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SENDETERMIN Do, 15.1.2015 | 22:00 Uhr | SWR Fernsehen

Tiere Verdauungssysteme bei Tieren

Ob Fleisch-, Pflanzen- oder Allesfresser - die Natur hat im Laufe der Evolution viele faszinierende Strategien zur Verdauung entwickelt.

Ein gezeichneter Querschnitt einer Kuh auf einer Weide mit animierten Verdauungstrakt.

Kaninchen sind ein gutes Beispiel, für überraschende Lösungen von Verdauungsaufgaben. Fast jeder, der die possierlichen Tiere schon einmal länger beobachtet hat, wird es gesehen haben: Kaninchen futtern immer wieder eigenen Kot. Ein Blick in ihr Inneres macht klar, wozu:

Bei Kaninchen landet ein Teil der Nahrung zunächst im Blinddarm. Dort helfen Mikroorganismen, die schwerverdauliche Pflanzenkost aufzuschließen. Dann wandert der Brei als "Weichkot" durch den Dickdarm und wird geköttelt. Diese Köttel werden erneut gegessen. Erst jetzt können die Nährstoffe im Dünndarm aufgenommen werden.

Erst bei der zweiten Verdauung sind die Nährstoffe verfügbar

Gerhard Breves ist Professor für Veternär-Gastroenterologie an der Tiermedizinischen Hochschule in Hannover. Fraglos einer der Experten für Verdauungssysteme bei Tieren. Obwohl er seit über drei Jahrzehnten auf diesem Forschungsgebiet tätig ist, spürt man noch immer seine Begeisterung für das Thema:

"Das Faszinierende an der Gastroenterologie ist, dass wir sehr unterschiedliche Verdauungsstrategien beobachten können, die sich im Zuge der Evolution bei einzelnen Tierarten entwickelt haben. Und diese Unterschiede bestehen eigentlich im Miteinander der körpereigenen und der mikrobiellen Verdauungsprozesse."

Kühe haben die gleiche schwer verdauliche Pflanzennahrung wie Kaninchen. Doch Kühe müssen ihren Dung nicht fressen, um an wertvolle Nährstoffe zu gelangen. Ihre Verdauungsstrategie ist eine andere:

Kühe haben vier Mägen. Zuerst kommt das Gras in den ersten, größten Magen, den Pansen. Er hat das Volumen einer halben Badewannenfüllung. Hier liegt das Gras bis zu drei Tage und wird von Mikroorganismen vergoren. Die eigentlich unverdaubare Zellulose wird hier von Mikroogranismen aufgeschlossen. Im Prinzip ist es derselbe Vorgang, der beim Kaninchen im Blinddarm stattfindet. Dann wird die "Silage" zurück ins Maul gewürgt, zum Wiederkäuen. Erst im Labmagen wird der Brei mit körpereigener Säure und Enzymen weiter aufgeschlossen. Die eigentliche Aufnahme in den Körper, die "Resorption" der Nährstoffe, geschieht im Dünndarm.

"Körperfremde" Verdauung der Zellulose

Bei Vögeln sieht das Ganze wieder völlig anders aus. Hauptnahrung bei den Pelikanen im Hannoveraner Zoo sind Fische. Da sie keine Kiefer und keine Zähne besitzen schlucken sie die Fische am Stück.

Zeichnung von einem Vogel

Verdauung beim Vogel: Durch Kropf, Drüsen- und Muskelmagen zum Dünndarm.

Dann gelangen die Fische erst in den Kropf und werden eingeweicht. Im Drüsenmagen kommen Magensäure und Enzyme hinzu und schließen Eiweiße und Fette auf. Der Muskelmagen hat Steinchen als Zahnersatz eingelagert. Hier wird der Brei gekaut. Und wieder ist es der Dünndarm, in dem die weitaus meisten der Nährstoffe aufgenommen werden.

Und woher hat der Vogelkot seine eigentümliche Erscheinung? Die Mischung von dunklen und hellen Fäkalien?

Vögel haben vor dem "letzten Ausgang" eine Kloake. Hier wird dunkler Darminhalt nur kurz mit weißem Urin vermischt. Und dann ausgeschieden. Daher die typische hell-dunkel-Mischung

Als typischen Verteter der Fleischfresser besuchen wir im Zoo eine Agame. Für die Verdauung der Heuschrecke hat diese Echse im Prinzip denselben Magen-Darm-Aufbau, wie alle Raubtiere, erklärt Gerhard Breves von der Tiermedizinischen Hochschule in Hannover:

"Das bedeutet, dass beim Fleischfresser der Magen-Dünndarm-Bereich deutlich stärker ausgebildet ist, als der Dickdarm. Der Grund dafür ist der, dass der Magen-Dünndarm-Bereich beim Fleischfresser eine viel Größere Bedeutung hat, wohingegen bei Pflanzenfressern, wo die Bedeutung der mikrobiellen Verdauungsprozesse größer ist, eben der Dickdarm insgesamt auch besser entwickelt ist."

"Körpereigene Verdauung" mit Säure und Enzymen

Für die Tierpfleger im Hannoveraner Zoo ist es egal, ob ihre Tiere mit den Zähnen oder mit dem Magen kauen. Oder ob ihre Schützlinge die Pflanzennnahrung im Blinddarm oder im Pansen vergären. Eins ist ganz klar: Am Ende kommts hinten raus. Und die Pfleger müssen sich darum kümmern, dass bald wieder alles sauber ist.

aus der Sendung vom

Do, 15.1.2015 | 22:00 Uhr

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Donnerstags um 22.00 Uhr im SWR Fernsehen.