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SENDETERMIN Do, 28.8.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag SWR odysso Wie gut ist Mehrweg-Leergut?

Was ist eigentlich ökologischer, die Mehrwegflasche oder die Einwegflasche? Wissenschaftsjournalist Axel Wagner macht sich auf die Suche nach Antworten.

Auch wenn wir sie als neu kaufen, viele Flaschen im Getränkehandel sind gebraucht, denn es sind Mehrwegflaschen, im Gegensatz dazu gibt es die Einwegflasche, die wird häufig recycelt. Doch was ist jetzt eigentlich ökologischer, womit leiste ich einen größeren Beitrag zur Umwelt? Mit der Mehrwegflasche oder mit der Einwegflasche? Das möchte frag SWR odysso wissen, und Wissenschaftsjournalist Axel Wagner begibt sich auf die Suche nach Antworten.

Jan Paul Lindner soll helfen. Er ist Umweltingenieur am Fraunhofer-Institut Stuttgart. Sein Forschungsthema: die Öko-Bilanz von Verbrauchsgütern wie zum Beispiel Getränke-Flaschen. Er hat festgestellt, dass mehr und mehr Einwegflaschen verkauft und in den Umlauf gebraucht werden - und das ist aus seiner Sicht ökologisch etwas problematisch, da tendenziell die Mehrwegflasche ökologisch vorteilhafter ist.

Heißt das nun man soll grundsätzlich die Mehrwegflasche kaufen weil das besser für die Umwelt ist? "Das würde ich in vielen Fällen sagen, aber nicht in allen - das muss man differenziert betrachten", sagt Jan Paul Lindner, "das hängt von verschiedenen Parametern ab". Die wichtigsten sind: wie schwer ist die Flasche im Vergleich zum Inhalt? Wie weit wird die Flasche gefahren? Und dazu kommt auch, dass die Mehrwegflasche ihren Vorteil nur dann ausspielen kann, wenn sie auch wirklich mehrfach in den Umlauf gebracht werden kann. Das funktioniert jedoch nur, wen sie in einem Zustand beim Befüller ankommt, in dem sie auch wieder befüllt und in den Umlauf gebracht werden kann.

Die Waschanlage für Mehrwegflaschen

Axel Wagner in der Mehrwegflaschensäuberungsfabrik Gerolstein

Um das genauer in Erfahrung zu bringen, besucht Wissenschaftsjournalist Axel Wagner Deutschlands größte Waschanlage für Mehrwegflaschen in Gerolstein in der Eifel. 3 Millionen Flaschen verlassen diese Anlage jeden Tag. Pascal Fuhr ist Produktionsleiter und Herr über die Anlage. Was ist seiner Meinung nach ökologischer, Einweg- oder Mehrweg? "Das hängt nach unserer Ansicht von der Anzahl der Durchläufe ab, die wir mit so einer Flasche haben", sagt er. Auf die Flasche wird bei jedem Durchlauf ein kleines Dreieck aufgebracht. Wenn sich 15 Dreiecke auf der Flasche befinden, wird sie automatisch vom System ausgeschleust und dem Recycling zugeführt. "Die Flasche sollte mindestens zehn Umläufe generieren, idealerweise natürlich 15 Umläufe", sagt Pascal Fuhr, "geht es drunter, also man kann sagen so zwischen fünf und sieben Umläufen, wird es ökologisch gesehen kritisch".

Also je mehr Umläufe, umso ökologischer ist das Mehrweg-System, da keine neuen Flaschen hergestellt werden müssen. Glasflaschen benötigen noch mehr Umläufe als Plastikflaschen, um ökologisch zu sein, denn ihre Herstellung ist noch energieaufwändiger als bei Plastikflaschen. Die Glasflasche ist aber auch qualitativ hochwertiger und erträgt mehr Umläufe. Aber: das Material ist auch empfindlich. Gewindebeschädigungen und Transportschäden sind ein häufiges Problem. Pascal Fuhr rät: "Bitte den Verschluss drauf drehen, wir schrauben den gerne wieder ab - er dient als Transportsicherung, damit der Mündung und dem Gewinde nichts passiert".

Die Mehrwegflasche aus Glas hat jedoch noch einen weiteren Schwachpunkt: ihr höheres Gewicht. Je schwerer die Flasche, umso mehr Kraftstoff verbraucht sie auf den Transportwegen. Und diese Wege sind bei Mehrwegflaschen doppelt so lang wie bei Einwegflaschen, da diese ja zurück in die Waschanlage kommen. Besonders bei langen Transportwegen und Flaschen, die in Relation zum Inhalt sehr schwer sind, kann die Mehrweg-Ökobilanz daher bei Glas kritisch werden. "Da schmilzt der ökologische Vorteil von den Glas-Mehrwegflaschen dann irgendwo oberhalb von 400 Kilometern deutlich zusammen", sagt Jan Paul Lindner vom Fraunhofer-Institut, "und dann kann es sein, dass noch weiter drüber die PET-Einwegflasche durchaus im Vorteil ist."

Der richtige Umgang mit Mehrwegflaschen

Aber auch der Verbraucher sollte pfleglich mit dem Mehrweg-Leergut umgehen. Circa ein Prozent der Flaschen muss als kontaminiert aussortiert werden, weil eine künstliche Nase - ein sogenannter "Sniffer" - einen Fremdgeruch aufgespürt hat. "Der Klassiker", sagt Pascal Fuhr, Produktionsleiter der Flaschenwaschanlage, "die Apfelschorle". Das heißt der Kunde kauft sich eine Flasche Mineralwasser und macht noch einen Schluck Apfelsaft dazu, mischt sich selber seine Apfelsaft-Schorle. Dies führt jedoch leider dazu, dass diese Flasche aussortiert werden muss und dem Recycling zugeführt wird. PET-Flaschen nehmen den Geschmack und Geruch ihres Inhaltes auf. Deshalb Pascal Fuhrs klare Botschaft: "In eine Mineralwasserflasche bitte nur Mineralwasser abfüllen".

Doch trotz dieses Nachteils bleibt die PET-Mehrwegflasche laut Experten unter dem Strich der ökologischste Weg unserer Getränkeversorgung - und wir als Verbraucher entscheiden mit, wann eine Flasche auf dem Müll landet.

aus der Sendung vom

Do, 28.8.2014 | 22:00 Uhr

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