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SENDETERMIN Do, 1.10.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Freihandelsabkommen Was erwartet die Wirtschaft von TTIP?

Erfüllen sich die Befürchtungen oder doch die Versprechen auf mehr Geld und neue Jobs? Für manche Unternehmer ist das überhaupt keine Frage.

Die neue Wasch- und Abfüllanlage einer Brauerei in Ingolstadt. Hunderte Hightech-Ventile steuern in der Brauerei Dampf und Flüssigkeit. Der Unternehmer Bertram Kawlath ist stolz auf sein Produkt, das er künftig noch erfolgreicher in die USA exportieren will. Bislang bremst ihn die Handelsbürokratie: "Wir sind ein kleines Unternehmen, das international agiert und alles was uns hilft, diesen Aufwand kleiner zu machen ist gut für uns. Deshalb: TTIP würde uns sehr helfen."

Unterschiedliche Zulassungsverfahren

Viele Mittelständler sehen keine Vorteile mit TTIP - Bertram Kawlath schon. Ventile für Industrieanlagen, Schiffe und Raffinerien stellt seine Firma mit 150 Mitarbeitern her. Ventile aller Art gehen auch jetzt schon nach Amerika. Das Problem des Unternehmers: Exporte in die USA benötigen hohen Zusatzaufwand, was ihn ärgert. Jedes Ventil muss für den Export in einer extra Ausführung angefertigt werden. Die USA verlangen auch eine extra Dokumentation. Ein immenser Papierkrieg.

Der macht den Export eines Ventils in die USA etwa 5 Prozent teurer, rechnet der Unternehmer vor. Zusammen mit den eingesparten Zöllen würde er mit TTIP also sparen. Die Normen müssten nur gegenseitig anerkannt werden. Deshalb kämpft Bertram Kawlath für TTIP. Mehr Wettbewerb, aber eben auch bessere Geschäfte.

Freiburg im Breisgau. In der Neurochirurgie der Uniklinik schneiden die Operateure gerade einen gutartigen Hirntumor heraus - mit Spezialinstrumenten. Pinzetten, die mit Strom das Gewebe durchtrennen und die Blutgefäße wieder verschließen. Made in Freiburg.

Hergestellt werden die Pinzetten durch Unternehmer Bert Sutter. Er schaut sich seine Instrumente an und er will exportieren. Dass die amerikanische Konkurrenz mit TTIP auch nach Europa käme, fürchtet er nicht: "Es gibt natürlich bereits Export in die USA und aus den USA, ist jetzt ja nicht so, dass heute keiner da ist und morgen ganz viel. Wenn es leichter wird werden möglicherweise mehr kommen. Aber das ist halt Wettbewerb. Damit muss man dann auch leben."

Uneinheitliche Standards

Der Firmenchef will auf den lukrativsten Medizinmarkt der Welt, die USA. Mit rund 70 Beschäftigten fertigt Sutter hier die Instrumente.

Natürlich exportiert die Firma jetzt auch schon in die Operationssäle von Detroit oder Miami. Aber die USA machen den Export schwer.

Die Zulassungsbehörde FDA verlangt viel. Tests, Messreihen, extra Arbeit. Solche Daten haben sie eigentlich schon für die europäische Zulassung ermittelt. Aber eben nicht die Gleichen. Bert Sutter ist davon überzeugt, dass beide Zulassungsverfahren zu sicheren Produkten führen würden.

Doch das gilt aber nicht für alle Medizinprodukte. Hochrisikogeräte wie Herzschrittmacher zum Beispiel müssen in den USA höhere Hürden überwinden, als bei uns. Für das OP-Besteck des kleinen Medizintechnikunternehmens aus Freiburg wäre TTIP aber wohl ein Vorteil.

aus der Sendung vom

Do, 1.10.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.