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SENDETERMIN Mo, 19.4.2010 | 21:45 Uhr | Das Erste

Fragwürdige Freundschaft Die Pius-Brüder und die extremen Rechten

Wir sind Papst. Und das seit genau fünf Jahren. Doch der Jubel darüber klingt verhalten und Applaus kommt nicht immer aus der richtigen Ecke. Und damit herzlich willkommen zu REPORT MAINZ.

Ein dickes Danke an Papst Benedikt XVI., gibt es aber doch. Es sind ausgerechnet die Piusbrüder, die den Papst loben. Sie erinnern sich vielleicht: Eine Bruderschaft, erzkonservativ, zu ihnen gehört auch der Holocaust Leugner Williamson.

Ausgerechnet diese Bruderschaft will Papst Benedikt wieder in die katholische Kirche integrieren. Dabei ist das eine Bruderschaft mit bedenklichen Kontakten in die rechtsextreme Szene, wie Eric Beres, Sebastian Bösel und Ulrich Neumann zeigen.

Bericht:

Seine Heiligkeit – Papst Benedikt XVI. Eine Herzensangelegenheit von ihm – die Wiedereingliederung der Piusbruderschaft in die katholische Kirche. Seit Monaten wird darüber geheim verhandelt. Wer ist diese Pius-Bruderschaft?

Die Piusbrüder sind eine erzkonservative weltweite Gruppierung. Ihr Ziel: die Errichtung eines fundamentalistischen Gottesstaates. Sie sind gegen die Gleichberechtigung der Frauen und für die Todesstrafe. Das ist bekannt, doch ist das alles?

Amtsgericht Regensburg vergangenen Freitag: Angeklagt ist hier wegen Volksverhetzung Richard Williamson, Bischof der Piusbruderschaft. Er hat die Vernichtung der Juden geleugnet. Bischof Williamson bleibt dem Prozess fern. Unter den Zuschauern
mehrere Rechtsextreme, wie Günter Deckert, Ex-Bundesvorsitzender der NPD. Er saß selbst mehrere Jahre wegen Leugnung des Holocausts im Gefängnis. Ein Bruder im Geiste von Bischof Williamson. Man kennt und schätzt sich.

Frage: Wann haben Sie Herrn Williamson zuletzt getroffen?

O-Ton, Günter Deckert, Ehem. NPD-Bundesvorsitzender:

»Im letzten Jahr.«










Frage: Persönlich?

O-Ton, Günter Deckert, Ehem. NPD-Bundesvorsitzender:
»Ja. Eine sehr beeindruckende Persönlichkeit, der seine Worte wägt, der kein Leerschwätzer ist.«

Bischof Williamson lebt heute in London. Noch immer meldet er sich mit seinen haarsträubenden Positionen zu Wort, wie kürzlich in einem Internetvideo. Darin bezweifelt er das Existenzrecht Israels.

O-Ton, Bischof Richard Williamson:

»Sagen wir mal: Viele Leute glauben, dass der Staat Israel legitim ist. Das heißt nicht, dass er es notwendigerweise ist.«







Wir sind in London, wollen Bischof Williamson sprechen, fahren zur Zentrale der britischen Piusbruderschaft. Hier in diesem Nobelviertel wohnt der Bischof. Ein Pater öffnet uns.

Frage: Guten Morgen. Kann ich Bischof Williamson sprechen?

O-Ton Pater der britischen Piusbruderschaft:
»Nein, können Sie nicht.«

Frage: Er leugnet den Holocaust. Was sagen Sie dazu?

O-Ton Pater der britischen Piusbruderschaft:
»Kein Kommentar dazu. Das habe ich Ihnen doch schon gesagt.«

In dieser Gemeinde der Pius-Brüder hier in London hat Bischof Williamson treue Anhänger. Sie denken offenbar wie er und er wie sie. Gestern nach dem Gottesdienst:

O-Ton Gottesdienstbesucherin:
» Wir unterstützen ihn.«

O-Ton Gottesdienstbesucher:
» Wir unterstützen freie Meinungsäußerung «

O-Ton Gottesdienstbesucherin:
»Er ist ein wunderbarer Mensch.«

O-Ton Gottesdienstbesucher:
»Er ist ein Held.«

Frage: Hat er recht, dass nicht so viele Juden getötet wurden?

O-Ton Gottesdienstbesucherin:
»Ja, er hat Recht. Und Sie sind eine Schande für Ihr Land.«

Also Rückhalt für den Holocaustleugner!

Was bedeutet es, wenn seine Heiligekeit tatsächlich die Piusbruderschaft in den Schoß der Katholischen Kirche zurückholt?

Prof. Eberhard Schockenhoff ist Deutschlands wichtigster Moraltheologe. Sein Urteil über die Piusbruderschaft ist eindeutig:

O-Ton, Professor Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe, Universität Freiburg:

»Hiermit würde sich die katholische Kirche einen rechtsradikalen Sumpf sozusagen ins Haus holen, sie würde ihm Heimatrecht innerhalb der katholischen Kirche verschaffen.«






Die deutsche Zentrale der Piusbruderschaft in Stuttgart. In der Gottesdienstordnung angekündigt für Ende dieser Woche ein Vortrag von Dr. Walter Marinovic.

Wer ist dieser Dr. Walter Marinovic? Ein Österreicher mit Kontakten in die Neonazi-Szene. Gern gesehener Redner auf rechtsextremen Veranstaltungen mit DVU- und NPD-Größen. In einschlägig bekannten Publikationen wie „National-Zeitung“, und „Deutsche Stimme“ ist Dr. Marinovic Autor oder Interviewpartner.

Sein Thema hier in Stuttgart: Überfremdung und Islamisierung Europas.

Wir sind in Wien. Hier, im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes ist Dr. Marinovic seit vielen Jahren kein Unbekannter. Hier werden rechtsextreme Entwicklungen beobachtet.

Der langjährige wissenschaftliche Leiter hält Marinovic für einen einflussreichen Publizisten.


Frage: Würden Sie ihn selber auch direkt als Rechtsextremisten einstufen?

O-Ton, Dr. Wolfgang Neugebauer, Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands:

»Ja, eindeutig. Also durch das Milieu, in dem er sich bewegt, die Auffassungen, die er publizistisch oder auch in Vorträgen zum besten gegeben hat, das erfüllt alle Kategorien des Rechtsextremismus.«






Uns hat Dr. Marinovic erst ein Interview zu- und dann abgesagt. Wir wollen ihn trotzdem sprechen.

Frage: Wir waren jetzt einfach...

O-Ton Dr. Walter Marinovic:
»Bitte lassen Sie diese Aufnahme jetzt beiseite, ja! Ich bitte Sie sehr!«

O-Ton, Professor Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe, Universität Freiburg:
»Also, diese Aktivitäten der Piusbruderschaft auch im deutschen Sprachraum belegen eindeutig ein weltanschauliches Amalgam von faschistischen, ehemals nationalsozialistischen Aussagen. Die führen unter dem Deckmantel der Pius-Bruderschaft noch ein weiteres Leben. Sie finden öffentliche Verbreitung. Im Grunde ist das ein Fall für den Verfassungsschutz.«

Wie kann das sein? Ein Rechtsextremer als Redner in der deutschen Zentrale der Piusbruderschaft. Wir konfrontieren den Deutschland-Chef der Piusbruderschaft.

Frage: Pater Schmidberger, eine Frage...

O-Ton, Pater Franz Schmidberger, Oberer Piusbruderschaft Deutschland:

»Nein, nein!«










Frage: Warum dürfen Rechtsextremisten bei Ihnen in der Piusbruderschaft Vorträge halten, Herr Schmidberger, können Sie uns das erklären? Nicht erlaubt, die Frage, nicht erlaubt?
Warum darf Herr Dr. Marinovic hier einen Vortrag halten, mit Verbindung zur NPD?

O-Ton, Pater Franz Schmidberger, Oberer Piusbruderschaft Deutschland:
»Ich bitte Sie, das Gelände zu verlassen, ja!«

Die Piusbruderschaft – eine gefährliche Gruppierung für die Gesellschaft und die katholische Kirche. Und trotzdem hält seine Heiligkeit noch immer an den Verhandlungen zur Wiedereingliederung fest, obwohl die Positionen zwischen Rom und Piusbruderschaft offensichtlich unvereinbar sind.

O-Ton, Professor Eberhard Schockenhoff, Moraltheologe, Universität Freiburg:
»Deshalb ist es um der Glaubwürdigkeit der katholischen Kirche willen zu fordern, diese Phase der Ungewissheit baldmöglichst zu beenden und auch von römischer Seite einen klaren Schlussstrich zu ziehen.«

Abmoderation Birgitta Weber:

Die Pius Bruderschaft erwägt nun den Rechtsextremen Marinovic auszuladen. Angeblich seien dem Distriktoberen Schmidberger die Verbindungen zu NPD und DVU nicht bekannt gewesen. Und zu den Piusbrüdern gibt es auch auch ein Kollegengespräch im Internet unter www.reportmainz.de.