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SENDETERMIN Do, 4.4.2019 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Was wäre wenn... Ohne Mond kein Erdenleben

Unsere Existenz auf der Erde hängt unmittelbar mit dem Mond zusammen. Er prägt den Rhythmus des Lebens - und reguliert den lebenswichtigen Winkel der Erdachse.

Im Tierreich lässt sich besonders gut beobachten, wie wichtig die Mondphasen sind: Zahlreiche Tierarten nutzen sie als Taktgeber, um sich zur Fortpflanzung zu „verabreden“. Auf der australischen Weihnachtsinsel etwa löst der Mondrhythmus jedes Jahr eine riesige Krabbenwanderung aus. Millionen roter Krebse kommen dann aus den Wäldern und wandern zur Paarung und Eiablage an den Strand. Und am Great Barrier Reef sind es Korallen, die im Frühsommer in einer bestimmten Nacht nach Vollmond zeitgleich Eier und Spermien ins Wasser abgeben und so die Chance auf ihre Befruchtung wesentlich verbessern.

Synchronisation über den Mond

Es gibt zahlreiche weitere Insekten, Fische, Würmer oder Pflanzen, die sich über die Mondphasen synchronisieren. Nachtaktive Tiere nutzen die besonders gute Ausleuchtung der Nacht bei Vollmond für ihre Jagd. Umgekehrt meiden manche Arten genau diese hellen Mondnächte und sind nur bei Neumond aktiv. Wenn man bedenkt, welche zentrale Bedeutung das Sonnenlicht für unser Leben auf der Erde hat, verwundert es nicht, dass Tiere und Pflanzen auch den Mond zur Orientierung nutzen.

Sonnenaufgang Erde

Dem Mond haben wir den 24-stündigen Tag-Nacht-Rhythmus zu verdanken

Der Mond hält die Erde in der Bahn

Die Bedeutung des Mondes geht weit über seine Funktion als Lichtkörper hinaus: Das Forscherteam des französischen Astronomen Jacques Laskar stellte sich in den 90er Jahren die Frage, wie stabil die Himmelsmechanik in unserem Sonnensystem eigentlich ist. Sie berechneten die Bahnen unserer Planeten in umfangreichen Computersimulationen für viele Millionen Jahre in die Zukunft. Dabei stießen sie auf eine erstaunliche Erkenntnis: Die Erde würde ohne den Mond anfangen zu schlingern, ähnlich wie ein Kreisel, kurz bevor er zur Seite fällt. Die Erdachse würde dabei statt der stabilen 23 Grad Neigungswinkel zwischen 0 und 85 Grad annehmen, also in extreme Schieflagen geraten.

Das gewohnte Leben auf unserem Planeten wäre ohne den Neigungswinkel von 23 Grad nicht mehr möglich, denn die konstante Neigung der Erdachse zur Sonne ist verantwortlich für die Entstehung der Klimazonen.

Extremtemperaturen durch Erd-Schieflage

Eine starke Schieflage, wie man sie zum Beispiel beim Planeten Uranus beobachten kann, würde zu extremen Temperaturschwankungen auf dem Planeten führen: Im Winter zum Beispiel würden die Pole für drei Monate keine Sonne mehr sehen. Im Sommer würden die Sonnenstrahlen drei Monate lang Tag und Nacht im Zenit stehen und auf die Erde herabbrennen, wie es heute nur am Äquator der Fall ist. Unvorstellbar starke Stürme in der Atmosphäre wären die Folge solcher extremen Wechsel, die uns sintflutartige Niederschläge bescheren würden.

Es gibt zwar viele Tier- und Pflanzenarten, die in der Lage sind, auch unter extremer Kälte oder extremer Hitze zu überleben, aber bisher sind keine Lebewesen bekannt, die sich an beide Temperaturextreme anpassen können. Durch die gegenseitigen Anziehungskräfte stabilisieren sich Erde und Mond. Die 23-Grad-Neigung der Erdachse bleibt erhalten und damit auch die Klimazonen.

Durch die Gravitationskraft, die der Mond mit seiner Masse ausübt, entstehen auf der Erde die Gezeiten, also Ebbe und Flut

Durch die Gravitationskraft, die der Mond mit seiner Masse ausübt, entstehen die Gezeiten

Ebbe, Flut und Springflut

Die Anziehungskräfte des Mondes auf unseren Planeten lassen sich nicht nur in langen Zeiträumen, sondern auch ganz unmittelbar und jeden Tag an Ebbe und Flut beobachten. Der Mond zieht das Wasser auf der ihm zugeneigten Seite der Erde zu sich hin. Es bildet sich ein regelrechter "Flutberg". Sogar die Erdoberfläche wird dort um ca. einen halben Meter zum Mond hingezogen. Besonders stark ist das Phänomen, wenn Mond, Sonne und Erde sich auf einer Achse befinden und Sonne und Mond aus der gleichen Richtung „an der Erde ziehen“. In diesem Fall addieren sich die Anziehungskräfte. Das Phänomen wird auch Springflut genannt.

Durch den ständigen Wechsel von Überflutung und Trocknung im Zwölf-Stunden-Rhythmus sind an vielen Küsten der Erde Wattzonen entstanden, die besonders viele Lebewesen beherbergen. Wattboden enthält ca. zehnmal mehr Fauna und Flora als normaler Meeresboden.

Mond bremst Erdrotation aus

Ohne Mond würden Ebbe und Flut sehr viel gemäßigter ausfallen, da sich nur noch die deutlich schwächere Anziehungskraft der Sonne auf unsere Ozeane auswirken würde. Das bedeutet, dass sich das Wasser gleichmäßiger auf der Erdoberfläche verteilen und sich deshalb dichter an der Drehachse der Erde befinden würde. Dadurch würde sich die Erde schneller drehen. Der Grund dafür ist, dass Masse, die sich weiter entfernt vom Rotationszentrum eines sich drehenden Körpers befindet, wie eine Bremse wirkt. Physikalisch gesprochen erhöht sie das Trägheitsmoment. Je dichter sie sich dagegen an der Drehachse befindet, umso weniger bremst sie den Drehimpuls des Körpers.

Beispiel Eiskunstlauf: Bei Eiskunstläufern, die sich in einer Pirouette drehen, kann man den Effekt des Trägheitsmomentes bestens beobachten. Ihre Umdrehungsgeschwindigkeit nimmt zu, je dichter sie Arme und Beine nach innen zur Drehachse ziehen. Umgekehrt verlangsamen sie sofort ihre Drehgeschwindigkeit, wenn sie einen Fuß oder einen Arm nach außen strecken, weil sie dadurch ihr Trägheitsmoment erhöhen.

Ein Leben in 8-Stunden-Tagen

Ohne Mond würde sich die Erde ungefähr dreimal so schnell drehen, so dass ein Tag nur noch acht Stunden lang wäre! Dieser enorme Anstieg der Drehgeschwindigkeit würde auf der Erde starke Stürme mit Windgeschwindigkeiten von mehreren hundert Stundenkilometern zur Folge haben.

Unterm Strich ist der Mond für uns auf der Erde also deutlich mehr als eine romantische Laterne am Nachthimmel. Zum Glück wird er uns wohl noch lange erhalten bleiben, denn er entfernt sich ganz allmählich von der Erde: mit einer Geschwindigkeit von drei bis vier Zentimetern pro Jahr.