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SENDETERMIN Do, 10.9.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Wie werden Städte lebenswerter und sozialer?

Quartier Zukunft, Labor Stadt ist ein Projekt, das versucht, die Stadt Karlsruhe mit Ideen und Bürger-Projekten fit für die Zukunft zu machen. Axel Wagner hat mit den Forschern eine Stadtrundfahrt in Sachen urbaner Perspektiven gewagt.

Ob die Energieversorung, der Verkehr - oder natürlich auch das miteinander Wohnen: Auf unsere Städte kommt in Zukunft einiges zu. Dr. Oliver Parodi vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS) leitet ein Projekt, das die Stadt Karlsruhe als eine Art Zukunftslabor erforscht.
Was wird sich seiner Meinung nach denn ändern in der Zukunft? "Also vom Stadtbild her wird sich nicht wahnsinnig viel tun in den nächsten 50 vielleicht 100 Jahren", so die Einschätzung von Dr. Parodi, "was sich jedoch ändern sollte - und ändern wird - ist sicher das Zusammenleben in der Stadt". Damit unsere Städte nicht bald schon kollabieren müssen wir sie von innen heraus verändern ist die Überzeugung von Dr. Parodi.

Teilen statt Besitzen

Die Karlsruher Forscher organisieren Bürger-Projekte, von der Energieversorgung über den Wohnraum bis hin zum notwendigen Umbau unserer Mobilität. Beispiel Verkehr: Obwohl Karlsruhe viele Umgehungsstraßen hat und als begrünte Stadt gilt, hat die Innenstadt ein Autoproblem. Dr. Parodi will im Zukunftsraum Karlsruhe all den abgestellten Karossen keinen Platz mehr geben. Die Lösung sieht der Wissenschaftler im Ausbau einer Stadtmobilität, die es eigentlich längst gibt: Carsharing. "Stadtmobil ist übrigens auch eine Bürgerinitiative", erklärt Dr. Parodi, "Vor 20 Jahren von zwei Personen gegründet. Inzwischen sind es 800 Fahrzeuge, die hier in Karlsruhe geteilt werden".
Carsharing statt Besitz, ein Gemeinschaftsauto zu mieten - hat das denn wirklich Potential zu einer flächendeckenden Stadtentlastung? "Momentan ist das Auto noch viel mehr als ein reines Fortbewegungsmittel - es ist symbolisch aufgeladen, Statussymbol", so Dr. Parodi, "Allerdings tut sich da auch was in Zukunft, da die jüngere Generation schon sehr viel weniger auf dieses Statussymbol Auto setzt".

Bürgerwerkstätten

Ein anderes Zukunftsthema: Die Bürgerwerkstatt. Hier können die Bewohner der Stadt ihre Fahrräder selbst reparieren oder reparieren lassen. Selbst organisiert, ohne dass der gewerbliche Handel mitmischt. Das verbindet die Menschen, sie kommen ins Gespräch und das Reparaturcafé schon die Portemonnaies.
"Das wird mehr und mehr kommen", sagt Dr. Parodi. Bürger werden mehr und mehr Dinge reparieren und sich dabei gegenseitig helfen. Hier in Karlsruhe gibt es dabei auch eine Besonderheit: Die Fahrräder werden hier zusammen mit Flüchtlingen repariert. Sie finden so erste Kontakte und sind in der Lage, mit diesen Fahrrädern das Karlsruher Stadtgebiet kennen zu lernen.

Wind- und Solarenergie

Ein weiteres Thema: die Energieversorgung der Stadt. Umweltschonend und klimaneutral muss sie in Zukunft sein - eine große Aufgabe für die wachsenden Städte und eine Belastung für das Umland, das einbezogen werden muss, da für die Versorgung mit Wind- und Solarenergie gigantische Freiflächen rund um die Städte gebraucht werden. "Das gilt es dann gerecht zu organisieren", ist die Überzeugung von Dr. Parodi, "damit der Nutzen und die Last gerecht verteilt sind."
Ob die Energieversorgung der Stadt, ihre Verkehrslenkung oder der Wohnraum, der immer knapper und teurer wird: All diesen Themen müssen sich die Städte - und damit wir - in Zukunft stellen, wenn der Lebensraum Stadt eine Zukunft haben soll.