. Kanzler Kohl zittert bei den anstehenden Neuwahlen im März um seine Mehrheit. Wackelkandidat ist die FDP. Sie liegt in Umfragen unter fünf Prozent. PR-Stratege Genscher wittert seine Chance. In der Bild-Zeitung fordert der FDP-Chef ein Import-Verbot für Robbenfelle und lässt sich dafür von Tierschützerin Brigitte Bardot feiern.

O-Ton, Friedrich Zimmermann, CSU, Bundesinnenminister a. D.:

»Alles larifari. Genscher musste jede Gelegenheit wahrnehmen, die Situation der FDP und ihr Image zu verbessern. Das ist ihm auch gelungen. Dank Brigitte Bardot und der Robben.«



Frage: Wie fanden Sie das?

O-Ton, Friedrich Zimmermann, CSU, Bundesinnenminister a. D.:

»Kindisch.«

Die Union ist sauer. Im Kabinett beginnt ein skurriler Streit darüber, wer zuerst für die Robben gekämpft hat. Zimmermann beansprucht das für sich. Auch Kohl will jetzt mit dem Robben-Thema im REPORT-Interview bei Franz Alt punkten.

O-Ton, Helmut Kohl, Bundeskanzler:

»Ich war, ich bin und bleibe gegen das Robbenschlachten.«

Auf einer EG-Sitzung in Brüssel soll Zimmermann nun zumindest ein Import-Verbot von Babyrobbenfellen durchsetzen. Nach schwierigen Verhandlungen der Durchbruch.

O-Ton, Friedrich Zimmermann, Bundesinnenminister a. D.:

»Ich wusste, ich muss aus Brüssel mit einem Erfolg kommen. Und das ist mir auch gelungen.«

Ein Wahlkampfcoup, der sein Gutes hat. Nach dem Import-Verbot bricht der Markt für Robbenfelle für Jahren zusammen. Kanada verbietet die Jagd auf Jungrobben. Die Bestände erholen sich. Doch es gibt kein Happy End.

Seit 1996 hat die massenhafte Jagd auf Robben wieder begonnen. Nach altbewährter Methode. Zwar keine Babyrobben mehr, aber Jungtiere. Die Bundesregierung schaut bislang tatenlos zu. Interviews dazu werden abgelehnt. Keine Spur vom Engagement ihrer Amtsvorgänger gegen die Robbenjagd