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SENDETERMIN Do, 12.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Test Wo lauern die meisten Bakterien?

Vor über dreihundert Jahren wurden Bakterien entdeckt. Doch bis heute wissen wir nur eins ganz sicher über die Mikroorganismen: Sie sind überall! Doch wann haben wir Kontakt mit welchen dieser Kleinstwesen? SWR odysso macht den Test.

Frau wischt einen Tisch ab, darauf befinden sich Bakterien/Keime

Durch unsere Hände kommen wir mit Bakterien in Berührung und verteilen sie auch weiter. Aber wo lauern eigentlich welche Bakterien in unserem Alltag? Wir machen einen Test; unsere Probandin ist Louisa. Einen Vormittag lang werden wir sie durch ihren Alltag begleiten und untersuchen, mit welchen Bakterien sie in dieser Zeit in Berührung kommt und wie viele tatsächlich an ihren Händen haften bleiben.

Im Badezimmer

Den ersten sogenannten Abklatschtest von ihren Händen nehmen wir gleich nach dem Aufstehen. Der rote Nährboden der Abklatschplatten besteht aus Blutagar; er enthält Schafsblut. Prof. Reinier Mutters vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Uni Marburg wertet die Proben für uns aus. Was hat der Test gleich nach dem Aufstehen und Händewaschen ergeben? Auf einer sauberen, gewaschenen Hand seien etwa 50 Keime, sagt der Experte. "Louisa hatte deutlich mehr Keime auf der Hand, nämlich 300. Das mag daran liegen, dass sie die Hände nicht ordentlich gewaschen hat, oder das Handtuch vielleicht nicht sauber gewesen ist, mit dem sie sich abgetrocknet hat. Das kann passieren." Gerade beim Handtuch, sollte man also darauf achten, es regelmäßig zu wechseln.

In der Küche

Welche Bakterien kommen jetzt im Laufe des Tages noch auf Louisas Händen dazu? Um das herauszufinden, herrscht ab jetzt striktes Händewaschverbot! Schon in der Küche lauern die ersten Kandidaten - etwa im Schwamm. Und der ist schon relativ lang im Einsatz - rund vier bis fünf Wochen. Das ist keine so gute Idee, zeigt unser Abklatschtest. Im Schwamm leben Darm- und Hautbakterien, aber auch Fäkalkeime. Die kommen meist von Lebensmitteln und können im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung oder Blutvergiftung führen.

In der Straßenbahn

Wahrscheinlich kleben die Bakterien jetzt an Louisas Fingern und das hat Folgen: Denn wo sich viele Menschen aufhalten, funktioniert der Bakterienaustausch in der Regel besonders gut. Zum Beispiel auf dem Weg zur Arbeit, in der Straßenbahn.

Eine Hand hält sich in der Straba an einer Schlaufe fest

Welche Keime finden sich in der Straßenbahn?

Hier sammelt auch Louisa weitere Bakterien ein. Metallstangen und Halteknopf sind laut Experte zwar unbedenklich, da sich auf Metall keine Bakterien vermehren können, aber auf dem Sitz hat unser Abklatschtest relativ hohe Keimzahlen nachgewiesen - wieder Keime, die natürlicherweise auf der Haut vorkommen, aber eben auch Keime, die dort nicht hingehören, wie der Acinetobacter, der eine Infektion auslösen kann, wenn er in großen Mengen übertragen wird."

Im Supermarkt

Große Mengen Bakterien vermuten viele Menschen auf dem Handlauf einer Rolltreppe. Stimmt aber nicht: Die Keimbelastung der Rolltreppe ist eher gering und harmlos. Anders sieht das bei den Griffen von Einkaufswagen aus. Sehr oft wimmeln hier am Griff klassische "Menschenkeime", etwa harmlose Hautkeime - aber auch krank machende Durchfallerreger. Die Griffe sind eine Hygieneschwachstelle, weil diese in der Regel nicht so häufig gereinigt werden.

Im Büro

Auch an Louisas Arbeitsplatz haben sich Bakterien breit gemacht. Allein die Türklinke ist mit gut 400 Keimen besiedelt. Noch ekeliger: Telefon und Computertastatur. Beide weisen viel zu viele Darm- und Fäkalbakterien auf. Auf feuchten Händen können diese sich dann sogar weiter vermehren. Und wie sieht das bei den viel genutzten Toiletten aus, wird es jetzt noch schlimmer? Prof. Mutters gibt für unsere Testtoilette Entwarnung: "Die Toilette ist ja ein angsterregender Ort für viele Mitmenschen. Aber in unserem Fall war das überhaupt nicht dramatisch. Das heißt, wir haben zwar höhere Keimzahlen gefunden, aber keine Krankheitskeime, die uns Sorgen machen sollen." Wenn Toiletten regelmäßig geputzt werden gehören sie zu den Orten, die am wenigsten mit Keimen besiedelt sind.

Nach sechs Stunden ohne Händewaschen

Bis zur Mittagszeit, also gut sechs Stunden lang, hat Louisa ihre Hände nicht gewaschen. Wie viele Bakterien haften inzwischen an ihren Händen? Interessanterweise in der Summe etwa genauso viele wie am frühen Morgen. Prof. Mutters kann aber trotzdem keine Entwarnung geben: "Louisa hat sich während ihres Tages mit einigen Keimen kontaminiert, die nicht unbedingt angenehm sind. Neben Darmkeimen, Enterokokken, war auch ein Staphylococcus Aureus dabei, ein Eiterkeim, und ein Acinetobacter. Das ist ein Keim, der im Krankenhaus eine Lungenentzündung und bei einem abwehrgeschwächten Patienten Infektionen verursachen kann.

Tipp fürs richtige Händewaschen

Als Faustregel gilt: Nach jedem Toilettengang und vor dem Essen mindesten 20 Sekunden lang die Hände waschen, auch zwischen den Fingern. Ebenfalls ganz wichtig: Die Hände gründlich abtrocknen, damit Bakterien sich nicht vermehren können.