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SENDETERMIN Do, 21.5.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Online-Portale Welche Klinik ist die richtige?

Nicht immer ist der Rat des eigenen Facharztes auch der beste. Krankenhaus-Portale im Internet scheinen da eine Lösung zu sein, um die richtige Klinik für eine anstehende OP zu finden.

Alltägliche Gefahren im Krankenhaus

Zitat aus Krankenhausreport 2014 der AOK: "Während eines stationären Aufenthalts besteht immer auch das Risiko, dass sich der Gesundheitszustand der Patienten im Rahmen der Behandlung verschlechtert. Spektakuläre Ursachen, beispielsweise eklatante Behandlungsfehler oder schadhafte Medizinprodukte, erregen immer wieder mediales Aufsehen. Neben zahlreichen vermeidbaren Todesfällen geht es auch um die vielen unterschwelligen und alltäglichen Gefahren für die Patientensicherheit, die mit einem Krankenhausaufenthalt verbunden sind."

Fachärzte wissen Bescheid - oder eben nicht

Die Aussagen der Ärzte, die wir auf der Frühjahrstagung der Süddeutschen Orthopäden und Unfallchirurgen befragt haben, geben ein klares Bild. Die Fachärzte sind mit sich selbst und ihrer Einweisungsstrategie zufrieden: Sie verfügen über jahrelange Erfahrung mit der Kliniklandschaft, persönliche Bekanntschaften, Wissen der fachlichen Kompetenz und der Ergebnisse. Dazu noch das Feedback der eigenen Patienten. Sie sind die Vertrauten ihrer Patienten, die mit bestem Rat zur Seite stehen. Was soll da noch schief gehen bei der Einweisung in ein Krankenhaus.
So einiges. Zumindest wenn man dem Krankenhausreport der AOK glaubt. Nicht immer leisten die Kliniken gute Arbeit. Anfang 2014 spricht die AOK von über 19.000 Toten aufgrund von Behandlungsfehlern. Hinzu kommen etliche Patienten die kränker aus dem Krankenhaus kommen als sie hineingingen. Fast jeder kennt so einen Fall im Bekanntenkreis. Es ist also kein, dass sich Patienten zusätzlich informieren wollen.

Papiermonster Qualitätsbericht der Kliniken

Krankenhäuser müssen einen Qualitätsbericht erstellen und Veröffentlichen. Das ist gesetzliche Pflicht. Diese Qualitätsberichte findet man der Regel auf den Internetseiten der Krankenhäuser. Zum Beispiel in Rubrik "Über uns" dort gibt es dann vielleicht einen Link zum Qualitäts-Management, dort dann den Qualitätsbericht runter laden. Der kann aber auch woanders versteckt sein. Ist der Weg zum Qualitätsbericht noch recht überschaulich, so hat es der Bericht selber in sich. Das Diakonissenkrankenhaus in Mannheim zum Beispiel schafft es in 110 Seiten, seine Qualität darzulegen; die Uniklinik Mainz braucht 406 Seiten. Viel Spaß! Viele Seiten mit vielen Informationen, wer was macht und überhaupt. Immerhin kann man hier die Fallzahlen einer bestimmten OP heraus pulen und sich daraus einen Reim machen. In der Branche gelten hohe Fallzahlen als ein Anhaltspunkt. Schließlich könne man davon ausgehen, dass jemand der hundert mal im Jahr operiert, mehr Ahnung davon hat als jemand, der nur alle zwei Monate zum Skalpell greift. Grundsätzlich nicht schlecht. Allerdings würde niemand bei anderen Massenprodukten auf so eine Idee kommen.

Wunderwaffe Klinikbewertungsportale

Für Fachärzte gibt es das schon länger. Bei Kliniken ist es komplizierter. Aber immerhin. Einfach mal die Suchmaschine mit Klinikbewertungen oder Krankenhaus Bewertung auf die Jagd schicken. Leider ist es bei den privaten Portalen nicht ganz einfach die Qualität oder Unabhängigkeit der Informationen einzuschätzen. Deshalb haben einige Krankenkassen selbst Bewertungsportale eingerichtet. Die BKK zum Beispiel vergleicht die Qualitätsberichte der Krankenhäuser. Und kommt so zu einem Urteil. Wer eine konkrete Klink weiß, kann sich hier einen ersten Eindruck verschaffen. Die Techniker Krankenkasse dagegen führt zusätzlich zur Auswertung der Qualitätsberichte aufwendige Befragungen durch. So kann man hier auch etwas über die Zufriedenheit der Patienten erfahren. Ebenso macht es die Krankenhaussuche der Weiße Liste. Ein Portal der Bertelsmann Stiftung zusammen mit Verbraucherschützern und Patientenverbänden. Immerhin kann man hier eine größtmögliche Unabhängigkeit erwarten. Dazu kommt, dass die Kliniksuche sehr übersichtlich ist: Krankheit oder Behandlungsform eingeben. Ort auswählen und schon erscheint eine passende Liste mit Krankenhäusern. Neben Fallzahlen und Ausstattung spielen auch Bewertungen durch die Patienten eine Rolle. Größter Haken bei dem Urteil der Patienten ist, dass Kriterien wie nettes Personal oder gutes Essen besonders stark ins Gewicht fallen. Die langfristige Qualität der medizinischen Versorgung kann so nur schwer erfasst werden.

Der AOK-Gesundheitsnavigator

Deshalb setzt die AOK noch einen drauf und wertet zusätzlich die Abrechnungsdaten der eigenen Mitglieder aus. So können die Experten des AOK eigenen Forschungsinstituts, kurz WiDO verfolgen, ob ein Patient noch einmal operiert werden musste oder ob es andere Komplikationen gab. Christian Günster vom WiDO ist stolz auf das System und sieht gleich mehrere Vorteile: "Das sind Daten, die ohnehin vorliegen. Das sind Daten, die für die Abrechnung an die Krankenkassen übermittel werden. Das ist der erste Vorteil! Der zweite Vorteil ist: Im Zuge der Abrechnung wird immer nach gehalten, ob die Diagnose gerechtfertigt war, ob die Operation gerechtfertigt war. Und der dritte Vorteil ist, dass ein Patient über mehrere Krankenhausaufenthalte beobachtet werden kann. Dabei spielt es überhaupt keine Roll, ob der Patient im gleichen Krankenhaus oder auch in einem anderen Krankenhaus wieder aufgenommen werden musste." Qualitätssicherung mit Routinedaten, kurz QSR heißt die Formel. Bis zwölf Monate nach der Operation werden die Daten für die AOK-Bewertung zusammengeführt. Der AOK-Klinikführer ist ebenso übersichtlich wie die "Weiße Liste": Leiden eingeben. Ort eingeben. Krankenhaus auswählen. Die AOK vergibt sogar Bäumchen und spricht so eine Empfehlung aus. Drei Bäumchen sind gut - eins ist schlecht.

Kritik von Seiten der Krankenhäuser

Ist das QSR-System der AOK wirklich die letzte Weisheit, was Klinikbewertungen angeht? Nicht, wenn man auf die Krankenhäuser hört. Zum Beispiel auf Prof. Karl Dieter Heller - er leitet die Orthopädie des Klinikums Braunschweig, einer der größten Fachkliniken Deutschlands und ist überzeugt, dass bei der AOK zu sehr mit Daten gearbeitet wird, die zu wenig Aussagekraft hätten: "Anhand dieser Werte, weiß keiner, wie es dem Patienten geht. Wir können nur sagen, er hat keine gravierende Komplikation zum Beispiel eine Verrenkung der Hüfte. Er ist nicht operiert worden, hat keine Thrombose bekommen und ist nicht verstorben. Das sind die Kriterien des QSR-Navigators. Aber nicht die Qualität und Zufriedenheit des Patienten. Das wird dadurch nicht erfasst." Dazu käme, dass besonders die großen Kliniken mehr schwierige Fälle annehmen und somit auch mehr Komplikationen hätten. Das WiDO hingegen sagt, dass gerade solche Besonderheiten berücksichtigt sind und ist sich sicher, dass die Bewertungen stimmen. Für Christian Günster steht deswegen fest: "Eine Klinik, die die hier mit drei Bäumen bewertet ist gehört Bundesweit zu den zwanzig Prozent der Klinken, die die wenigsten Komplikationen haben - Umgekehrt, eine Klinik mit einem Lebensbaum ist einen Klinik, die bundesweit zu den zwanzig Prozent gehört, die die meisten Komplikationen aufweisen."

Was tun?

Karl Dieter Heller ist nicht der einzige Facharzt in den Kliniken, die wenig von der Richtigkeit des QSR-Systems beziehungsweise des Kliniknavigators der AOK überzeugt sind.

Auch Kliniken mit guten Bewertungen sehen Nachbesserungsbedarf. Trotzdem, das AOK-Bewertungssystem ist zurzeit das Umfassendste und Beste, wenn es um die Qualität in deutschen Krankenhäusern geht. Deswegen unsere Empfehlung: Nicht alleine auf ein Klinikbewertungs-Portal setzen. Und: Wie wäre es, wenn die Patienten die Portale nicht alleine zu Rate ziehen, sondern gemeinsam mit ihrem Arzt. Dann ist alles beisammen. Bewertungen und die fachärztliche Kompetenz. Bislang ist das aber noch pure Träumerei.