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SENDETERMIN Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

frag odysso Wie berechnen Meteorologen ihre Wetterprognosen?

Blauer Himmel und leichter Wind - es ist schönes Wetter. Aber wurde es auch so vorhergesagt? Die Wetterprognose des Deutschen Wetterdienstes in Offenbach von vor drei Tagen stimmt. Doch wie kommen Meteorologen zu solch exakten Vorhersagen?

frag odysso-Reporter Axel Wagner trifft den Diplom-Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach an einer Messstation. "Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und im Winter die Schneehöhe - das sind die Parameter, die wir für die Wettervorhersage benötigen", erklärt Andreas Friedrich, "und diese Daten benötigen wir von vielen Stationen, um eine möglichst genaue Prognose für das Wetter errechnen zu können." Auch aus dem Weltall werden Informationen gesammelt, ein Modell eines Meteosat-Satelliten ist ebenfalls im Wetterpark Offenbach zu sehen. Die gesammelten Millionen von Daten laufen an einem Ort zusammen: dem Rechenzentrum des Deutschen Wetterdienstes.

Der Deutsche Wetterdienst hat eine spezielle Software entwickelt

Andreas Friedrich führt den SWR-Reporter in das Rechenzentrum, in dem einer der größten Computer Europas steht. "Wir benötigen schnelle Rechner", erläutert er, "da wir in zwei Stunden aus den gesammelten Beobachtungsdaten von Schiffen, Satelliten und Wetterstationen eine Prognose für eine Woche fertig haben müssen." Mit einer speziellen Software, die von den Informatikern des Deutschen Wetterdienstes selbst entwickelt wurde, wird mit komplizierten Berechnungen die mögliche Entwicklung des Wetters in den kommenden Tagen simuliert. Über die Erdoberfläche wird ein Gitternetz gespannt, und für jeden Schnittpunkt werden mit Gleichungen die Wetterelemente Windgeschwindigkeit, Druck, Temperatur und alles, was mit der Wolkenbildung zu tun hat, errechnet. Dr. Ulrich Blahak vom DWD zeigt SWR-Reporter Axel Wagner die kompliziert aussehenden Gleichungen und erklärt, dass durch die gestiegenen Rechner-Kapazitäten mittlerweile nicht nur eine Prognose errechnet wird, sondern 40.

Ohne Meteorologen geht es nicht

Mit 40 verschiedenen Wetterprognosen werden mögliche Abweichungen einer Wettersituation abgefangen. Dr. Blahak zeigt dies anhand der Entwicklung einer Gewitterzelle: "Der Kollege von der Vorhersage muss sich dann für eine entscheiden." Heißt das, trotz Supercomputern geht es doch nicht ohne Menschen? "Wir brauchen den Meteorologen", ist Andreas Friedrich überzeugt, "er kann hier immer noch die letzten Entscheidungen treffen – und sollte dies auch tun, gerade wenn es um Warnungen geht." Hier werden Wetterkarten sogar von Hand gezeichnet, viermal am Tag, für ein Gebiet von Nordamerika bis zum Ural. Hier bringt das Know-how des Meteorologen mit seinem Verständnis und seiner häufig langen Erfahrung genauere und bessere Ergebnisse als das mathematische Modell des Computers.

Wettervorhersagen nur für wenige Tage genau möglich

Eine Prognose entsteht durch das Zusammenspiel von Mensch und Computerberechnungen – doch für welchen Zeitraum können diese erstellt werden? "Wir können Prognosen für mehrere Tage in die Zukunft gut hinbekommen", erläutert DWD-Mitarbeiter Friedrich, "aber wir stoßen irgendwann an Grenzen." Bei zirka sieben Tagen werden die möglichen Abweichungen so groß, dass eine Vorhersage keinen Sinn mehr macht. "Hier liegen wir an der Grenze des Vorhersagbaren", sagt er, "da lässt sich das chaotische Prinzip Atmosphäre dann doch nicht zu hundert Prozent in die Karten schauen."

Das Wetter - resümiert SWR-Reporter Axel Wagner - zeigt eben auch im Deutschen Wetterdienst eine seiner typischsten Charaktereigenschaften: Es ist häufig unberechenbar.