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SENDETERMIN Do, 27.6.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Wissenschaftler streiten Wo bleibt der Klimawandel?

Seit über die Erderwärmung diskutiert wird, gibt es unterschiedliche Positionen: Die meisten Wissenschaftler sind auf das CO2 fixiert und sagen: Der Mensch ist für die Erderwärmung verantwortlich. Doch diese These ist nicht unumstritten.

Wasser auf die Mühlen der sogenannten Klimaskeptiker - also der Wissenschaftler, die nicht an den menschgemachten Klimawandel glauben, ist die Beobachtung, dass die Erwärmung der Erde seit über zehn Jahren zum Stillstand gekommen ist. Inzwischen ist wieder von Kälterekorden und Jahrhundertwintern die Rede und die globale Erderwärmung wird in der öffentlichen Diskussion ganz klein gefahren. Und das, obwohl wir so viel CO2 in die Atmosphäre pusten wie nie zuvor.

Zudem haben Klimaforscher der Mainzer Universität im Sommer 2012 eine Klimakurve veröffentlicht, die Anlass für heftige Auseinandersetzungen in Wissenschaftlerkreisen war: Die Kurve zeigt die Klimaentwicklung der vergangenen 2000 Jahre in Europa und basiert auf der Analyse von Wachstumsringen in Hölzern. Mehrfach - auch schon vor dem Zeitalter der Industrialisierung - zeigt sie Klimaerwärmungen, die der des 20. Jahrhunderts entsprechen.

Sonnenflecken und Meeresströmungen beeinflussen das Klima

Sonnenflecken

Sonnenflecken

Ganz offensichtlich ist das vom Menschen erzeugte Treibhausgas CO2 nicht der einzige Faktor, der das Klima auf unserer Erde beeinflusst. Eine außerordentlich wichtige Rolle spielt die Sonne. Denn die scheint nicht immer gleich stark. Die auffälligste Schwankung ist der Sonnenfleckenzyklus. Der normalerweise im Elf-Jahresrhythmus schwingt: Gibt es viele Sonnenflecken, ist es warm, nehmen die Sonnenflecken ab, wird es kälter. Tatsächlich befänden wir uns derzeit in einer Sonnenfleckenanomalie, sagt Frank Sirocko, Professor für die Geschichte des Klimas an der Mainzer Universität. Seit zehn Jahren haben wir weniger Sonnenflecken als im bisherigen Sonnenfleckenzyklus. "So etwas gab es schon mal vor 200 Jahren. Damals waren die Winter eiskalt und die Sommer kalt und verregnet. Also eine ähnliche Situation wie heute", sagt Sirocko.

Auch die Rolle der Ozeane im Klimagefüge ist erst zum Teil verstanden. Bekannt ist, dass Meeresströmungen gigantische Wärmemengen um den Globus verteilen. So transportiert der Golfstrom karibische Wärme in Richtung Nordeuropa. Einige Klimaforscher denken, dass die Tiefsee derzeit besonders viel Wärme speichert. Daher der scheinbare Stopp der Erderwärmung.

Sand, Ruß und Staub: ein globaler Sonnenschirm aus Partikeln

Sogar Sandstürme spielen in unserer Klimawahrnehmung eine Rolle. Große Stürme tragen Milliarden Tonnen Sand über den Atlantik. Dies wirkt wie ein Sonnenschirm und wirft einen kühlenden Schatten. Ohne diese Kühlung vergrößert sich die Chance für Wirbelstürme vor der amerikanischen Küste.

Staub und Ruß aus Industrieanlagen werfen ebenfalls kühlende Schatten auf die Erde. So gilt die starke Zunahme von industriellen Emissionen in Asien, die den Staub- und Rußschleier über der Erde verdichten, als weitere mögliche Erklärung für die gestoppte Erderwärmung. Auch Vulkanausbrüche können so viel Staub in die Atmosphäre schleudern, dass die Erdtemperatur über Jahre sinkt.

Frank Sirocko

Prof. Frank Sirocko untersucht die Geschichte des Klimas.

Viele unsichere Faktoren in der Klimarechnung. Macht da eine Verringerung des CO2-Ausstoßes überhaupt Sinn? Der Mainzer Klimaforscher Sirocko hat eine folgende Position: "Wir werden in einigen Jahrzehnten - wenn es überhaupt so lange braucht - kein Erdöl mehr haben. Von daher ist eine Wirtschaft wichtig, die ohne großen CO2-Ausstoß läuft."

Im Übrigen wisse niemand, wie das Klima sich entwickle. Wenn die abkühlenden Faktoren der vergangenen Jahre zum Stillstand kämen, könne es durchaus sein, dass die Erwärmung danach auf genau dem gleichen Niveau weitergehe, wie im vergangenen Jahrtausend, vermutet Sirocko. Eins zeigt die Diskussion um den Klimawandel allerdings deutlich: Die bisherigen Simulationen haben den derzeitigen Stillstand der Erderwärmung nicht vorhergesagt. Offenbar wissen wir noch nicht genug, um die komplizierte Entwicklung des Klimas zu berechnen.