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SENDETERMIN Do, 13.3.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Strompreise Was Strom wirklich kostet

Unser Strom wird immer teurer - woran liegt das? Ökostrom gilt als der große Kostentreiber, doch ist Strom aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken tatsächlich billiger? SWR-Odysso hat nachgeforscht.

Die Kategorien

Ein Preisvergleich der einzelnen Stromquellen ist nicht ganz einfach, denn der eigentliche Strompreis setzt sich aus mehreren Komponenten zusammen.

Ein Stromstecket liegt auf einem 100 Euro Schein.

Wir vergleichen also die Preiszusammensetzung des Stroms der einzelnen Energiequellen aus dem Stromverkaufswert an der Börse beziehungsweise der EEG-Vergütung, den staatlichen Förderungen und den externen Kosten. Staatliche Förderungen können Steuervergünstigungen und andere "Hilfen" des Staates sein. Externe Kosten beziehen sich auf die Umweltverschmutzung, Lärmbelästigung und natürlich spielt hier auch das Risiko eines Unfalls eine Rolle.

Die Teilnehmer

Ins Rennen gehen Braunkohle, Atomenergie, Solarenergie, Steinkohle, Erdgas und Windenergie. Welche Energiequelle wird wohl die günstigste sein?

Platz 5

Schlusslicht im Preisvergleich ist die Atomenergie. Mit einem Strombörsenpreis von circa 4 Cent pro Kilowattstunde ist Atomstrom eigentlich günstig. Aber Atomstrom wird staatlich gefördert. Die Atomkonzerne sind durch das Atomgesetz verpflichtet, Rückstellungen für die Stilllegung und den Rückbau der Atomkraftwerke sowie für die Entsorgung des radioaktiven Mülls zu bilden. Die Rückstellungen bringen den Atomkonzernen wirtschaftliche Vorteile. So kann das Geld für Investitionen innerhalb des Konzerns eingesetzt werden und spart so Zinsen. Außerdem werden Steuerzahlungen in die Zukunft verschoben und bringen ebenfalls einen Zinsvorteil. Die externen Kosten der Atomenergie sind nur schwer erfassbar. Das Risiko eines Unfalls spielt immer mit. Dann sind die Kosten immens. Das müssen wir natürlich auch in unserer Berechnung berücksichtigen.

Platz 4

Den vorletzten Platz teilen sich Braunkohle und Steinkohle. Zwar ist der Strombörsenpreis genauso günstig wie bei der Atomenergie, nämlich knapp 4 Cent pro Kilowattstunde, doch auch hier gibt es wieder versteckte Kosten.

Energiekosten-Ranking

Braun- und Steinkohle auf Platz 4

Braun- und Steinkohle profitieren von staatlichen Förderungen. Zwar gilt die Braunkohle offiziell als subventionsfrei, aber ein paar Vergünstigungen hat die Braunkohle trotzdem. Sie ist beispielsweise von der Wasser- und Förderabgabe befreit. Laut Subventionsbericht des Bundesministeriums der Finanzen profitiert auch die Steinkohle. Den Großteil des Strompreises machen hier aber die externen Kosten aus. Die Kosten für Umweltschäden und Treibhausgase verdreifachen den einst so günstigen Kohlepreis.

Platz 3

Die goldene Mitte hat sich die Solarenergie gesichert. Die EEG-Vergütung ist jedoch sehr hoch - im Durchschnitt 36,5 Cent pro Kilowattstunde. Doch es gibt Hoffnung. Die Vergütungssätze für neue Anlagen betragen nur noch zwischen 9,5 und 13,7 Cent pro Kilowattstunde (Stand Januar 2014). Die staatlichen Förderungen sind ebenso wie die externen Kosten gering, damit gibt es hier kaum versteckte Kosten.

Platz 2

Der Strom aus Erdgas kostet knapp 4 Cent pro Kilowattstunde an der Strombörse. Er ist frei von staatlicher Förderung. Die Kosten für Umweltbelastungen sind geringer als bei anderen fossilen Brennstoffen, aber nicht zu vernachlässigen. Deshalb reicht es nur für den zweiten Platz.

Platz 1

Die Windenergie (onshore) ist unser Strompreissieger. Wer hätte das gedacht? Die aktuelle EEG-Vergütung für Energie aus Windkraft beträgt 9,1 Cent pro Kilowattstunde. Das ist zwar mehr als bei der Kohle-, Erdgas- und Atomenergie, aber die Windenergie birgt so gut wie keine versteckten Kosten. Eine staatliche Förderung gibt es nicht, und die externen Kosten der Windenergie für Umweltschäden und Lärmbelästigungen sind sehr gering - damit ist sie unser Sieger.

Wir haben uns in dieser Studie auf den Strompreis fokussiert. Letztlich gibt es jedoch unzählige Möglichkeiten und Kriterien des Vergleichs. So kann der Energieaufwand bei der Herstellung der Windräder und Solarzellen mit einbezogen werden, Reibungsverluste beim Stromtransport oder Verluste, wenn Kraftwerke nicht voll ausgelastet werden, und vieles mehr. Alle Faktoren mit einzubeziehen ist eine Mammutaufgabe, der sich noch niemand gestellt hat.