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SENDETERMIN Do, 3.2.2011 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Wie aus Bodenseewasser Trinkwasser wird

Die Reportage mit Lena Ganschow | Gutes Essen, schlechtes Essen

Trinkwasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Es ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken: Egal ob morgens beim Zähneputzen, zum Duschen oder für den Kaffee zwischendurch, wir brauchen es in vielen Bereichen. Doch woher kommt dieses hochwertige Wasser, das einfach aus dem Hahn sprudelt, sobald wir ihn aufdrehen? Unsere Reporterin Lena Ganschow hat die Bodenseewasserversorgung in Sipplingen besucht, um zu sehen, was für ein enormer Aufwand betrieben werden muss, damit aus Bodenseewasser Trinkwasser wird.

Wasserqualität wird regelmäßig geprüft

Raphaela Horn und Lena Ganschow stehen auf einem Schiff, das an einer Hinweisboje vorbeifährt.

Laborantin Raphaela Horn und Lena Ganschow im Wasserschutzgebiet.

Der Bodensee ist nicht irgendein Trinkwasserspeicher, sondern der größte Trinkwasserspeicher Europas. Vier Millionen Menschen werden mit dem Wasser aus dem See versorgt. Regelmäßig überprüfen Mitarbeiter der Bodensee-Wasserversorgung fachmännisch die Qualität des Bodenseewassers. Lena ist dabei, als sie vom Schiff aus, mitten auf dem See, Proben aus bis zu 200 Metern Tiefe ziehen. „Wir entnehmen jetzt hier Proben aus verschiedenen Tiefen“, erklärt Raphaela Horn, „und erstellen daraus ein so genanntes Vertikalprofil. Nur so können wir vernünftige Aussagen über die Wasserqualität des Bodensees treffen.“ Lena will wissen, ob sie das Wasser nicht auch so schon trinken könne. „Aus physikalisch-chemischer Hinsicht ja“, sagt Raphaela Horn, „aber mikrobiologisch muss das Wasser noch aufbereitet werden, damit es Trinkwasserqualität erfüllt.“

Entnahmestelle wird stark überwacht

Mann sitzt vor Pult mit vielen Überwachungs-Monitoren

Das Gebiet um die Trinkwasser-Entnahmestelle wird streng überwacht.

Lena will es genau wissen und sehen, wie das Bodenseewasser auf Schadstoffe überprüft wird. Dazu nimmt sie eine der Proben an sich, um sie im Labor genau untersuchen zu lassen. Auf dem Weg dorthin fährt das Schiff an der „Entnahmestelle“ vorbei, dort, wo in 60 Metern Tiefe das Wasser aus Bodensee zur Aufbereitung abgepumpt wird. Das Gebiet ist mit speziellen Bojen als Wasserschutzgebiet gekennzeichnet und stark überwacht. Hier darf kein Motorboot hineinfahren. Falls es doch jemand tut, löst er einen Alarm aus und wird umgehend von der Wasserschutzpolizei überprüft.

Phosphatgehalt wieder im Griff

Im Labor der Bodenseewasser-Versorgung angekommen, machen sich Wenke Sokala und Lena sofort daran, die Wasserprobe zu analysieren. Während die Geräte arbeiten, will Lena wissen, ob sich die verschärften Umweltauflagen auch auf die Qualität des Bodenseewassers ausgewirkt haben. „Das kann man schon so sagen“, sagt Wenke Sokala. „Der Phosphatgehalt, der ja gerne in diesem Zusammenhang genannt wird, der durch den ganzen Waschmitteleintrag kam, war in den 80er Jahren besonders hoch, und man hat es geschafft, dass er jetzt wieder auf dem Niveau von den 50er Jahren ist." Schließlich kommt das Ergebnis von Lenas Probe aus dem See: Tatsächlich ist sie einwandfrei.

Aufbereitung in drei Schritten

Maria Quignon (re.) und Reporterin Lena Ganschow stehen inmitten eines langen Schachts mit zwei riesigen grünen Rohrleitungen

Maria Quignon von der Bodenseewasser-Versorgung und Lena Ganschow im Seepumpwerk.

Als nächstes verfolgt Lena den Weg des Bodenseewassers von der Entnahmestelle bis zum fertig aufbereiteten Trinkwasser. Dazu besucht sie mit Maria Quignon von der Bodenseewasser-Versorgung zunächst das so genannte Seepumpwerk. Hier wird das Wasser aus dem Bodensee mit Hilfe von sechs gigantischen Rohwasserpumpen hinauf auf den Sipplinger Berg gepumpt – bis zu 9.000 Liter Wasser, also etwa 45 Badewannen, pro Sekunde. „Ist bei dieser Menge nicht irgendwann der ganze Bodensee leer?“, will Lena wissen. „Nein, mit Sicherheit nicht“, erklärt Maria Quignon, „der Bodensee bekommt gewaltig viel Wasser aus den Alpen. Das ist etwa 100mal so viel wie das, was wir hier für die Trinkwasserversorgung benötigen.“ Aber kostet es nicht zu viel Energie, das Wasser zur Aufbereitung erst 312 Meter hoch auf den Sipplinger Berg zu pumpen? „Wir haben ja anschließend einen langen Weg vor uns“, sagt Maria Quignon. „Wir transportieren das Wasser über Stuttgart hinaus bis in den Odenwald, und wenn wir es einmal hochgepumpt haben, können wir es danach über weite Strecken im natürlichen Gefälle fließen lassen.“

Schritt eins: Sieben

In den Aufbereitungsanlagen auf dem Sipplinger Berg rauscht das Rohwasser zunächst als gewaltiger Strudel ins Quellbecken. Von dort durchläuft das Wasser insgesamt drei Reinigungs- und Aufbereitungsstufen. Als erstes wird es gesiebt, „das heißt schon mal von einem guten Teil der Algen, Schwebstoffe und Kleinstlebewesen befreit“, erklärt Maria Quignon. „Das machen wir mit Mikrosieben. Die haben winzige Öffnungen, und die Kleinstlebewesen bleiben im Sieb hängen, das Wasser geht durch."

Schritt zwei: Ozon

Nächste Station: Ozonbehandlung. Hier macht Ozon-Gas die restlichen Mikroorganismen unschädlich. Damit ist das Wasser keimfrei. „Ozon ist doch ein gesundheitsschädliches Gas. Ist das nicht problematisch im Trinkwasser?", will Lena wissen. „In unserem Fall wird das Ozon aufgebraucht in dem Moment, wo es mit den Kleinstlebewesen reagiert“, sagt Maria Quignon. „Überschüssiges Ozon zerfällt wieder zu Sauerstoff, also in der Trinkwasseraufbereitung völlig unproblematisch.“

Schritt drei: Filtern

Lena Ganschow hält zwei Wassergläser in der Hand.

Geschmackstest: Lena probiert das gefilterte Bodenseewasser.

Die riesigen, blau gekachelten Becken, in denen das Wasser im nächsten Schritt gefiltert wird, erinnern an Swimmingpools. „Unten in diesen Becken sind Sandschichten und dort bleiben die Mikroorganismen hängen“, erklärt Maria Quignon. „Und was den Filter verlässt ist fertig aufbereitetes, bestes Trinkwasser.“ Das Trinkwasser der Bodensee-Wasserversorgung hat eine geringe Härte von 1,6 Millimol Calciumcarbonat, also einen Härtebereich zwei. Der Mineralstoffgehalt des Bodensee-Trinkwassers ist ausgewogen und der der Nitratgehalt liegt bei 4,8 mg/l. Zwar kann zumindest Lena den Unterschied zwischen dem unbehandelten Bodenseewasser und fertigen Trinkwasser nicht schmecken. Doch das aufwendig kontrollierte und aufbereitete Trinkwasser ist ihr in jedem Fall lieber.