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SENDETERMIN Do, 27.11.2014 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Hobby-Jäger Warum bin ich Jäger?

Es gibt in Deutschland über 360.000 Jäger. Ungefähr 1.000 davon sind Berufsjäger. Was steht für die Mehrheit der Freizeitjäger im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten?

Eine Gruppe aus drei Jägern unterhalten sich

Jagdpacht – eine nicht ganz billige Angelegenheit

Am Rand des Nordschwarzwaldes in der Nähe des kleinen Ortes Bühl haben die Ihles vor zwei Jahren ein 600 Hektar großes Jagdrevier gepachtet. Den Jagdschein haben Sie bereits vor vier Jahren gemacht. Es war die Idee von Rolf Ihle, sich einen Ausgleich zu der anstrengenden Arbeit als Geschäftsführer des eigenen Kachelofenbetriebs zu schaffen. Mehr frische Luft und eine aktive Freizeitbeschäftigung in der Natur waren auch für Gudrun Ihle überzeugende Argumente mitzumachen. Nachdem die beiden das "grüne Abitur" bestanden und Freude an dem neuen Hobby gefunden hatten, entschieden sie sich dann für ein eigenes Revier ganz in ihrer Nähe. Ungefähr 6.000 € kostet sie die jährliche Pacht. Dazu kommen natürlich weiter Ausgaben für Jagdgewehre, Waffenschrank, Wildkammer, Jagdkleidung, ein geländegängiges Auto mit Wildkorb, um nur einige zu nennen.

Wochenende ist Hauptjagdzeit

Sie haben viele Freunde durch die Jagd gefunden und möchten das Hobby bislang nicht missen. Vor allem am Wochenende ist für die beiden Jagdzeit. Jetzt können sie ungestört bis in die Abenddämmerung oder früh morgens auf der Jagdkanzel "ansitzen". Vor allem am Samstagabend treffen Sie sich häufig zur gemeinsamen Jagd mit ihren Hilfsjägern. Besprochen wird vorab, wer auf welcher Jagdkanzel ansitzt und was geschossen werden darf, denn jedes Tier hat festgelegte Schonzeiten. Zum Schluss wünschen Gudrun und Rolf Ihle "Waidmannsheil", was von allen mit einem "Waidmannsdank" beantwortet wird. Und schon verlassen sechs Allradfahrzeuge den Treffpunkt in Richtung Wald. Wichtig bei der Ansitzjagd ist es, rechtzeitig vor der Dämmerung so unauffällig wie möglich auf den Hochsitz zu gelangen. Danach ist dann Geduld angesagt. Zwei bis drei Stunden Warten sind keine Ausnahme. Für Gudrun Ihle ist das der schönste Moment ihres Hobbys - das stille Beobachten der Natur.

Der Schuss und seine Konsequenzen

Wenn dann wirklich Wild aus dem Wald tritt, ist die Muse allerdings vorbei, denn jetzt muss alles sehr schnell gehen. Es ist wichtig, dass sie sofort erkennt, ob das Tier überhaupt geschossen werden darf. Muttertiere, die ihre Jungen noch aufziehen sind grundsätzlich Tabu. Dann kommt es darauf an, dass das Tier in einer günstigen Position steht, um einen sicheren Schuss abgeben zu können, der es schnell tötet.

Eine Jägerin im Hochstand legt das Gewehr an.

Schlecht geschossen schmeckt schlechter

Gelingt dies, bricht das Wild noch an Ort und Stelle zusammen und hat nach kurzer Zeit sein Leben ausgehaucht. Gudrun Ihle berichtet, dass sie jedes Mal eine tiefe Erleichterung erfährt, wenn ihr Schuss das Tier ohne große Qualen schnell tötet. Gelingt es nicht, muss das angeschossene Wild so schnell wie möglich mit einem Hund gesucht und von seinen Qualen erlöst werden. Das ist nicht ganz ungefährlich, vor allem wenn es dämmert. Bei Schwierigkeiten muss ein professioneller Nachsucher mit speziell ausgebildeten Hunden verständigt werden. Häufig kann diese Suche aber aufgrund der hereinbrechenden Dunkelheit erst am nächsten Tag erfolgen. Bei unklaren Situationen ist es deshalb immer besser, "den Finger am Abzug gerade zu halten", so Gudrun Ihle. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum ein guter Schuss sehr wichtig ist: Erfährt das Wildtier vor seinem Tod noch großen Stress, wird das Wildfleisch später weniger gut schmecken. Eine Parallele zu den Masttieren.

Die wirtschaftliche Seite der Jagdpacht

Die Ihles erlegen jedes Jahr zusammen mit ihren Jagdhelfern ungefähr 40 Rehe und Rehböcke. Damit erfüllen sie die Abschussquote, die ihnen vom Verpächter und der unteren Jagdbehörde alle drei Jahre neu vorgegeben wird. Dazu kommen die erlegten Wildschweine, für deren Abschuss es zurzeit keine Beschränkungen in der Region gibt, da die Wildschweinschäden von Jahr zu Jahr zunehmen. Das allerdings ist eher ein unangenehmer Aspekt einer Jagdpacht, denn verantwortlich für alle Wildschäden im Revier ist in der Regel der Pächter. Eher selten werden in den Pachtverträgen Begrenzungen der Schadensersatzpflicht vereinbart. Nicht ersetzt werden müssen dagegen private Schäden. Reviere mit großem landwirtschaftlichen Flächenanteil und damit einem hohen Schadensrisiko sind eher unattraktiv für Jagdpächter, da die Schadensersatzpflicht nicht durch eine Versicherung abgefangen werden kann.

Es gibt aber auch die Möglichkeit Geld mit der Jagd zu verdienen. Denn alles geschossene Wild gehört dem Jagdpächter und mit etwas Geschäftssinn und guter Organisation kann er es gewinnbringend an Metzgereien oder Restaurants verkaufen. Ein großer Rothirsch hat zum Beispiel einen reinen Fleischpreis von ungefähr 500 Euro. Auch interessante Trophäen lassen sich unter Umständen verkaufen.

Eine ganz persönliche Entscheidung

Die Aufzählung der "Für und Wider" ließe sich fortsetzen, wie zum Beispiel: Gutes, regionales Wildfleisch ohne Antibiotikabelastung gegen die nächtlichen Störungen, wenn ein angefahrenes Wildtier von der Straße geräumt oder nachgesucht werden muss. Letztlich ist es eine ganz persönliche Entscheidung und die Frage "warum bin ich Jäger" wird jeder in der Zunft etwas anders beantworten.

aus der Sendung vom

Do, 27.11.2014 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.