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SENDETERMIN Do, 11.6.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Landwirtschaft im Südwesten Wie arbeitet ein Großbauer heute?

Familie Frank bewirtschaftet im Kraichgau 330 Hektar Ackerland. Hauptsächlich Weizen, Raps und Mais. Sie sind damit einer der größten Höfe im Südwesten. Als zweites Standbein haben sie eine einträgliche Kompostproduktion.

Ein Familienbetrieb

Das Credo des Landwirtschaftsmeisters Günther Frank ist klar: "Wir möchten Ackerbau betreiben und beim Ackerbau ist unser Ziel, von einer bestimmten Fläche einen optimalen Ertrag zu erwirtschaften. Nicht den höchsten aber einen optimalen Ertrag mit einem respektablen Aufwand."
Günther Frank ist Landwirt in Neuenbürg, das zur Stadt Kraichtal gehört. Seine Frau macht die Büroarbeit, sein jüngster Sohn Jochen ist der zweite Landwirtschaftsmeister auf dem Hof. Trotz aller Größe sehen sich die Franks als Familienbetrieb: "Ich denke, dass der Schlüssel zum Erfolg die Familie ist. Wenn sie da nicht zusammen an einem Strang ziehen - in die gleiche Richtung natürlich - dann wird das nichts", so Günther Frank

Effektiv dank Technik

Die Felder könnten Günther Frank und sein Sohn Jochen alleine bestellen, sagen sie. Dank der richtigen Technik. Das sind bei den Franks zum Beispiel große Traktoren. Bald soll ein neuer angeschafft werden. Deswegen ist Markus Arnegger von der Firma Fendt aus Marktoberdorf auf dem Hof. Im Schlepptau ein Vorführmodell. Der Fendt Vario 939 mit 2 Turboladern, Klimaanlage, GPS-Steuerung, variablem Reifendruck und vielem mehr. Neueste Technik aus dem Allgäu eben, so Markus Arnegger. "Bulldog fahren", wie man hier sagt, ist der Job von Jochen Frank. Mit der 390-PS Vorführmaschine fährt er aufs Feld zum Kompoststreuen. Schon immer habe ihn die Landwirtschaft begeistert. Seit dem er 16 ist hat er den Führerschein für die Traktoren.
Sein Vater Günther Frank ist dagegen begeisterter Mähdrescherfahrer. Er bekommt den neuen Mähdrescher für die Erntesaison vorgeführt. Wolfgang Wirth vermietet die Landmaschinen. 16 Mähdrescher gehören zu seinem Programm. Günther Frank braucht eher ein größeres Modell und ist auch schon gleich im Führerhäuschen: "Das ist fast wie Urlaub." Trotzdem will sich der Landwirt keinen Mähdrescher kaufen. Denn die Maschine wird nur während der Ernte gebraucht. Also vielleicht zwei Wochen lang. Die restlichen 50 Wochen des Jahres "laufen wir drum rum und freuen uns, dass wir eine schöne Maschine haben. Da steht sie in der Halle und wartet auf die nächste Ernte", so Wolfgang Wirth.

Die Ernte muss kalkulierbar sein

Die Franks vermarkten ihre Ernte über die Genossenschaft. Das kostet Gebühren, aber so können sie von Preisanstiegen profitieren. Denn zur Erntezeit ist der Erlös für die Feldfrüchte in der Regel gering. Dabei muss Karin Frank genau aufpassen, dass sie die Verträge auch einhalten können. Seit über 10 Jahren beobachtet sie die Erträge: "Und dann machen wir noch einen 10 bis 20 prozentigen Abschlag, dass wir auf der sicheren Seite sind und nicht mehr vermarkten als wir an Ware liefern können." Für Landwirte ist es existenziell zu wissen, welchen Ertrag ihre Felder bringen.

Zwei Menschen stehen vor einem Mähdrescher

Teure Hightech-Maschinen: Dieser Mähdrescher kostet ca. 210.000 Euro

Das heißt auch: Unkraut oder Schädlinge haben hier nichts zu suchen. Sie werden vernichtet. Nach der Saat wird gegen das Unkraut gespritzt, danach noch zwei bis dreimal im Jahr gegen Insekten und Pilzbefall. Gemeinsam mit dem Agraringenieur Andreas Ehehalt vom Beratungsdienst Ackerbau Nord Baden e.V. legen die Franks den richtigen Zeitpunkt fürs Spritzen fest. "Es gibt so ein Schadschwellenprinzip, bei dem man geschaut hat, es gibt einen Befall, ist das so ertragswirksam, dass es Geld kostet und dass sich eine Spritzung rechnen würde", erläutert Ehehalt. Es geht ums Geld, um den Ertrag. Landwirtschaft ist ein schwieriges Geschäft. Ein großer Traktor kostet leicht eine Viertel Millionen Euro, die Spritzanlage für die Chemikalien 36.000 Euro. Ein Kanister Pflanzenschutz kostet schnell mal mehrere hundert Euro. 15 bis 20 verschiedene Mittel haben die Franks im Giftschrank. Insektizide, Herbizide, Fungizide. Heute geht es den Pilzen an den Kragen. Sie bedrohen den Weizen der Familie Frank. Es ist noch nicht dramatisch, aber warten wäre auch nicht klug, denn die Bedingungen sind gut. Die intensive Landwirtschaft ist die eine Antwort der Franks auf den immer schwieriger werden Agrarmarkt. Doch sie haben noch anderes auf Lager, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

Die Großen übernehmen die Kleinen

Die 330 Hektar Ackerland Felder wurden nicht immer von den Franks bestellt. Sie haben sie gepachtet oder nach und nach hinzu gekauft. Von anderen Landwirten, wie zum Beispiel einem Freund der Familie. Eugen Pfisterer hatte bis vor zwanzig Jahren selbst einen mittelgroßen Betrieb: "Ich hatte 25 Hektar, da war auch noch Pachtfeld mit dabei. Ich hatte selbst einen Mähdrescher mit dem ich geerntet habe. Aber das ist immer weniger geworden. Es hat sich einfach nicht mehr rentiert." So wie Eugen Pfisterer geht es vielen Bauern. Sie können dem Ertragsdruck nicht standhalten und geben auf. Mal sind sie froh, dass ihr Land von einem anderen weiter bewirtschaftet wird. Mal nicht.

Das zweite Standbein - der Kompostbetrieb

Vor 20 Jahren fing Günther Frank an, den Grünschnitt aus der Landschaftspflege zu Kompost zu verarbeiten.

Landwirt Günther Frank auf der hauseigenen Kompostieranlage

Kompost aus eigener Produktion: Landwirt Günther Frank macht es vor

Mittlerweile ist die Frank GmbH sein zweites Standbein. Angefangen hat das ganze aus der Not heraus, so Frank: "Vor 20 Jahren hat unser landwirtschaftlicher Betrieb keine zwei Familien ernähren können, und meine Frau und ich haben ein zweites Standbein gesucht. Wir haben das mit dem Kompost dann entwickelt. Wie kann man aus pflanzlichen Abfällen, Goldrute, Gras, Schilf etc. Kompost herstellen. Wir haben damals noch Viehhaltung gehabt und erst mal den anfallenden Mist mit dem Material gemischt."
Tiere gibt es auf dem Hof schon lange nicht mehr. Die Frank GmbH erwirtschaftet mittlerweile etwa genauso so viel, wie die klassische Landwirtschaft. Zwei Mitarbeiter sind für die Arbeiten auf dem Hof angestellt. Das Angebot reicht von Kompost, über Rindenmulch bis hin zu Hackschnitzel.

Energiewald auf dem Acker

Das führt zum neuesten Zweig des Frank-Imperiums. Energiehölzer. Sogenannte Kurzumtriebsplantagen mit den schnell wachsenden Pappeln. "Man kann ja nicht sagen, wir machen nur eine Kultur und das ist die Beste", erläutert Jochen Frank, "Wir versuchen, unseren Betreib aufzufächern, also verschiedene Kulturen anzubauen. Da passt die Pappel zu unserem Betrieb, weil wir ja die Möglichkeit haben, die Hackschnitzel zu verwerten." So bleibe die Wertschöpfung maximal. Noch sammeln Günther und Jochen Erfahrungen mit den Energiehölzern und deren Feinden. Jochen Frank zeigt auf einen kleinen roten Käfer: "Also wenn die hier auf den Baum kommen, dann fressen die uns den gesamten Bestand ab." Bislang läuft es ganz gut mit der Pappelplantage. Doch wie die Zukunft ausschaut ist noch etwas ungewiss. Wird aus dem Bauern vielleicht ein Förster? Günther Frank schmunzelt: "Klar Sie können hier kein Getreide oder Kartoffeln anbauen da steht jetzt ein Baum." Und wenn es sich wirtschaftlich als günstiger erweise, einen Baum anzupflanzen dann pflanze er eben Bäume an. "Aber wir wissen es nicht. Wir wissen es erst in 20 Jahren. Das ist der Unterschied."

Ertrag ja aber nicht um jeden Preis

Der Bauer ist schlau und zu vielen Tricks bereit. Genmanipuliertes Saatgut wäre so eine Versuchung. Schließlich versprechen deren Hersteller noch viel höhere Erträge. Günther Frank wird ernst: "Wenn ich mir vorstelle, ich ernte mein Weizenfeld ab, und ich möchte dieses Korn wieder aussäen als nächstes und ich kann das dann nicht mehr, weil das Saatgut ein Gen eingepflanzt hat, dass wir das nicht mehr verwenden können. Da sträuben sich mir die Nackenhaare auf. Gene in der Tier- und Pflanzenwelt, die müssen schon frei zugänglich bleiben." Denn Günther Frank will unabhängig bleiben. Soweit es geht und sinnvoll ist. Man kann nur hoffen, dass erfolgreiche Landwirte wie die Franks klug agieren und sorgfältig mit dem Land und seinen Früchten umgehen. Das Streben nach bestem Ertrag ist sicher kein verwerfliches Motiv. Doch wenn es allzu sehr im Vordergrund steht ist die Gefahr groß, dass andere Motive wie Umweltschutz oder Gesundheit in den Hintergrund geraten.

aus der Sendung vom

Do, 11.6.2015 | 22:00 Uhr

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