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SENDETERMIN Do, 2.3.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Motivationspsychologie Woop - Gewohnheiten überwinden

Abnehmen, mehr Sport treiben, fleißiger werden: Oft bleiben Wünsche ein Leben lang unerfüllt. Studien einer Psychologin zeigen: Mit der Woop-Strategie könnte sich das ändern.

Fabienne Jeziorowski hat einen Traum

Fabienne Jeziorowski ist Mitte zwanzig und eine zielstrebige junge Frau. Sie lebt mit ihrem Hund in ihren eigenen vier Wänden, in einer glücklichen Beziehung und studiert Soziologie. Doch lange war sie nicht zufrieden, denn ein Vollzeit-Praktikum überforderte sie. Die Alltagsaufgaben waren plötzlich nicht mehr zu bewältigen. "Ich war unzufrieden, ich habe nicht mehr alles geschafft was ich wollte, ich kam nach Hause und da war überall Chaos. Der Sport artete zum Stress aus und war nicht, wie sonst, Entspannung."
Dass sie plötzlich den Sport nicht mehr genießen konnte, störte sie besonders. Sie fiel in ein Loch, war unmotiviert und oft schlecht gelaunt. Ihr großer Wunsch: Endlich wieder mehr Sport zu treiben und den Alltag in den Griff zu bekommen.

Nur positiv denken? Lieber nicht!

Wie sollte sich Fabienne Jeziorowski motivieren, um die eigenen Wünsche zu erfüllen? Jedenfalls nicht nur durch "positives Denken", davon ist die Psychologie Professorin Gabriele Oettingen, überzeugt. In zahlreichen Studien konnte sie nachweisen, dass uns positives Denken allein nicht weiterbringt. Was uns die positive Psychologie seit Jahren einredet ist in ihren Augen falsch. "Wenn wir nur träumen und nur positiv über der Wunscherfüllung phantasieren, dann wähnen wir uns schon am Ziel, daraufhin entspannen wir, und wir werden die Energie, die wir brauchen, um die Wünsche zu erfüllen, nicht mehr aufbringen." Tatsächlich ist diese Vorstellung so stark, dass der Blutdruck sinkt. Wer zum Ziel kommen möchte muss sich auch mit den inneren Hindernissen beschäftigen. Auf Grundlage ihrer Studienergebnisse entwickelte die Professorin ihre eigene Methode zur Selbstmotivation namens "Woop".

Fabienne "woopt"

Fabienne Jeziorowski wendete Woop-Strategie an. Ihr Wunsch: Mehr Bewegung und Sport im Alltag. Als sie sich über ihr Hindernis Gedanken machte, fand sie heraus, warum sie weniger Sport trieb. Das eigentliche Problem war nicht der Sport an sich, sondern die Zeit danach. Sie hetzte von einem Termin zum nächsten, konnte das "ausgepowerte" Gefühl nach dem Sport gar nicht genießen. Sie nahm sich vor, für das Duschen und frisch machen genauso viel Zeit einzuplanen, wie fürs Joggen. So hat sie ihr Ziel erreicht.

Vorstellen von Traum und Hindernis

Laut Professor Oettingen funktioniert die Methode auch, weil man sich seiner eigenen Vorstellungskraft bedient, denn Wünsche lassen sich nur umsetzen, wenn sie sich auch gut anfühlen und nicht nur vernünftig erscheinen. "Diese Imaginationsübung beruht nicht auf rationalem Denken, auf Listen machen oder ähnlichem. Sondern es ist eine Imaginationsübung, die davon profitiert, dass wir eine enorme Vorstellungskraft haben, die in vielen Ansätzen nicht vorhanden ist", so Professor Oettingen. Hinzu kommt, dass das Erkennen des Hindernisses in Kombination mit dem Wunsch die eigene Wahrnehmung der ganzen Situation verändert. Sie bezeichnet diesen Vorgang als "mentales Kontrastieren". "Wenn ich mental kontrastiere, also, dass ich zum Beispiel zwei drei Pfunde abnehmen möchte, dann ist mein Hindernis, dass ich versucht bin, die Torte zu essen. Was dann passiert ist, dass die Torte jetzt nicht mehr ein freudiger Genuss ist, sondern jetzt wird die Torte wahrgenommen als Hindernis, das einem Gewichtsverlust entgegensteht. Also verändert sich die Bedeutung der Torte ganz automatisch."

Keine Wunderpille

Doch "woopen" bedeutet nicht, dass sich alle Wünsche automatisch erfüllen: "Es ist kein Selbstläufer in dem Sinne, dass man eine Pille einwirft und plötzlich ist man dünn." Es fordert Disziplin. Laut Prof. Oettingen kann es zwar schon reichen einmal einen Wunsch zu "woopen", es macht aber Sinn, die Strategie zweitweise zu wiederholen. Der Vorteil: Es kostet nichts, jeder hat die Chance unabhängig von Therapeuten oder Beratern in seinem Leben zufriedener zu werden. "Es ist weder ein klinisch-therapeutischer Ansatz noch ist es aufwendig. Es ist ein Handwerkszeug, das ich nehmen kann, um im Leben besser zurechtzukommen", so Prof. Oettingen.

aus der Sendung vom

Do, 2.3.2017 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.