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SENDETERMIN Do, 21.3.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Rheinland-Pfalz Windkraft contra Naturschutz

Windräder stehen oft da, wo es kräftig pustet. Das sind aber häufig bewaldete und schützenswerte Landschaften. Konflikte mit Naturschützern sind deshalb vielerorts vorprogrammiert.

Landesregierung plant stärkere Nutzung von Windkraft

Bis zum Jahr 2030 will die rotgrüne Landesregierung in Rheinland-Pfalz das Land zu hundert Prozent mit elektrischer Energie aus erneuerbaren Quellen versorgen. Die Windenergie spielt dabei eine zentrale Rolle. Bis zum Jahr 2020 soll sich die Stromerzeugung aus Windkraft verfünffachen, mindestens zwei Prozent der Landesfläche dann für Windenergienutzung verfügbar sein.

Windkrafträder in der Natur

Schöne Aussicht? Windparks stehen in der Kritik, die Landschaft zu verschandeln.

Die für Windräder besonders geeigneten, also die windhöffigen und siedlungsfernen Gebiete, sind aber oft bewaldet, besonders artenreich und schützenswert. Geht es um konkrete Standorte für Windkraftanlagen, kommt es daher immer wieder zu Konflikten mit Naturschützern. In Rheinland-Pfalz stehen bereits mehr als zehn Prozent der Windkraftanlagen in bewaldeten Gebieten, laut Landesregierung werden voraussichtlich mehr als 75 Prozent der künftig errichteten Anlagen im Wald stehen.

Naturschützer kritisieren das Fehlen einer Gesamtplanung

Alle zehn in Rheinland-Pfalz anerkannten Naturschutzverbände haben sich zusammengetan und beklagen die Mainzer Windpolitik. Hauptkritikpunkt: Es fehle eine zentrale, landesweite Planung, die für einen naturschutzgerechten Ausbau der Windkraftanlagen unumgänglich sei. Über geeignete Standorte für Windräder entscheiden derzeit vor allem die Kommunen, und die seien angesichts leerer Kassen vor allem an den Pachteinnahmen interessiert – pro Windrad 50.000 bis 100.000 Euro im Jahr. Die Folge: Überall werden neue Standorte ausgewiesen, die Landschaft "zerspargelt" zunehmend, Gefahren für durchziehende Kraniche etwa, den heimischen Schwarzstorch und seltene Fledermausarten werden nicht hinreichend berücksichtigt.

Falke sitzt auf einem Strommasten

Konflikt: Der Bau von Windparks zerschneidet Lebensraum vieler Tierarten.

Eine neue Front zeichnet sich ab: Auf der einen Seite Natur-und Landschaftsschutz, auf der anderen Seite großtechnisch anmutender Klimaschutz, der den Gemeinden Geld einbringt. Besonders heikel: Viele Naturschützer haben selbst jahrelang für den Ausbau der Windenergie gekämpft.

Naturschutzgerechte Windkraftanlagen sind möglich

Am Hunsrück, im Naturpark Soonwald-Nahe, mit überwiegend Landschafts- und Naturschutzgebieten, hat sich der Konflikt zugespitzt. Inzwischen stehen hier 13 Windräder, einige sind fast 200 Meter hoch. Wie viele es in Zukunft sein werden, ist nicht zu überblicken. Wann, fragen sich viele Menschen hier, wann ist der Zeitpunkt erreicht, an dem eine Naturlandschaft zur Industrielandschaft wird? Doch sind Windkraftnutzung und Naturschutz tatsächlich unvereinbar?

Eine Methode für den naturschutzgerechten Ausbau von Windkraftanlagen stammt von Prof. Markus Reinke von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Bayern. Wichtigste Voraussetzung: die großflächige, Regionen umfassende Analyse. So lassen sich Standorte herausfiltern, an denen der Wind kräftig bläst, und Konflikte mit Natur- und Landschaftsschutz unwahrscheinlich sind. Ein Ansatz, der am Hunsrück womöglich manche Windkraftanlage verhindert hätte. Ob er helfen könnte, Konflikte beim Ausbau der Anlagen im Naturpark Soonwald-Nahe zu vermeiden, ist eine andere Frage. Rund 1.300 Windräder stehen in Rheinland-Pfalz - bis zum Jahr 2030 sollen es mindestens doppelt so viele sein.