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SENDETERMIN Do, 4.10.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Medizin Zeitreise: Computer in der Medizin

Der Computer ist aus der Medizin nicht mehr wegzudenken, in der Verwaltung, bei bildgebenden Verfahren, als Assistent des Chirurgen. Doch diese Geschichte währt erst wenige Jahrzehnte.

Computer in der Verwaltung

Die Geschichte des Computers in der Medizin beginnt in der Verwaltung. In den frühen Siebzigern. Datentypistinnen geben in großen Rechenzentren nach Formularen aus den Krankenhäusern Patientendaten ein. Die Technik: Raumgreifend und unglaublich teuer. Die Speichermedien archaisch: Magnetbänder und Festplatten von der Größe eines Kaffeetisches. Aber die Computer ermöglichten die automatisierte Abrechnung mit den Krankenkassen. Ein neues Zeitalter bricht an.

Computer in der Bildgebung

1973 dann eine Revolution in der Bildgebung: die Geburt des Computertomografen. Ein zeitgenössischer Sprecher kommentiert begeistert die aus heutiger Sicht mangelhaften Bilder: „…die bei einer Schicht-Aufnahme etwa 300.000 Röntgensignale, die von den Detektoren aufgenommen werden, enthalten die Bildinformationen des durchstrahlten Körperquerschnittes. Die Messwerte werden vom Computer gesammelt, verarbeitet und ähnlich wie beim Fernsehen zu einer Abbildung auf einem Schirm zusammengesetzt.“

1974 nutzt ein Freiburger Avantgardist in der Neurochirurgie den Elektronenrechner. Es geht darum, das Endoskop im perfekten Winkel in das Gehirn der Patientin eintauchen zu lassen. Das minimalinvasive Instrument ist auf einen Präzisionsrahmen gespannt, der fest mit dem Schädel der Patientin verbunden ist: „Ein Computer wird mit Messwerten der Patientin gefüttert. Eingespeichert sind 14.000 Daten von 400 Personen. Damit werden mit einem zehntel Millimeter Genauigkeit, Eindringwinkel und Eindringtiefe in den Schädel ermittelt und am Basisring eingestellt.“ Gruselige Bilder. Bei vollem Bewusstsein der Patientin fräst sich das Instrument durch die Schädeldecke.

Eurotransplant

Ab 1977 beginnt der Computer in der Transplantation eine wichtige Rolle zu spielen: Bei Eurotransplant im holländischen Leiden werden die Daten von Tausenden potentiellen Organempfängern verwaltet, um die möglichst große Übereinstimmung in der Gewebetypisierung zwischen Spendern und Empfängern sicherzustellen: In der Transplantationsmedizin herrscht Zeitdruck. Hier kann der Computer helfen: „Mit Computern kann in kürzester Zeit festgestellt werden, für welche Kranken ein gerade entnommenes Organ geeignet ist.“

1982 läutet der Kernspintomograf eine neue Ära bei den bildgebenden Verfahren ein. „Der Kernspintomograf ist mit einem Rechner gekoppelt. Die Signale der Atomkerne werden aufgefangen, gespeichert und vom Computer zu synthetischen Bildern zusammengesetzt. Sie werden auf einem Monitor sichtbar gemacht.“

Schon damals visuell eine Sensation bietet das Kernspin heute 3D-Ansichten von bestechender Qualität.

Menschliches Genom sequenziert

Im Jahr 2000 erneut ein sensationeller Fortschritt. Mit einer Armee von Computern und gentechnischen Anlagen gelingt der Firma Celera von Craig Venter die Sequenzierung des menschlichen Genoms. 3,2 Milliarden Basenpaare ergeben 20.000 Gene. Auch der amerikanische Präsident Bill Clinton würdigt die Leistung. „Heute bewundern wir nur noch mehr Gottes größtes und heiligstes Geschenk: Leben. Unser Wissen wird die Medizin revolutionieren. Es wird die Diagnose Und Behandlung der meisten – vielleicht aller Krankheiten möglich machen.“

Bis heute leider ein Traum: die Abfolge der Buchstaben sagt wenig über die Funktion der komplex verschalteten Gene. In den Medien war immer die Rede von der Entschlüsselung. Das war falsch. Die Sequenzierung ist nicht gleichbedeutend mit dem Verständnis des Genoms.

Virtuelle und erweiterte Realität

In den Zehnern des neuen Jahrtausends hält die „Virtuelle Realität“ Einzug in die Chirurgie. Mit Datenbrillen und Cybermanipulatoren lassen sich Eingriffe an Organen planen, die in Tomografen in den Computer eingescannt wurden. Zum Beispiel für den schonendsten Zugang zur Operation eines Lebertumors. Noch einen Schritt weiter geht die „Augmented Reality“. Hier werden per Datenbrille Informationen aus dem Computer in das Sichtfeld des Chirurgen projiziert. Die Lage der Operationsinstrumente wird vom Computer erfasst und in das Sichtfeld eingeblendet. Der Computer warnt, wenn die Verletzung von sensiblem Gewebe droht. Ein Plus an Sicherheit durch avancierte Computertechnik.