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SENDETERMIN Do, 1.3.2018 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Posttraumatische Belastungsstörung Vererben Soldaten ihre Traumata an ihre Kinder?

Die Zahl posttraumatischer Belastungsstörungen bei Soldaten der Bundeswehr steigt durch immer mehr Auslandseinsätze. Forscher untersuchen, welche Spuren die traumatischen Erlebnisse im Erbgut hinterlassen.

PTBS schadet nicht nur den Betroffenen

Derzeit werden laut Bundeswehr 1.750 Soldaten wegen einsatzbedingter posttraumatischer Belastungsstörungen (PTBS) behandelt. Die Folgen solcher Traumatisierungen sind lange bekannt. Die Störungen äußern sich in Gleichgültigkeit, Angststörungen, Schlaflosigkeit bis hin zur völligen sozialen Isolation.

Doch wie wirkt sich eine Traumatisierung auf die nächste Generation aus. Doch hinterlassen traumatische Eindrücke auch Spuren im Erbgut der Soldaten? Diese Fragen sind aktuell, seit das noch junge Forschungsgebiet der Epigenetik gezeigt hat, dass die Folgen einschneidender menschlicher Erfahrungen tatsächlich biologisch vererbt werden können.

Epigenetik und PTBS

An der Universität Maastricht in den Niederlanden geht man dieser Frage nach. Der Psychiater und Neurowissenschaftler Bart Rutten war einer der Köpfe der Studie: „Eine große Gruppe der Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz waren, sind sehr gut untersucht. Sie wurden vorher interviewt und es wurden Blutproben genommen.“ Sechs Monate nach den Einsätzen wurden die Soldaten wieder untersucht. Somit konnten die Forscher das Erbgut vor und nach den Einsätzen vergleichen so Bart Rutten: „Wir fanden tatsächlich Bereiche in der DNA, die sehr eng mit der Entwicklung von PTBS zusammenhängen. Es wird aber nicht das Erbgut selbst verändert, sondern die Art und Weise, wie es in der Zelle, im Zellkern ausgelesen wird.“ Solche epigenetischen Veränderungen können vererbt werden. Was bedeutet das für die Kinder von traumatisierten Soldaten?

Wird Trauma vererbt?

Eine brisante Frage, die Wissenschaftler in Zürich beschäftigt. Die Neuroepigenetikerin Isabelle Mansuy und ihr Team untersuchten das Erbgut gestresster und nicht gestresster Mäuse. Sie fanden ebenfalls epigenetische Veränderungen. Doch sie gingen noch weiter, so Isabelle Mansuy: „Wir haben das Sperma von traumatisierten Mäusen genommen und damit normale Weibchen befruchtet. Und dann beobachteten wir, wie sich das auf die Kinder auswirkt.“

Veränderungen sind reversibel

Ein einfaches Experiment zeigte, dass das Kind von einem nicht traumatisierten Mäusevater eher vorsichtig ist. Anders das Kind eines traumatisierten Mäusevaters. Es ist risikobereiter. Die Folgen eines Traumas scheinen also an die nächste Generation weiter gegeben zu werden. Sie fanden aber auch heraus, dass die epigenetischen Veränderungen von Stress nicht irreversibel sind. Unter guten Bedingungen verschwinden die epigenetischen Veränderungen wieder.