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SENDETERMIN Mo, 10.4.2006 | 22:00 Uhr | Das Erste

Wie Muslime nach Übertritt zum Christentum bedroht werden "Todesliste"

Abdul Rahman sollte in Afghanistan zum Tode verurteilt werden, weil er Christ geworden war. Seine Geschichte ist gut ausgegangen. Er konnte nach Italien ausreisen und Asyl beantragen.

In Afghanistan ist so etwas möglich, aber in Deutschland, haben wir uns gefragt? Ulrich Neumann und Fritz Schmaldienst berichten, dass mitten unter uns, also auch in Deutschland, Christen wegen ihrer Religion massiv bedroht werden.

Wir treffen einen Mann, der um sein Leben fürchtet. Hassan, ein ehemaliger Moslem, aus dem Iran. Seit 20 Jahren lebt er bei uns. Trotzdem wird er verfolgt und terrorisiert von radikalen Moslems, weil er Christ geworden ist.

O-Ton, Hassan*, ehem. Moslem, jetzt Christ:

»Wir waren immer bedroht. Telefonisch. Die haben immer Bücher, islamische Bücher zu mir geschickt. Und einmal haben sie bei mir angerufen, haben gesagt: ‚Du hast drei Kinder, musst du aufpassen.’ Oder den Bremsschlauch haben sie durchgeschnitten. Zucker rein in den Tank oder diese Autoscheiben überhaupt, die mit Hammer kaputt gemacht worden sind und so was.«

Auf seine Frau wurde sogar ein Mordanschlag verübt.

O-Ton, Hassan*, ehem. Moslem, jetzt Christ:

»Sie haben die Vorderreifen, alle Schrauben haben sie locker gemacht. So locker, dass man sie man per Hand aufmachen konnte.«

Frage: Vom Auto?

O-Ton, Hassan*, ehem. Moslem, jetzt Christ:

»Vom Auto, ja.«

Mitten in Deutschland: Trotz Religionsfreiheit muss auch der Iraner Achmed wegen seines Übertritts vom Islam zum Christentum um sein Leben fürchten. Auch er ist wiederholt bedroht worden:

O-Ton, Achmed*, ehem. Moslem, jetzt Christ:

»Weil ich bin getauft, und für Muslime und radikale Muslime bin ich jetzt Heide. Und Heide in islamischer Religion heißt Todesstrafe.«

Denn im Koran steht geschrieben:

Zitat:

»Und wenn sie sich abwenden, dann ergreift sie und tötet sie, wo immer ihr sie auffindet.« (Koran 4:89)

Also, wer der muslimischen Religion abschwört, hat überall mit dem Schlimmsten zu rechnen. Darüber weiß er bestens Bescheid – Pastor Winfried Kahla. Seit 35 Jahren ist er Seelsorger für Iraner, die Christ geworden sind. Er spricht ihre Sprache und weiß, wie bedroht sie leben.

O-Ton, Winfried Kahla, Pastor i. R.:

»Ein Student in Göttingen, Iraner, wird am Sonntagabend in der Studentengemeinde getauft. Am Montagabend ruft seine Mutter aus dem Iran an und sagt: 'Du hast dich gestern taufen lassen. Ich hab es dem Mullah schon gesagt. Ich als Mutter werde dich nicht töten, aber wenn du nach Iran kommst, muss ich dem Mullah sagen, dass man dich tötet.'«

Und trotz dieser Bedrohung: Immer wieder lassen sich junge Muslime taufen - wie Maria vor wenigen Tagen in Norddeutschland. Mutig spricht die Christin offen vor der Kamera über ihren Glaubenswechsel.

O-Ton, Maria, ehem. Muslima, jetzt Christin:

»Ich hatte das Gefühl, dass der Islam mich unter sehr großen Druck gesetzt hat. Als Christin kann ich sehr viel leichter mit Gott Kontakt aufnehmen. Und außerdem sind im Christentum Mann und Frau gleichgestellt. Aber der Islam macht einen großen Unterschied zwischen Mann und Frau.«

Bibelstunde einer persisch-christlichen Gemeinde irgendwo in Hessen. Jede Woche treffen sich hier rund ein Dutzend ehemaliger Muslime. Trotz Ängsten dürfen wir dabei sein. Solche Gemeinden gibt es etliche. Ihr Schutz: Sie bleiben unter sich. Bis zu 5.000 Moslems, so schätzen Experten, sind in den letzten zehn Jahren allein in Deutschland zum Christentum übergetreten.

O-Ton, Margot Käßmann, Landesbischöfin, Ev.-luth. Landeskirche Hannover:

»Dass in Deutschland Mut dazu gehören könnte, Christ oder Christin zu werden, das können sich viele, glaube ich, überhaupt nicht vorstellen. Und deshalb wurde nicht genug hingeschaut, wenn Menschen übertreten.«

Gottesdienst der persisch-christlichen Gemeinde in Hessen. Auch hier herrscht Angst unter den ehemaligen Muslimen. Sie werden nicht nur direkt bedroht, sondern sie müssen sogar um ihre Angehörigen im Iran fürchten. Der Bruder vom Pastor Bayat wurde im Mullah-Stadt bereits zweimal verhaftet. Der Grund: Weil Pastor Bayat hier bei uns missioniert.

Und der Bruder von Hassan wurde sogar 1999 in Teheran ermordet. Auch Hassan hat hier in Deutschland aktiv missioniert. Wurde der Bruder deshalb im Gottesstaat getötet?

REPORT MAINZ liegt eine Liste über religiös begründete Hinrichtungen im Iran vor. Ein oberster Richter des Mullahregimes hat diese Todesliste zusammengestellt. Demnach wurden in kurzer Zeit, zwischen 1996 und 2000, insgesamt 14 Menschen hingerichtet. Darunter Studenten, Religionslehrer, Autoren und ein Uni-Professor.

Die deutsche Botschaft in Teheran bestätigt ebenfalls, es werden schwere Strafen gegen abgefallene Moslems verhängt. In diesen Schreiben wird festgestellt:

Zitat:

»Das iranische Regime ... reagiert weiterhin mit harter Hand auf missionarische Tätigkeiten und den Abfall vom Islam.« (Deutsche Botschaft Teheran) und:

Zitat:

»Der Abfall vom Islam ... kann ... gemäß des Korans von jedem Moslem verfolgt werden.« (Deutsche Botschaft Teheran)

Also: Abtrünnige umzubringen, ist jedem Moslem erlaubt. Überall auf der Welt.

Und genau solche ungeklärten Todesfälle hat die in Frankfurt ansässige Internationale Gesellschaft für Menschenrechte festgestellt – mitten in Deutschland, meist allerdings für die Staatsanwaltschaften nicht greifbar.

O-Ton, Max Klingberg, Internationale Gesellschaft für Menschenrechte:

»Das sind dann überraschende Selbstmorde oder häusliche Unfälle, wo man nicht klar beweisen kann, dass der Konvertit umgebracht wurde, weil er Christ geworden ist. Es ist bloß dann überraschend, dass er gestorben ist, nachdem er sich der Familie offenbart hat. Wir gehen davon aus, dass es solche Todesfälle von Konvertiten jedes Jahr in Deutschland gibt, und möglicherweise könnten das bis zu fünf pro Jahr in Deutschland sein.«

O-Ton, Margot Käßmann, Landesbischöfin, Ev.-luth. Landeskirche Hannover:

»Leider halte ich das tatsächlich für möglich. Nachdem wir auch über Ehrenmorde lange überhaupt nicht nachgedacht haben und geglaubt haben, das sei in diesem Lande nicht denkbar, und wir erfahren jetzt, das ist denkbar, das ist Realität. Und da wo wir taufen, Menschen, die aus dem Islam übertreten, müssen wir wahrscheinlich auch viel stärker auf diese Menschen achten, was mit ihnen geschieht.«

Fazit: Bisher hat kaum jemand die religiösen Fanatiker davon abhalten können, unter Konvertiten Angst und Schrecken zu verbreiten. Dennoch: An ihrem Glaubenswechsel halten sie fest.

Frage: Sie bleiben Christ?

O-Ton, Hassan*, ehem. Moslem, jetzt Christ:

»Natürlich, ich bleibe Christ. Wenn jemand sagt: ‚Ich bringe dich um. Du musst deine Religion wechseln.’ Ich sage: Bringe mich um, ich wechsle nicht meine Religion.«

Abmoderation Fritz Frey:

Gerne hätten wir gewusst, wie in Deutschland ansässige muslimische Organisationen den Übertritt zum christlichen Glauben bewerten. Sieben haben wir angeschrieben. Nur eine gesteht hier lebenden Muslimen das Recht auf einen Glaubenswechsel zu. Die anderen haben ausweichend oder gar nicht geantwortet. Schade. Glaubensfreiheit ist in Deutschland ein Grundrecht.

* Namen von der Redaktion geändert