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SENDETERMIN Do, 7.11.2019 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Blackout im Krankenhaus Wie krisenfest sind die Kliniken?

Mindestens 24 Stunden muss sich ein Krankenhaus in Deutschland eigenständig mit Notstrom versorgen können. Aber was bedeutet das in der Klinik-Realität?

Für die ersten Stunden eines Blackouts sind die Kliniken abgesichert - zumindest, wenn es nach den gesetzlichen Vorgaben geht. Doch Notstrom bedeutet Versorgung auf Sparflamme. Und je länger die Notstromversorgung läuft, desto mehr spitzt sich die Lage zu. Ein großflächiger Blackout wird für die Krankenhäuser zu einem dramatischen Spiel auf Zeit. 

Ein Bericht des Büros für Technikfolgenabschätzung beim Deutschen Bundestag (TAB) aus dem Jahr 2010 hat die Gefährdung für unsere moderne Gesellschaft durch einen großräumigen Blackout untersucht und auch die Auswirkungen auf die Krankenhäuser beleuchtet. Dabei zeigte sich:

Kommt es wirklich zu einem landes- oder gar europaweiten Stromausfall, stoßen viele Krankenhäuser nach kurzer Zeit an ihre Leistungsgrenzen. 

Ausnahmezustand ab der ersten Sekunde

Für die Kliniken bedeutet ein Blackout vor allem eines: Stress. Und das von der ersten Sekunde an. Denn zuerst einmal muss die eigene Notstromversorgung funktionieren. In den meisten Fällen handelt es sich um Dieselaggregate, die bei Stromausfall automatisch anspringen sollen. Klappt der Übergang reibungslos, läuft der Betrieb eingeschränkt weiter.

Wie stark die Einschränkungen ausfallen, hängt von der erwarteten Länge und vom Umfang des Blackouts ab. Priorität haben zunächst laufende Operationen und Not-OPs, lebenserhaltende Systeme der Intensiv- und Notfallmedizin, Heizungs- und Wasserpumpen sowie weitere relevante Prozesse wie zum Beispiel die Geräte-Sterilisation.

Ein Krankenbett wird durch einen Krankenhausflur rennend geschoben. Ärzte eilen herbei.

Der ohnehin oft hektische Klinikalltag wird im Ausnahmefall massiv verstärkt

Kein Klinikbetrieb ohne Wasserversorgung

Problematisch für Krankenhäuser ist, dass bei einem Stromausfall unweigerlich mehr Notfall-Patienten Hilfe suchen, denn die Zahl von Unfallopfern und anderen Bedürftigen steigt massiv an. Für die Kliniken ist dieser Ansturm laut TAB-Studie medizinisch zunächst zu bewältigen – er stellt aber eine organisatorische Herausforderung dar.

Eine Schlüsselposition kommt der Wasserversorgung zu, denn der Wasserverbrauch in Kliniken ist hoch, und der Vorrat vor allem an Brauchwasser ist in der Regel gering. Deshalb sind Krankenhäuser stark von der öffentlichen Wasserversorgung abhängig. Kommt von dort kein Wasser mehr, muss eine Klinik irgendwann geschlossen werden – unabhängig davon, ob ihre Notstromversorgung gewährleistet ist. 

Ab acht Stunden Stromausfall wird’s kritisch

Geht der Blackout länger als acht Stunden und ist kein Ende absehbar, schränken die Kliniken ihren Stromverbrauch weiter ein. Möglichst viele Patienten werden nun entlassen, die restlichen werden räumlich möglichst dicht konzentriert. Gleichzeitig wird der Zustrom an Patienten aber nicht nachlassen, da Arztpraxen und Apotheken weitgehend schließen müssen. Außerdem verfügen Altenheime und Dialysezentren nur selten über eine Notstromversorgung. Alle Patienten, die eigentlich dort versorgt werden, sind nun ebenfalls auf ein Krankenhaus angewiesen.

Die Kliniken sind irgendwann auf sich selbst gestellt, denn bei einem flächendeckenden Blackout kommen keine Lieferungen mehr von außerhalb, wie etwa spezielle Medikamente, frisches Verbandsmaterial oder Nahrungsmittel.

In einem Zimmer auf der Intensivstation bedient ein Mediziner eine Maschine zur Versorgung eines Patienten

Intensivpatienten sind auf viele Maschinen angewiesen und haben bei einem Blackout Vorrang

Drohender Totalausfall der medizinischen Versorgung

Hält ein großflächiger Blackout mehr als 24 Stunden an, kann sich die Situation in vielen Krankenhäusern dramatisch zuspitzen:

  • Die Zahl der Hilfesuchenden steigt weiter, parallel dazu verschlechtern sich die Bedingungen. Die medizinische Versorgung ordnet sich mehr und mehr dem Katastrophenszenario unter, auf individuelle Bedürfnisse können Ärzte und Pfleger dann immer weniger eingehen.
  • Gleichzeitig werden die Dieselvorräte in den Tanks vieler Kliniken knapp. Alles, was nicht dringend erforderlich ist, wird vom Netz genommen. Jetzt kommt es darauf an, dass eine Einrichtung so lange wie möglich mit ihrer Notstromversorgung auskommt. Zwar haben viele Kliniken Sondervereinbarungen mit regionalen Treibstofflieferanten getroffen. Im Falle eines großen Blackouts sind solche Nachlieferungen allerdings fraglich. 
  • Ohne eine Treibstoffversorgung über Katastrophenschutzpläne droht vielen Kliniken nach spätestens 48 Stunden ein kompletter Stromausfall und damit die Schließung. Was dieses Szenario bedeutet, möchte sich niemand ausmalen.