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SENDETERMIN Do, 26.3.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Biologie Während Du schläfst

Ausruhen? Von wegen! Während wir schlummern, räumt unser Gehirn auf und festigt Erinnerungen - auch sonst bleibt unser Körper arbeitsfreudig.

Die Müdigkeit kommt mit dem Lichtwechsel: Zellen in der Netzhaut unserer Augen registrieren das Rot der untergehenden Sonne und melden an das Gehirn: Schlafenszeit - diese Zellen dienen übrigens nicht dem Sehen und können auch bei blinden Menschen intakt sein. Auf ihr Signal hin steigt im Körper der Melatonin-Spiegel, das Hormon der Nacht, es macht schläfrig: Die Reaktionszeiten werden länger, unsere Muskeln entspannen und wir neigen zum Frösteln - im Schnitt liegt unsere Körpertemperatur jetzt ein halbes Grad Celsius unter ihrem Durchschnittswert. Auch unser Denkorgan stellt sich auf das Schlafen ein: Die schnellen Gehirnwellen ebben ab, die gemächlicheren branden auf, ein Zeichen für Entspannung. Irgendwann ist das Bewusstsein schließlich ganz von den Sinnen abgezogen - wir sind eingeschlafen.

Physiologische Datensicherung

Kurz darauf steigt der Pegel unseres Wachstumshormons auf sein 24-Stunden-Maximum. Erholung ist angesagt: Müde Muskeln regenerieren sich, Haut, Haare und Knochen wachsen nach - und: Wunden heilen! In unserem Gehirn geht es derweil gemächlich zu. Tagsüber bilden sich mit jeder Erfahrung neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen; viele davon sind überflüssig. Jetzt heißt es: Entrümpeln und Aufräumen! Alle Informationen, die wir während des Wachlebens aufnehmen, haben sich zunächst in unserem Zwischenspeicher angesammelt. In unserem Langzeitspeicher findet sich dagegen unser Weltwissen: sensible Daten, die gut behütet werden müssen. Neue Neuronen und Synapsen bilden sich hier langsam und eher selten. Irgendwann müssen sich Zwischen- und Langzeitspeicher aber abgleichen: Wichtige Erinnerungen werden weitergegeben - unwichtige verworfen. Und das muss im Schlaf passieren, denn im Wachzustand würden sich neue Wahrnehmungen und reaktivierte Erinnerungen in die Quere kommen.

Körper läuft auf Hochtouren

Nach etwa einer guten Stunde Tiefschlaf wird es turbulent. Der ruhige Wellenschlag der Delta-Wellen weicht einem Durcheinander aus Theta-, Alpha- und Beta-Wellen: Teile des Gehirns sind aus dem Tiefschlaf erwacht. Unsere Augen zucken jetzt wild herum, es ist die Zeit für den so genannten REM-Schlaf: Das Gehirn beginnt zu träumen - und das lebhaft. Blutdruck und Herzfrequenz steigen, auch die Atmung geht schneller. Während die logisch-analytischen Zentren, die sonst unsere Triebe im Zaum halten, nahezu außer Betrieb sind, laufen die visuellen und emotionalen Zentren auf Hochtouren. Laut herrschender Theorie entrümpeln und regulieren Träume unseren Gefühlshaushalt. Apropos: Das Bewusstsein ist im Schlaf zwar von der Welt abgeschottet, das Gehirn bleibt aber wachsam. Auf ein Geräusch hin horcht es kurz auf, bewertet es - und lässt uns nur weiterschlafen, wenn keine Gefahr zu erkennen ist.

Beim Aufstehen ist Vorsicht geboten

Die folgenden Stunden vergehen im Wechsel zwischen Tief- und REM-Schlaf. Allertiefste Nacht ist physiologisch gesehen etwa zwischen drei und vier Uhr: Dann haben unsere Stoffwechselaktivität und Körpertemperatur ihren Tiefpunkt erreicht; die meisten Menschen schlafen, der Rest kämpft gegen die Schläfrigkeit. In den folgenden Stunden übernimmt dann das wach machende Stresshormon Cortisol nach und nach das Regime, der Schlaf wird weniger tief, und wir verbringen immer mehr Zeit im REM-Schlaf. Am Morgen erwachen unsere verschiedenen Hirnregionen übrigens nicht alle gleichzeitig - bei manchen können bis zu 20 Minuten vergehen, bis sie wieder voll funktionstüchtig sind. Nach dem Aufwachen empfiehlt sich also: Lieber noch etwas liegen bleiben!

aus der Sendung vom

Do, 26.3.2015 | 22:00 Uhr

SWR Fernsehen

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Sendezeit

Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.