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SENDETERMIN Do, 12.11.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Depression Wie wirkt Psychotherapie bei Depressionen?

Kann eine Psychotherapie Depressiven überhaupt helfen? Können Gespräche Hirnstrukturen verändern? Eine Studie an neun Unikliniken will das herausfinden.

Psychotherapie gegen chronische Depressionen

Es sieht aus, wie ein ganz normales Gespräch, und doch passiert in einer Therapiestunde mehr. Doch wie helfen Gespräche, eine Depression zu überwinden? An neun deutschen Unikliniken läuft derzeit eine große Studie, die diese Frage untersucht. Behandelt werden Patienten, die an einer chronischen Depression leiden. Getestet wird hier eine spezielle Form der Psychotherapie, kurz CBASP genannt. Das Verfahren wurde speziell für chronisch depressive Patienten entwickelt. „Mit Sigmund Freud hat das soviel zu tun, wie ein Airbus mit den Fluggeräten der Brüder Wright“, sagt Knut Schnell, Oberarzt an der Uniklinik Heidelberg. "Noch immer gibt es diese Grabkämpfe: Psychotherapie oder Pillen. Doch beides wirkt auf dasselbe Gehirn. Deshalb ist beides sinnvoll. Das wollen wir mit unserer Studie zeigen."

"Die Psychotherapie soll das depressive Denken verändern"

Einmal pro Woche trifft die Patientin ihren Therapeuten in der Uniklinik Heidelberg. In der Therapiestunde wird nicht die Vergangenheit durchforscht. Im Mittelpunkt stehen Situationen, die Stefanie heute Probleme bereiten. Zusammen erarbeiten Patientin und Therapeut konkrete Lösungen: In welchen Situationen fühlt sich Stefanie schlecht und depressiv? Was könnte sie daran ändern? Es geht darum, umzudenken und umzulernen - ein schwieriger Prozess. "Die Psychotherapie soll das depressive Denken verändern", erklärt Knut Schnell. Viele depressive Patienten machten sich automatisch klein, so Schnell, "in der Therapie lernen sie, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu achten."

Was geschieht im Gehirn?

Drei Monate dauert eine solche Psychotherapie. Einmal pro Woche kam Stefanie für eine Stunde in die Uniklinik. Heute fühlt sie sich besser, hat mehr Energie als zu Anfang. Aber lässt sich der Effekt auch im Hirn nachweisen? Hat die Psychotherapie sichtbare Spuren hinterlassen? Das soll die Untersuchung im Kernspintomografen klären. Alle Patienten, die an der Studie teilnehmen, müssen deshalb vor Beginn und nach Abschluss der Therapie im Hirnscanner bestimmte Aufgaben lösen. Denn allein durch den Blick ins Hirn kann man noch nicht erkennen, ob jemand depressiv ist. Das Hirn muss arbeiten. Stefanie betrachtet Bilder und kurze Filme – und beantwortet anschließend Fragen: Ist die Person auf dem Foto traurig oder wütend? Wie wird die Handlung im Film wohl weitergehen? Untersucht wird die Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen. "Diese Fähigkeit ist bei der Depression beeinträchtigt, bei der chronischen Depression insbesondere. Und wir versuchen herauszufinden, ob sich diese Fähigkeit unter Psychotherapie verbessert", sagt Knut Schnell.

Psychotherapie wirkt

Die Bildergeschichten sind nur eine von vielen Aufgaben. Bei allen geht es darum, soziale Fähigkeiten zu untersuchen - Mitgefühl zum Beispiel. Konnte die Psychotherapie diese Fähigkeiten verbessern? Hat sie Spuren im Gehirn hinterlassen? Noch ist die Studie nicht komplett ausgewertet, aber erste Ergebnisse zeigen, dass Psychotherapie tatsächlich die Funktion einer Hirnstruktur ändern kann. Psychotherapie wirkt gegen Depressionen, und das lässt sich sogar messen. Der alte Streit, ob und wie eine Psychotherapie wirkt, ist damit beantwortet. Was genau für die Veränderungen verantwortlich ist - das gute Verhältnis zwischen Patient und Therapeut oder eine bestimmte Methode der Psychotherapie - verrät die Studie allerdings nicht.

aus der Sendung vom

Do, 12.11.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.