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SENDETERMIN Do, 12.10.2017 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Fruchtbare Erde Wie bekomme ich einen guten Boden?

Viele Hobbygärtner düngen ihren Rasen. Dabei fehlt es den Grünflächen oft gar nicht an Nährstoffen, sondern eher an Know-how.

Bodenexperte Werner Ollig von der Gartenakademie Rheinland-Pfalz hört einen Satz sehr häufig: „Irgendwas stimmt mit meinem Boden nicht. Er hat bestimmt zu wenig Nährstoffe und braucht Dünger.“ Olligs Antwort ist dann immer die gleiche: „Um wirklich zu wissen, was los ist, sollte man zuerst eine Bodenanalyse machen.“ Denn Pflanzen bräuchten zwar viele Nährstoffe, diese seien aber oft schon ausreichend im Boden enthalten. Und die Probleme, warum manches nicht gut wachse, würden ganz woanders liegen.

Professionelle Bodenanalyse

Eine Bodenanalyse zeigt, in welcher Konzentration die Hauptnährstoffe von Pflanzen vorliegen, also Phosphor, Kalium und Magnesium sowie die Humuskonzentration. Auch der Säuregehalt des Bodens, der pH-Wert, wird bestimmt. Das ist wichtig, weil manche Pflanzenarten ganz bestimmte pH-Werte bevorzugen. Für die Bodenprobe werden an rund zehn Stellen des Problembereichs Proben entnommen. Wer kein Spezialwerkzeug hat, kann einfach den Spaten verwenden. Dazu gräbt man ein etwa 10 Zentimeter tiefes Loch (je nach Nutzung der Fläche etwas tiefer) und entnimmt etwas Erde, die dann am Ende in einem Eimer gesammelt werden. Anschließend 500 Gramm abwiegen und in einen Haushalts-Plastikbeutel füllen. Diesen mit Namen und Nutzungsfläche – zum Beispiel Gemüsebeet oder Rasen – beschriften und an ein entsprechendes Labor schicken. Eine genaue Anleitung und eine Liste diverser Labore, die eine solche Analyse durchführen, gibt es auf der Seite des Landwirtschaftlichen Technologiezentrums Augustenberg.

Zu wenig Humus

Häufig zeigt die Analyse, dass zwar genügend Nährstoffe vorhanden sind, dafür aber die Humusgehalte im Boden zu niedrig sind, sagt Bodenexperte Werner Ollig. Humus besteht zum Großteil aus Pflanzenresten, die von Bodenorganismen in mikroskopisch kleine Teile zerlegt werden. Auch die Reste von Tieren und Mikroorganismen werden letzten Endes in Humus umgewandelt. Humus ist Speicher- und Puffermedium für Wasser, Nähr- und Schadstoffe. Ist der Humusgehalt zu niedrig, kann die Pflanze unter Umständen schlechter versorgt werden. Fehlt Humus, ist auch der Boden weniger geschützt vor Erosion, da die schützende Krümelstruktur nicht so gut ausgebildet ist. Zudem speichert Humus große Mengen an Kohlenstoff. Wird Humus sehr rasch abgebaut, wird das klimarelevante Kohlenstoffdioxid freigesetzt. „Wer also was fürs Klima und den Boden tun will, sollte die Humusschicht unbedingt hoch halten“, sagt Ollig.

Als Humus werden alle in und auf dem Boden abgestorbenen pflanzlichen und tierischen Stoffe sowie deren Umwandlungsprodukte definiert. Nicht dazu zählen lebende Wurzeln sowie die Bodenflora und -fauna.

Humusaufbau

Um eine dickere Humusschicht zu bekommen, braucht der Boden genug organisches Material, das dann von den Bodenorganismen wieder in Nährstoffe umgewandelt werden kann. Viel organisches Material bekommt der Boden durch Kompost. Jedes Jahr sollte der Gartenbesitzer deswegen etwa 3 bis 5 Liter Kompost auf einen Quadratmeter des Bodens aufbringen und einarbeiten, rät der Gartenexperte Ollig. Und das über einen längeren Zeitraum hinweg. So könne die Humusschicht langsam wachsen. Auch eine jährliche Gründüngung helfe, um den Boden zu verbessern. Das sind Pflanzen wie Perserklee, Gelbe Lupine oder auch Phacelia, die sehr schnell wachsen und den Boden bedecken. Mit ihren Wurzeln lockern sie einerseits den Boden und andererseits können diese Pflanzen nach wenigen Wochen bereits abgeschnitten und wieder in den Gartenboden eingearbeitet werden.

Mikrorganismen

Danach kommen die unzähligen im Boden lebenden Kleinlebewesen und Mikroorganismen ins Spiel. Allein in einem Teelöffel Boden kann man bis zu einer Million Bakterien, rund 120.000 Pilze und 25.000 Algen finden – alle mikroskopisch klein. Die kleinen Helfer verwerten und zersetzen die Grünmasse und wandeln sie wieder in wertvollen Humus um. Die dabei frei werdenden Nährstoffe wirken dann im nächsten Jahr als natürlichen Dünger und ersparen dann häufig den Einsatz anderer Düngemittel. Manche Gartenbesitzer schwören auch darauf, noch zusätzliche Mikroorganismen in den Boden einzubringen, sogenannte „Effektive Mikroorganismen“. Von einem japanischen Wissenschaftler zusammengestellt, besteht diese Mischung aus verschiedenen Bakterienstämmen. Diese sollen das Bodenleben wieder in Schwung bringen. Bewiesen ist das aber bis heute nicht ausreichend.

Buch

Othmar Nestroy

Den Boden verstehen

Verlag:
Verlag Stocker, 2015
Genre:
Sachbuch

Buch

Erhard Henning

Geheimnisse der fruchtbaren Böden: Humuswirtschaft

Verlag:
OLV Organischer Landbau Verlag
Genre:
Sachbuch

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