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SENDETERMIN Do, 18.6.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Milch Wieviel Milch ist gesund?

Obwohl Milch als wertvolles Lebensmittel gilt, wird ihr Nutzen für den Menschen immer wieder in Frage gestellt. Wir klären die fünf gängigsten Irrtümer.

Milch schützt vor Osteoporose?

Kalzium ist ein wichtiger Mineralstoff, den wir mit unseren Lebensmitteln aufnehmen. Er sorgt vor allem für die Festigkeit der Knochen. Deshalb ist Kalzium für Kinder und Jugendliche unverzichtbar, wenn in der Wachstumsphase die Knochen aufgebaut werden. Rund tausend Milligramm Kalzium sollen Erwachsene täglich aufnehmen, bei Jugendlichen von 13-19 Jahren dürfen es bis 1.200 mg sein (Empfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE)).

In vielen Lebensmitteln ist Kalzium reichlich vorhanden, zum Beispiel in Gemüse und Fisch. Top-Kalzium-Lieferant ist allerdings die Milch und alles, was daraus gemacht wird. Ein Liter Milch enthält 1.200 Milligramm Kalzium. Viele glauben deswegen, dass Milch auch vor Osteoporose schützt. Das ist jene Krankheit, bei der Kalzium aus den Knochen herausgelöst wird und dann die Knochen immer anfälliger werden für Brüche und Frakturen.

Dieser Knochenbau lässt sich allerdings nicht vermeiden, indem man vermehrt Milch trinkt. Denn die Ursachen der Osteoporose liegen woanders. Entweder wurde in jungen Jahren nicht genug Knochenmasse ausgebildet oder der Knochen-Abbau verläuft mit zunehmendem Alter schneller ab. Letzteres ist der Fall, wenn das Gleichgewicht der knochenaufbauenden und knochenabbauenden Zellen gestört ist, zum Beispiel durch einen veränderten Hormonhaushalt oder durch mangelnde Bewegung. Dann hilft auch Milchtrinken nicht. Im Gegenteil. Knochenbrüche können durch hohen Milchkonsum sogar zunehmen. Das zeigen neueste Untersuchungen aus Schweden.

Fazit: Kalzium ist zwar wichtig für die Knochen. Aber Milchtrinken schützt nicht vor Osteoporose!

Ein Mann trinkt ein Glas Milch

Milch macht Akne?

Pickel sind eine lästige Erscheinung in der Phase des Wachstums. Manche leiden sogar Jahrzehnte daran. Viele geben der Milch die Schuld. Das trifft bei manchen auch zu. Vor allem bei Personen, die - erblich bedingt - besonders viel eines bestimmten Wachstumsfaktors produzieren. Wenn sie Milch trinken, wird diese Produktion noch mehr angekurbelt. Denn Milch enthält wachstumsfördernde Botenstoffe, die ursprünglich für das Kälbchen bestimmt sind. Trinken diese Personen Milch, kommt es zur Überlagerung dieser beiden Wachstumsprozesse mit der Folge, dass die Fettproduktion der Talgdrüsen überschießt und die Pickel sprießen! Dann hilft nur eins: auf Milchkonsum verzichten!

Denn es stimmt - Milch kann Akne fördern.

Milch fördert Krebs?

In vielen Studien wurde der Zusammenhang von Milch und Krebs untersucht. Auch die Ernährungs-Epidemiologin Katharina Nimptsch vom Max-Dellbrück-Institut in Berlin-Buch hat in einer europaweiten Studie mitgearbeitet. Insgesamt wurden die Blutproben vieler tausend Probanden analysiert. Die Wissenschaftler untersuchten auf Stoffe und Biomarker, die bei der Krebsentstehung eine Rolle spielen. Vergleicht man Vielmilchtrinker, die täglich mehr als einen halben Liter Milch und rund 50 Gramm Käse zu sich nehmen mit Wenigmilchtrinkern, die weniger als ein kleines Glas Milch und etwas Käse essen, dann haben die Vielmilchtrinker ein um 22 Prozent höheres Risiko an Krebs zu erkranken.

Dr. Katharina Nimptsch erklärt das erhöhte Risiko damit, dass die Zellteilungsrate in der Prostata erhöht ist, einmal auf Grund des Zusammenhangs mit dem Vitamin-D-Stoffwechsel und zum anderen ist bei Vielmilchtrinkern das Wachstumshormon IGF1 im Blut erhöht, was ebenfalls zu einer erhöhten Zellteilungsrate der Prostata führt. Trotzdem ist das Risiko insgesamt gesehen gering. Für Männer besteht zwar kein Null-Risiko, aber auch kein Grund vor Milch zu warnen. Zumal Milch diesen negativen Einfluss auf andere Krebsarten nicht zeigt. Denn jedes Krebsgewebe reagiert auf andere Stoffe. Bei manchen Krebsarten kann Milch das Risiko sogar senken.

Fakt ist auch: durch die längere Haltbarkeit und seit es überall Kühlschränke gibt, ist das Angebot von Milch und Milchprodukten enorm gestiegen. Heute wird über einen viel längeren Zeitraum im Leben regelmäßig Milch getrunken.

Milch fördert Krebs? - stimmt bei Prostatakrebs, aber nicht pauschal!

Milch verschleimt?

Milch verschleimt die Atemwege, heißt es. Deshalb soll man bei Erkältungskrankheiten und Asthma lieber darauf verzichten. Tatsächlich hat Milch eine sahnige Konsistenz. Wenn sich die Milch zudem mit Speichel vermischt entsteht eine dickflüssige Emulsion, die sich wie Schleim anfühlt. Dabei handelt es sich aber um eine geschmackliche Empfindung. Zudem haben Wissenschaftler gezeigt, dass der Körper auf Milch keinesfalls mit einer Mehrproduktion von Schleim reagiert.

Milch hat zwar eine besondere Konsistenz. Dass sie verschleimt bleibt ein Mythos.

Milch erhöht Risiko für Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen?

Milch und fettreicher Käse waren lange verpönt und wurden im Sinne einer sogenannten "gesunden Herzdiät" vom Speiseplan gestrichen. Weil die gesättigten tierischen Fette der Milch, das schlechte Cholesterin erhöhen. Doch das war zu kurz gedacht. Denn Milch und Milchprodukte enthalten auch viele andere Inhaltsstoffe wie Vitamine und Nährstoffe, die Stoffwechselprozesse günstig beeinflussen. So wird zum Beispiel das gute Cholesterin, das HDL durch Milch beeinflusst und somit der Effekt des schlechten Cholesterins wieder ausgeglichen.

Auch für die Entstehung von Diabetes galt Milch als Risiko. Dabei ist das Gegenteil der Fall, wie man heute weiß. Wenn man viel Milch und Milchprodukte zu sich nimmt, wird der Glukose-Stoffwechsel verbessert, erklärt Dr. Katharina Nimptsch, weil der Zucker dann schneller und besser in die Zellen aufgenommen wird, so dass Diabetes nicht so leicht entstehen kann.

Milch stellt also keine Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes dar!

Fazit - auch in Sachen Milch gilt: Allzuviel ist ungesund. Es kommt auf die Menge an - dann überwiegen die Vorteile der Milch.