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SENDETERMIN Do, 14.3.2019 | 21:00 Uhr | SWR Fernsehen

Prophylaxe Professionelle Zahnreinigung

Eine Zahn- und Mundpflege durchführen zu lassen ist kostenintensiv. Dennoch raten Mediziner zu diesem Schritt, der Entzündungen vorbeugt und vor allem bei chronischen Erkrankungen unerlässlich ist.

Der Freiburger Christian Schwörer verlor vor zwei Jahren beinahe zwei seiner Zähne. Sein Zahnfleisch war komplett entzündet, er hatte über Monate hinweg große Schmerzen: „An einem Freitagnachmittag ging es nicht mehr, alles blutete. Mein „Haus“-Zahnarzt meinte, mindestens zwei Zähne seien unrettbar verloren und wollte sie ziehen. Ich war völlig schockiert, konnte das gerade noch stoppen.“

Für den damals 42-Jährigen eine Katastrophe. Er suchte Hilfe an der Zahnklinik der Uni Freiburg. Hier diagnostizieren die Zahnmediziner eine hochgradige Parodontitis mit Zahnfleischtaschen bis zu sechs Millimetern Tiefe. Bei diesem Grad der Erkrankung greifen die Entzündungserreger bereits den Kieferknochen an, der dadurch schwindet. „Deshalb waren alle meine Zähne locker und deshalb blutete es so stark“, weiß Christian Schwörer heute.

Er begann damals mit der professionellen Zahnreinigung durch eine speziell ausgebildete zahnmedizinische Fachassistentin. Zu Beginn reinigte Alwine Gimbel alle sechs Wochen Zähne und Zahnfleisch. Mittlerweile hat sich Christian Schwörers Gebiss erholt: „Vor allem habe ich alle meine Zähne behalten. Und muss jetzt nur noch alle drei bis sechs Monate zur Zahnreinigung.“, sagt Christian Schwörer heute.

Gefährlicher Biofilm

Experten wie der Ärztliche Direktor der Freiburger Uniklinik, Prof. Elmar Hellwig, sind vom Nutzen der professionellen Zahnreinigung überzeugt: „Durch die Zahnreinigung wird der Biofilm, der sich vor allem in den Zahnzwischenräumen bildet, beseitigt. Der Biofilm ist gefährlich, denn darin siedeln sich Mikroorganismen an, deren Stoffwechselprodukte dann den ganzen Körper überschwemmen.

Es gibt eine Wechselwirkung zwischen Entzündungen des Zahnhalteapparates und anderen Erkrankungen wie Diabetes.“ Erkenntnisse, die auch der Gesundheitsmediziner Prof. Gerd Glaeske von der Uni Bremen bestätigt. Sein Team und er haben internationale Studienergebnisse verglichen: „Menschen mit Diabetes, die ihren Diabetes nicht richtig eingestellt bekommen oder dass man mehr oder weniger Insulin braucht, das ist zu wenig bekannt. Man weiß, dass das Herzinfarktraten erhöht sind. Es gibt sogar eine japanische Studie, die darauf hinweist, dass Demenz mit Parodontitis verbunden sein kann. Das heißt, man hat ganz viele Begleiterkrankheiten im Zusammenhang mit der Parodontitis. Das wird zu wenig berücksichtigt.“

Frau beim Zahnarzt

Bislang wird die professionelle Zahnreinigung von gesetzlichen Krankenkassen in der Regel nicht vollständig erstattet

Weniger Karies durch Zahnreinigung

Die positiven Auswirkungen der professionellen Zahnreinigung bei Parodontitis sind durch Studien belegt. Ohne Zahnreinigung bekommt man aller Voraussicht nach innerhalb von sechs Jahren bis zu 14 mal Karies und verliert mehr als einen Millimeter Zahnfleisch. Mit zwei bis vier Zahnreinigungen pro Jahr bekommt man im gleichen Zeitraum maximal einmal Karies und der Zustand des Zahnfleisches verbessert sich sogar.

Doch trotz dieser Erkenntnisse übernimmt nur ein kleiner Teil der Krankenkassen die Kosten für die professionelle Zahnreinigung ganz, einige übernehmen zumindest einen Teil der anfallenden Kosten. Die liegen zwischen 60 und 100 Euro pro Behandlung. Bei zweimaligem Intervall pro Jahr ist das für viele Patienten zu teuer. „Es gibt nicht umsonst den Spruch ‚Ich schau Dir in den Mund und kann Dir sagen, aus welcher sozialen Schicht Du kommst“, kritisiert Gesundheitsmediziner Glaeske die mangelnde Kostenübernahme durch die Kassen. Der Grund: Noch fehle eine Studie zur Wirkung der professionellen Zahnreinigung beim gesunden Menschen.