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SENDETERMIN Do, 23.4.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Hyperakusis Wenn Geräusche zur Qual werden

Die Kaffeemaschine zehrt an den Nerven und Staubsaugen ist nur mit Gehörschutz möglich. Für Menschen mit einer Geräuschüberempfindlichkeit werden Alltagsgeräusche zur Tortur.

Schmerzhaft laut

Normale Laustärke wird als zu laut wahrgenommen

Bei einer Geräuschüberempfindlichkeit, einer sogenannten Hyperakusis, machen alltägliche Höreindrücke wie Stimmen, Straßenverkehr, Hundebellen oder Telefonklingeln Probleme. Selbst wenn diese Geräusche eine normale Lautstärke haben, also unterhalb von 70 bis 80 Dezibel liegen, werden sie als schmerzhaft laut empfunden. Die Betroffenen können dann mit der Flut an Reizen und Informationen, die über sie hereinbricht, nicht mehr umgehen und reagieren häufig mit Angst oder sogar Panikattacken. Wie viele Menschen in Deutschland von einer Hyperakusis betroffen sind, lässt sich nicht genau sagen. Laut Schätzungen sind es mindestens 400.000, einige Experten gehen sogar von einer Million aus. Die Hyperakusis kann eigenständig auftreten, aber auch in Zusammenhang mit Ohrgeräuschen, Tinnitus genannt.

Hyperakusis: Körper verarbeitet Geräusche falsch

Die Ursachen für eine Geräuschüberempfindlichkeit sind vielfältig. Die Störung kann zum Beispiel durch Hörschäden oder einer Verletzung des großen Gesichtsnervs entstehen. Auch Angst, Depressionen und Stress können eine Hyperakusis bewirken. In jedem Fall verarbeitet der Körper Geräusche falsch. Denn das Hören ist ein komplizierter Regelkreis. Darin werden bestimmte Töne abgeschwächt oder verstärkt, wenn sie vom Innenohr über Nerven bis zur Hirnrinde weitergeleitet werden - eine Art innerer Verstärkermechanismus. Bei einer Hyperakusis ist dieser Verstärkermechanismus verstellt, sodass Betroffene normale Alltagsgeräusche als unangenehmen und bedrohlichen Lärm empfinden.

Rauschtherapie kann helfen

Viele Menschen mit einer Geräuschüberempfindlichkeit fürchten irrtümlich, ihr Gehör werde geschädigt. Sie halten sich instinktiv die Ohren zu, trauen sich nur noch mit Gehörschutz auf die Straße und vermeiden Situationen, in denen sie unangenehmen Geräuschen ausgesetzt sind. Folge: Sie ziehen sich zurück und vereinsamen womöglich. Der Rückzug in die Stille ist aber der falsche Weg. Um eine Hyperakusis erfolgreich zu behandeln, ist es wichtig, sich den Geräuschen zu stellen, etwa im Rahmen einer Rauschtherapie. Dabei setzen Betroffene sich mehrere Stunden täglich einem Breitbandrauschen aus, das alle hörbaren Frequenzen abdeckt. So wird das Gehör desensibilisiert und wieder an Alltagsgeräusche gewöhnt. Der Regelkreis in der neurologischen Verarbeitung stabilisiert sich, und die Situation der Betroffenen bessert sich oft schon innerhalb von Wochen.