Bitte warten...

SENDETERMIN Do, 11.6.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Regionale Lebensmittel Was heißt hier regional?

Lebensmittel aus der Region sind "In", die Geschäfte laufen gut. Umfragen zufolge sind rund 70 Prozent der Bürger bereit, dafür höhere Preise zu zahlen. Manch Händler bringt es auf die Formel: "Regional" ist das neue "Bio". Aber was heißt eigentlich "regional"?

Region ist…

... wenn es keiner genau beschreiben kann. Wir fragen Kunden auf dem Wochenmarkt in Karlsruhe. Hier werden hauptsächlich frische Produkte angeboten: Obst, Gemüse, Käse, Kartoffeln. Schnell stellt sich heraus, dass die Menschen "Region" ganz unterschiedlich definieren. Für die einen ist es ein Radius von 50 km um Karlsruhe, da zählen dann auch Teile des Elsass und der Pfalz dazu. Andere sind noch großzügiger und zufrieden, wenn die Produkte aus Baden-Württemberg kommen. Aber Äpfel aus Chile sind definitiv nicht regional, klar. Auf dem Wochenmarkt sehen Kunden sofort, woher die Produkte kommen. Für frische Waren gibt es eine Kennzeichnungspflicht: Das Herkunftsland muss, die Region kann angegeben werden. Im Zweifel helfen die Händler weiter und sie wissen, dass es ihren Kunden sehr wichtig ist, regionale Produkte zu bekommen.
Im Supermarkt wird es dagegen schwierig. Wenn es sich nicht um frische Waren handelt, haben Verbraucher kaum eine Chance. Herkunftsangaben von Lebensmitteln und ihren Zutaten suchen sie oft vergeblich. Dazu gibt es inzwischen eine Flut von Regionallabels, die "Region" sehr unterschiedlich definieren. Manche meinen damit eine Landschaft, zum Beispiel die Eifel, andere ein Bundesland, Süddeutschland oder gar ganz Deutschland. Doch was ist eine sinnvolle Definition von "regional"? Christine Manthey von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg bemängelt, dass es keine eindeutige Definition gibt. Genau das sei das Problem, weil das Lebensmittelrecht keine Regional-Definition kenne. Deswegen müsse entsprechende Werbung die Region ganz genau bezeichnen, damit Verbraucher eine Vorstellung davon haben was gemeint ist, fordert die Verbraucherschützerin. Slogans wie "Gutes aus unserer Heimat" sind dafür nicht geeignet, sondern irreführend.

Ein Anfang: Das "Regionalfenster"

Ein Schritt in die richtige Richtung ist das "Regionalfenster", seit Januar 2014 das erste bundesweite Label. Hier muss draufstehen, woher die Hauptzutaten kommen und die Region darf nicht größer als ein Bundesland sein. Der Haken: Das "Regionalfenster ist bei Verbrauchern bis jetzt wenig bekannt, und viele Handelsketten bewerben es kaum oder gar nicht. Ihr Interesse richtet sich vielmehr darauf, die eigenen Regionalmarken zu verkaufen.

Das Regionallabel "Regionalfenster"

Seit Anfang 2014 auf dem Markt: das erste bundesweite "Regionalfenster"

Doch das ist nicht das einzige, was Verbraucherschützer am neuen Label nicht gefällt. Hauptkritikpunkt: Alles was die Lebensmittelindustrie bisher macht ist freiwillig, verpflichtende Angaben, außer bei frischen Produkten, gibt es bislang nicht. Das müsste aus Sicht von Verbraucherschützern dringend geändert werden, ansonsten ginge die Verbrauchertäuschung weiter. Zum Beispiel bei "Schwarzwälder Schinken" mit Schweinefleisch, das zu 90% aus Dänemark oder China stammen kann. Eine Kennzeichnungspflicht hat die Lebensmittelindustrie bislang verhindert. Das gefällt weder dem Verbraucherschutz noch den Verbrauchern. Auch die Kunden auf dem Karlsruher Wochenmarkt waren sich darin einig.

Ist "regional" immer sinnvoll?

Bei dieser Frage kamen auch die Wochenmarkt-Besucher ins Grübeln. Zwar bejahten viele weil sie der Ansicht sind, man habe kurze Wege und müsse die heimische Landwirtschaft unterstützen. Aber einigen war durchaus bewusst, dass es für die CO2-Bilanz nicht immer vorteilhaft, ist auf die Region zu setzen. Zu diesem Schluss kommen auch Wissenschaftler der Uni Gießen. Nach deren Berechnungen verursachen zum Beispiel im Stall gehaltene Rinder in Deutschland deutlich mehr CO2, als die Freilandhaltung in Argentinien. Deshalb schneidet argentinisches Rindfleisch trotz des langen Transportweges besser ab. Voraussetzung ist allerdings, dass das Fleisch in großen Mengen per Schiff transportiert wird, und nicht etwa mit dem Flugzeug. Ähnliches gilt auch für Äpfel. Hier verursacht die Lagerung heimischer Äpfel außerhalb der Saison auch mehr Treibhausgase, als die frisch geernteten aus Südamerika. Die Angabe der CO2-Bilanz und des Transportmittels könnte also bei Lebensmitteln, zusätzlich zur Herkunft, hilfreich sein. Allerdings nur, wenn es eine einheitliche Bilanzierungsmethode gebe, die eine Vergleichbarkeit dieser Angaben für die Verbraucher möglich macht, mahnt Verbraucherschützerin Manthey. Das sei aber nicht der Fall. Es gebe keine einheitliche Bilanzierungsmethode, und deshalb seien all diese Angaben zurzeit für Verbraucher irreführend, zumindest täuschend.

Fazit: Fehlende Angaben, fehlende Standards. Da gibt es für den Verbraucherschutz noch viel zu verbessern.

aus der Sendung vom

Do, 11.6.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

Mehr zum Thema im WWW:

Das neue Odysso-Logo von 2019

Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.