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SENDETERMIN Do, 27.6.2013 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Umweltschutz Heute schon die Welt gerettet?

Deutschland ist Vorreiter beim Thema Umwelt- und Klimaschutz. Wir machen die Energiewende, fahren Drei-Liter-Autos, wohnen in Null-Energiehäusern und trennen den Müll. Doch die Effekte sind längst nicht so groß wie viele Deutsche denken.

Die Passanten in der Mannheimer Innenstadt wissen Bescheid - oder haben zumindest eine Idee, wie sich der Klimawandel verhindern lässt. Hier eine Auswahl der Empfehlungen:

"Ich recycle, ich mach alles, was dazu gehört."

"Ich ernähre mich vegetarisch und kaufe einheimische Produkte."

"Kein Haarspray benutzen."

"Ich hab eine Solaranlage."

"Energiespargeräte benutzen."

Keiner der Befragten glaubt allerdings, dass sich so der Klimawandel wirklich aufhalten lasse. Aber es sei zumindest ein Schritt in die richtige Richtung, lautet das Credo der Befragten. Hier wissen die Bürger mehr als viele Politiker und Aktivisten, die mit blumigen Worten den Beitrag Deutschlands zum Klimaschutz großreden. Denn der ist kleiner, als viele Menschen denken - zumindest wenn man sich den Energieverbrauch in Deutschland genauer anschaut.

Mythos: Strom sparen

Statistik mit einer fallenden (Gerät) und einer steigenden (Privathaushalt) Kurve

Geräte werden effizienter, doch der private Stromverbraucht steigt.

Die Deutschen sparen gerne Strom. Standby-Schaltungen sind ein Graus, und das Licht wird lieber ausgemacht. Ob Kühlschrank, Waschmaschine oder Beleuchtung: Die Geräte werden seit Jahren immer effizienter. Das ist gut, denn je weniger Strom sie verbrauchen, umso besser für das Klima, so die Theorie. Demnach sollte der Stromverbrauch privater Haushalte immer geringer werden. In Wirklichkeit aber stieg der private Stromverbrauch in der Zeit von 1990 bis 2010 um 20 Prozent. Woran das liegt? Es werden einfach immer mehr Geräte genutzt, die Strom verbrauchen. In der Küche sind Spülmaschine, Kaffeeautomat und viele andere elektrische Helferlein selbstverständlich geworden. Im Wohnzimmer werden die Bildschirme immer größer, und fast jeder hat mittlerweile einen PC und was sonst noch dazu gehört. Weil die tollen neuen Gerätschaften so schön effizient sind, laufen sie öfter und länger. Fazit: Vorwärts denken. Rückwärts laufen!

Mythos: Heizung sparen

Diagramm mit einer fallenden Linie (Heizenerige-Einsparpotential) und nahezu gerade velaufenden Kurve (Heizenergieverbrauch)

Heute ließe sich 50 Prozent der Heizenergie einsparen, aber der Heizenergieverbrauch bleibt nahezu konstant.

Frieren muss in Deutschland trotz kalter Winter normalerweise niemand. Wer sein Haus richtig modernisiert und energetisch saniert, spart eine Menge Energie und damit auch CO2, sagt die Bundesregierung. Gut die Hälfte der Heizenergie ließe sich einsparen und damit 55 Millionen Tonnen CO2 - zumindest theoretisch. Tatsächlich blieb der Heizenergieverbrauch bis 2010 nahezu konstant. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen sind Modernisierungen in der Praxis oft nicht so gut wie auf dem Papier. Dämmungen werden schlampig angebracht oder moderne Heizungen falsch eingestellt. Dazu kommt, dass die Deutschen immer mehr Wohnfläche beanspruchen. Pro Person wird also auch mehr Wärme benötigt. Außerdem: Wer ein modernisiertes und saniertes Haus hat, der macht es sich gerne etwas behaglicher. Schließlich geht ja nicht so viel Energie verloren. Fazit: Viel Aufwand, wenig Effekt

Mythos: Sprit sparen

Diagramm mit einer fallenden (Auto) und einer steigenden (Gesamtnutzung)

Autos werden sparsamer, doch der Gesamtverbrauch an Benzin steigt.

Auch die Autos werden immer effektiver. Selbst Porsche bastelt am Drei-Liter-Auto, und Hybridfahrzeuge sind der Renner bei Klimaschützern. Moderne Autos brauchen pro gefahrenen Kilometer etwa 30 Prozent weniger Sprit als vor 20 Jahren. Trotzdem bleibt der Spritverbrauch in Deutschland fast konstant. Schuld sind die Autofahrer. Die fahren nämlich immer mehr Kilometer: mit gutem Gewissen - aber mit wenig Nutzen für das Klima.