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SENDETERMIN Do, 20.9.2018 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Smoothies Wie gesund sind pürierte Obst- und Gemüsesäfte?

Smoothies gelten als wahre Gesundheitsbomben, vor allem wegen ihrer antioxidativen Wirkung. Doch braucht unser Körper die Extradosis überhaupt? Odysso macht dazu ein Experiment.

Smoothies sind hochkonzentrierte Obst- und Gemüsedrinks und gerade voll im Trend. Im Supermarkt findet man eine große Auswahl in allen möglichen Geschmacksrichtungen. Auf dem Etikett stehen wohlklingende Versprechen sie würden uns jung und gesund halten oder vor Müdigkeit bewahren. Geworben wird auch mit der Kraft der „Antioxidantien“.

Manche Smoothies enthalten eine extra Dosis an Antioxidantien, wie zum Beispiel Vitamine E, A und C sowie Selen und Zink. Antioxidantien sind Moleküle, die „oxydativen Stress“ verhindern. Das ist eine chemische Reaktion, die ständig auftritt, mal verstärkt mal weniger ausgeprägt. Sichtbar wird sie zum Beispiel dann, wenn ein Apfel braun wird oder Eisen rostet. Der Mensch gerät beispielsweise durch Alltagsstress oder UV-Strahlung in „oxydativen Stress“. Allerdings kann der Körper auch selbst Antioxidantien herstellen. Benötigen wir dann überhaupt eine extra Dosis an Antioxidantien aus den Smoothies?

Das Smoothie-Experiment

Das will der Molekularmediziner Professor Wilhelm Bloch in einem Experiment herausfinden. Das Experiment läuft mit einer Gruppe von Probanden in mehreren Schritten ab.

1. Schritt

Zuerst wird die Anzahl der Antioxidantien im Blut vor dem Experiment gemessen. Danach trinken die Probanden einen Smoothie mit zugesetzten Antioxidantien, also beispielsweise Vitamin E. Damit die Inhaltstoffe des Smoothies Zeit haben ihre Wirkung zu entfalten, müssen die Probanden eine Stunde warten. Dann wird die Konzentration an Antioxidantien im Blut erneut gemessen und Professor Bloch schaut, ob sie angestiegen ist.

2. Schritt

Im zweiten Schritt werden die Probanden in „oxydativen Stress“ versetzt. Sie müssen 45 Minuten joggen. Der Sport dient als Ersatz für Alltagsstress oder UV-Strahlung. So will Professor Bloch herausfinden, ob zusätzliche Antioxidantien aus Smoothies in Stresssituationen etwas bewirken.

Wie schützen uns Antioxidantien?

Antioxidantien sollen die „freien Radikale“ abwehren. Freie Radikale sind Moleküle, die in unseren Zellen entstehen, und deren Konzentration etwa durch UV-Strahlung oder Alltagsstress stark ansteigt. Weil diesen Molekülen ein Elektron fehlt, sind sie instabil. Deshalb attackieren sie willkürlich andere Moleküle und klauen ein Elektron.
Das beklaute Molekül wird dadurch ebenfalls zu einem freien Radikal – eine Kettenreaktion. Die Folge: Zellen werden geschädigt, was auf lange Sicht zu einer Vielzahl von Krankheiten wie Krebs führen kann.

Nun kommen die Antioxidantien ins Spiel. Sie schützen die Zellen indem sie den aggressiven Molekülen freiwillig geben, wonach sie jagen: sie bieten ihnen Elektronen an, ohne sich selbst in ein freies Radikal zu verwandeln. So machen sie das freie Radikal unschädlich, und das Zellgewebe wird geschützt.

Das Ergebnis: Das Gleichgewicht wird gestört

Das Ergebnis des Experiments ist überraschend. Was ist passiert nachdem die Probanden den Smoothie getrunken haben?

Das Ergebnis nach dem ersten Schritt:

Die Messungen zeigen, dass die Anzahl der Antioxidantien im Blut bei einigen Versuchsteilnehmern sogar leicht gesunken ist.

Bei den anderen hat sie sich durch den Smoothie gar nichts verändert. „Ich gebe dem System von außen antioxidative Substanzen zu und der Körper macht es sich bequem, und er schaltet das eigene antioxidative System auf ein niedrigeres Level“, so Bloch.

Die extra Dosis bringt den Körper also dazu, seine Antioxidantien-Produktion zu drosseln. Statt die Zellen zu stärken, hat der Smoothie das chemische Gleichgewicht durcheinandergebracht.

Danach mussten die Probanden Sport treiben. Genau in dieser Situation braucht der Körper viele Antioxidantien, um die freien Radikale abzuwehren.

Das Ergebnis nach dem zweiten Schritt:

Hier zeigt der Bluttest deutlich, dass die Anzahl der Antioxidantien angestiegen ist. Der Körper hat sie also nach Bedarf selbst produziert, um so freie Radikale zu bekämpfen. „Ich glaube es ist eine ganz wichtige Erkenntnis dabei das wir eigentlich durch den Stressstimulus viel besser in der Lage sind, aktiv die antioxidative Kapazität zu erhöhen, als wir das im Endeffekt durch Smoothies oder eine Einnahme von Antioxidantien erreichen können“, schlussfolgert Professor Wilhelm Bloch.

Studien mit hochdosierten Antioxidantien in Form von Vitaminpräparaten kamen zu dem Ergebnis, dass die Zellen durch die extra Dosis an Antioxidantien ebenfalls nicht geschützt sondern sogar geschädigt wurden. Zwar führen freie Radikale zu einem hohen oxydativen Stress, es benötigt aber ebenfalls freie Radikale, um den Zellmüll zu entfernen.

Das Fazit: Bei einer ausgewogenen Ernährung kann es dem Körper selbst gelingen ohne Smoothies oder Vitaminpräparate das Gleichgewicht zwischen Antioxidantien und freien Radikalen auf einem gesunden Level zu halten.

aus der Sendung vom

Do, 20.9.2018 | 21:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.