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SENDETERMIN Do, 9.10.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Zuckersatz Xylit - das süße Wunder?

Ein Stoff, genauso süß wie Zucker, aber mit 40 Prozent weniger Kalorien und außerdem gut für die Zähne: zu gut, um wahr zu sein. Reporterin Lena Ganschow hat sich das "Wundermittel" Xylit genauer angesehen.

Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde Xylit von dem deutschen Chemieprofessor und späteren Nobelpreisträger Emil Fischer extrahiert, ist aber dennoch bis heute den meisten Menschen unbekannt. Daher zunächst ein paar Fakten.

Was Xylit genau ist

Xylit, auch Xylitol genannt, ist ein natürlicher Zuckeralkohol, der sowohl als Zwischenprodukt des menschlichen Glukosestoffwechsels in der Leber gebildet wird, als auch in Pilzen und Pflanzen enthalten ist. Himbeeren, Kopfsalat & Co enthalten allerdings nur geringe Mengen des Stoffs. Bei der großtechnischen Gewinnung setzt man daher meist auf Maiskolbenreste oder Birkenholz als Ausgangsstoffe, da sie deutlich mehr Xylit enthalten. Deswegen wird Xylit auch als "Birkenzucker" bezeichnet.

Wie Xylit hergestellt wird

Beim Herstellen von Xylit wird der Ausgangsstoff zunächst mit Heißdampf aufgeschlossen. Mithilfe von Wasser wird im Anschluss Xylan aus dem Holz herausgelöst und in Holzzucker gespalten. Der wird dann gereinigt und im Vakuum bei genau 60 Grad Celsuis eingedickt, bis sich zuckerähnliche Kristalle bilden - Xylit. Etwa 25 Kilogramm Xylit lassen sich aus einer Birke gewinnen.

Wo es Xylit zu kaufen gibt

Im Supermarkt sucht man Xylit meist vergebens. Zwar gibt es dort andere Zuckeraustauschstoffe, wie Sorbit oder Maltit, und Süßstoffe sowie alternativ gesüßte Lebensmittel, aber kein Xylit - außer vielleicht in ein paar Kaugummis.

Wer Xylit oder xylitgesüßte Lebensmittel haben möchte, muss diese entweder im Internet oder in der Apotheke bestellen. Das nötige Kleingeld sollte dabei nicht fehlen: Im Schnitt kostet ein Kilogramm Xylit etwa zehnmal so viel wie ein Kilogramm Zucker. Das liegt daran, dass die Herstellung von Xylit vergleichsweise aufwendig ist.

Wie Xylit in der Praxis abschneidet

Als Zuckeraustauschstoff ist Xylit, anders als Süßstoffe, nicht süßer, sondern genauso süß wie Zucker. Daher kann man es in gleicher Menge verwenden. Xylit hat jedoch andere physikalische Eigenschaften als Zucker: Es wird zum Beispiel beim Backen nicht braun und Kuchen mit dem Stoff werden meist etwas trockener als mit Zucker. Außerdem entzieht Xylit seiner Umgebung Wärme, was im Mund kühlend wirkt, ähnlich wie Menthol. Ein Haken: Höhere Dosen Xylit können zunächst kurzzeitig zu Bauchschmerzen führen und abführend wirken.

Wie geeignet Xylit für Diabetiker ist

Weil Xylit 40 Prozent weniger Kalorien als Zucker enthält, und der Körper es ohne Insulin verstoffwechselt, ist es auch für Diabetiker geeignet. Theoretisch könnte Xylit Zucker in vielen Lebensmitteln ersetzen und so Diabetiker und Nichtdiabetiker nutzen. Praktisch ist dies jedoch schon aus Kostengründen kaum denkbar.

Warum Xylit als zahnfreundlich gilt

Jedes Mal, wenn wir etwas Zuckerhaltiges essen, bleiben Speisereste an unseren Zähnen kleben. Die Bakterien, die dort sitzen, verwandeln den Zucker in aggressive Milchsäure. Die senkt den ph-Wert im Mund, greift den Zahnschmelz an und löst Kalzium heraus - Karies kann entstehen. Xylit verhindert, dass die Bakterien im Mund Zucker zu Säure verwandeln. Es selbst kann nicht als Energiequelle genutzt werden, wodurch die Bakterien verhungern. Die Zähne bleiben verschont.

Zahlreiche Studien haben gezeigt: Sowohl kurzfristig, vor allem aber langfristig und regelmäßig angewendet, kann Xylit die Menge an kariesverursachenden Bakterien im Mund reduzieren. Xylit wird daher allgemein als "nichtkariogen" teilweise sogar als "antikariogen" eingestuft. Daher kann es nach Meinung von Experten zum Beispiel für Menschen mit erhöhtem Kariesrisiko sinnvoll sein, regelmäßig Xylit zu sich zu nehmen - sei es als Lutschbonbon oder Kaugummi, nach dem Essen oder nach dem Zähneputzen.

Wie geeignet Xylit für Haustiere ist

Anders als für Menschen, ist Xylit für manche Tiere gefährlich. Bei Hunden und Ziegen etwa provoziert Xylit eine hohe Insulinausschüttung, was deren Blutzuckerspiegel sehr stark absenkt. Für Katzen dagegen ist Xylit offenbar unproblematisch.