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SENDETERMIN Do, 11.1.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Gen-Scheren gegen Aids Freiburger Mediziner arbeiten an neuen HIV-Therapien

Es ist eine große Hoffnung: Lässt sich Aids mit der neuen CRISPR-Methode bekämpfen? In Freiburg suchen Wissenschaftler und Ärzte nach solchen Therapien gegen das HI-Virus.

Klinische Studie

Wissenschaftler der Uniklinik Freiburg haben sich ein großes Ziel gesetzt: Sie wollen HIV-Patienten heilen - mit Hilfe der neuartigen Genscheren wie Crispr. In einer klinischen Studie sollen die neuen Genscheren zum Einsatz kommen sollen. Noch ist die Methode nicht reif für den Einsatz am Patienten, doch in der Zellkultur und im Tierversuch haben die Forscher bereits gute Erfolge erzielt.

Dem HI-Virus die Tür versperren

In der Theorie klingt der Ansatz ganz einfach: HI-Viren können nur solche Zellen befallen, die bestimmte Rezeptoren auf ihrer Oberfläche haben. „Man kann sich das vorstellen wie eine Tür“, erklärt Professor Toni Cathomen: „Wir versuchen, diese Tür für immer zu verschließen.“ Die Tür, an der die Genetiker arbeiten, ist ein Rezeptor mit dem Namen CCR5. Mit Hilfe moderner Genscheren wollen die Forscher diesen Rezeptor ausschalten, so dass das Virus nicht mehr in die Zelle eindringen kann. Im Labor arbeiten die Wissenschaftler mit verschiedenen Methoden: Neben CRISPR auch mit einer anderen Genschere, die es schon einige Jahre länger gibt: Talen. Sie ist nicht ganz so einfach zu handhaben wie CRISPR, dafür ist sie besser erforscht, und deshalb wollen die Wissenschaftler die ersten Patienten mit Talen behandeln.

Wird HIV dank CRISPR heilbar  Prof.Toni Cathomen

Wird HIV dank CRISPR heilbar ? Prof.Toni Cathomen

HIV – die Krankheit ist noch immer stigmatisiert

Viele Patienten hoffen, dass sie das Virus mit den neuen Therapien endgültig loswerden können, denn die Krankheit ist noch immer mit einem Stigma behaftet. Die Infektionsmedizinerin Susanne Usadel arbeitet eng mit den Wissenschaftlern der Uniklinik zusammen. Sie ist niedergelassene Ärztin und hat sich auf die Behandlung von HIV-Patienten spezialisiert.

„Als ich in den 1980er Jahren angefangen habe, wussten wir fast nichts über die Krankheit“, erzählt sie. „Oft konnten wir die Patienten nur in den Tod begleiten.“ Heute können Patienten dank moderner Medikamente ein fast normales Leben führen. Leistungsfähigkeit und Lebenserwartung unterscheiden sich kaum von gesunden Menschen. Die Virusmenge im Blut kann durch die Präparate so stark reduziert werden, dass sie unterhalb der Nachweisgrenze ist. „Die Menschen tragen dann zwar noch das Virus in sich“, sagt Susanne Usadel, „sie sind aber nicht mehr infektiös.“

Die Krankheit Aids bricht unter diesen Bedingungen nicht mehr aus, ein Leben mit HIV ist möglich. Dennoch wünschen sich viele Patienten nichts sehnlicher als eine Heilung. „Wenn die Patienten von Heilung sprechen, dann erwarten sie, dass ich ihnen eine weitere Tablette gebe, und dann sind sie geheilt“, erzählt Usadel. „Doch so einfach wird es nicht sein, selbst wenn in der Forschung alles perfekt läuft.“

Eine Therapie mit vielen Nebenwirkungen

Im Labor arbeiten die Forscher daran, die sogenannten Off-Target-Effekte in den Griff zu bekommen. Das sind unerwünschte Fehlschnitte, die auch bei den präzisen Genscheren gelegentlich vorkommen. In der Zellkultur ist das kein großes Problem, beim Menschen jedoch könnten die Folgen verheerend sein. Professor Cathomen ist mit den Ergebnissen zufrieden: „Nach Einsatz der Genscheren sind etwa 80 Prozent der Zellen, die wir behandelt haben, resistent gegen HIV, und wir haben praktisch keine Fehlschnitte mehr.“

In Freiburg suchen Wissenschaftler und Ärzte nach Therapien gegen das HI-Virus.

In Freiburg suchen Wissenschaftler und Ärzte nach Therapien gegen das HI-Virus.

Erste Behandlung für 2019 geplant

Was im Labor funktioniert, muss nun beim Menschen noch erprobt werden. Wenn alles klappt, sollen die ersten Patienten Anfang 2019 behandelt werden. Allerdings besteht die Behandlung nicht aus einer Tablette, sondern aus einer Art Chemotherapie: Das Immunsystem der Patienten muss teilweise ausgeschaltet werden, erst danach können sich die neuen, gegen das HI-Virus resistenten Zellen im Körper ausbreiten. Die Behandlung wird also äußerst belastend sein.

Die Ärzte und Forscher in Freiburg wollen deshalb zunächst nur HIV-Patienten behandeln, die gleichzeitig an einer bestimmten Krebserkrankung leiden und deshalb ohnehin eine Chemotherapie benötigen. „Alles andere wäre ethisch nicht zu verantworten“, sagt Professor Cathomen, „schließlich können die meisten Menschen mit dem HI-Virus einigermaßen gut leben.“

Viele Patienten wünschen sich dennoch nichts sehnlicher als eine Heilung von HIV. „Und das liegt nicht an dem Virus“, sagt Susanne Usadel, das Problem sei das schlechte Image der Krankheit: „Wenn sie HIV-Patient sind, können sie niemandem davon erzählen: den Nachbarn nicht, dem Chef nicht, oft wissen es noch nicht einmal nahe Angehörige.“ Auch deshalb ist die Heilung für viele HIV-Patienten der größte Wunsch. An der Uniklinik Freiburg arbeiten Ärzte und Wissenschaftler daran, dass dieser Wunsch in Erfüllung geht.