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SENDETERMIN Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Unwetter Was passiert bei einem Wolkenbruch?

Plötzliche Wolkenbrüche sind ein großes Rätsel für Meteorologen. Während sie Hochs und Tiefs über mehrere Tage im Voraus exakt prognostizieren können, treten Starkregen überraschend auf. Warum lassen sie sich so schlecht vorhersagen?

Drei notwendige Zutaten

Hohe Luftfeuchtigkeit (1. Zutat) entsteht im Sommer besonders in Bodennähe, da die Sonneneinstrahlung ausreichend Energie zur Verfügung stellt um Wasser zu verdampfen. Warme Luft kann die Feuchtigkeit besonders gut aufnehmen. Aufgrund der höheren Dichte ist kalte Luft schwerer als warme. Kalte Luftschichten befinden sich am Boden und die wärmeren darüber. Man spricht dann von einer stabilen Atmosphäre. Heizt nun aber die Sonne die bodennahen Schichten auf, so kehrt sich das Verhältnis um, und es kommt zu einer Labilität (2. Zutat) der Atmosphäre. Dies kann dann die Ursache einer Hebung (3. Zutat) sein, bei der die Luftschichten aufsteigen. Neben Erwärmung zählen auch Gebirge, Kaltfronten oder das Zusammenströmen von Luftmassen zu deren möglichen Ursachen.
Damit ein Gewitter entsteht, müssen alle drei Faktoren zusammen auftreten.

Verschiedene Gewittertypen

Ob ein Gewitter jedoch nur einen kurzen heftigen Schauer begleitet und etwas Gegrummel mit sich bringt oder doch in ein Unwetter ausartet, hängt ganz von der meteorologischen Zusammensetzung ab.

Einzelzellen sind die simpelste Gewitterform. Sobald der Niederschlag einsetzt, bricht mit dem Aufwind auch die Warmluftzufuhr zusammen, und die Wolke regnet sich innerhalb einer Stunde aus. Solche Wärmegewitter kommen nicht allzu häufig vor, da sie nur unter bestimmten atmosphärischen Voraussetzungen entstehen.

Multizellen setzen sich haufenförmig aus mehreren einzelnen Gewitterzellen zusammen und befinden sich meist in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Durch Windzunahme bei steigender Höhe, der so genannten Scherung, entstehen verschiedene, voneinander getrennte Auf- und Abwindbereiche. So wird verhindert, dass der Aufwind durch den Niederschlag gestoppt wird. Multizellen sind langlebiger als Einzelzellen.

Superzellen sind die größten Gewitterzellen und treten oft zusammen mit starken Böen, Starkniederschlägen, Hagel und Tornados auf. Wenn die Luft am Boden nahezu steht, und es in der Höhe zusätzlich zur Geschwindigkeitsscherung auch zu einer Richtungsscherung kommt, können sich Wirbel bilden, durch die die Gewitterwolke in Schieflage gerät. Der Niederschlag regnet dann an anderer Stelle ab und verdrängt in Bodennähe die Warmluftschichten in Richtung Superzelle. Der Aufwind sorgt unterdessen für stetigen Nachschub an feuchtwarmer Luft und damit an Regen. Ein solches Unwetter kann bis zu zwölf Stunden dauern.
So konnten auch am 20. Juni 2013 im Raum Bonn innerhalb weniger Stunden etwa 50 Liter Wasser pro Quadratmeter niedergehen, das 10- bis 20-fache eines normalen Sommerregens.

aus der Sendung vom

Do, 26.6.2014 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.